Königin der Instrumente

4000 Pfeifen: Warum ihn diese Orgel in Memmingen so fasziniert

Inmitten der Orgel: Maximilian Pöllner ist Kirchenmusiker und bei der Pfarreiengemeinschaft in Memmingen als Chordirektor angestellt. Seine Faszination gilt der „Königin der Instrumente“. Was die Orgel so besonders macht, zeigt er unter anderem bei Konzerten.

Inmitten der Orgel: Maximilian Pöllner ist Kirchenmusiker und bei der Pfarreiengemeinschaft in Memmingen als Chordirektor angestellt. Seine Faszination gilt der „Königin der Instrumente“. Was die Orgel so besonders macht, zeigt er unter anderem bei Konzerten.

Bild: Maike Scholz

Inmitten der Orgel: Maximilian Pöllner ist Kirchenmusiker und bei der Pfarreiengemeinschaft in Memmingen als Chordirektor angestellt. Seine Faszination gilt der „Königin der Instrumente“. Was die Orgel so besonders macht, zeigt er unter anderem bei Konzerten.

Bild: Maike Scholz

Kirchenmusiker Maximilian Pöllner stellt die Orgel in der Kirche Sankt Josef vor. Der 35-Jährige erklärt, woher der Name „Königin der Instrumente“ stammt und welches Projekt vor ihm liegt.
06.09.2022 | Stand: 18:00 Uhr

In der Kirche St. Josef in Memmingen ist es ganz still, aber nur so lange bis Maximilian Pöllner an der Orgel Platz genommen hat. Der 35-Jährige lächelt. Dann weicht das Lächeln einem konzentrierten Blick. In seinem Gesicht ist zudem Faszination zu erkennen, als Pöllner mit seinen Fingern die Klaviatur berührt. Maximilian Pöllner ist Kirchenmusiker und bei der Pfarreiengemeinschaft als Chordirektor angestellt. Seine Faszination für die Orgel möchte er weitergeben – durch Unterricht, Konzerte sowie Führungen. Die Redaktion hat bei ihm nachgefragt: Warum wird die Orgel eigentlich als die Königin der Instrumente bezeichnet? Wie viele Pfeifen hat jene in St. Josef, wo liegt die Besonderheit bei der Orgel und welches umfangreiche Projekt steht für den 35-Jährigen derzeit an?

Die Geschichte der Orgel

Maximilian Pöllner kommt gebürtig aus Traunstein, ist seit fast sechs Jahren in Memmingen. In seiner Funktion begleitet er Gottesdienste und Konzerte an der Orgel, leitet den Kirchenchor, baut den Kinderchor mit aus. Zudem hat er Orgelschüler, gibt Unterrichtung als Chorleitung im C-Kurs – also für nebenberufliche Chorleiter – und ist außerdem Dekanatskantor.

Die erste Orgeltechnik sei vor etwa 2500 Jahren von Ktesibios, einem Ingenieur in Alexandrien, konstruiert worden. Die Orgel in Sankt Josef stammt aus dem Jahr 1980, wurde von Georg Jann erbaut. „Die Orgel ist ein kräftiges und vielfältiges Instrument, was die Klangfarben angeht. Sie ist wie eine Art Orchester“, sagt Maximilian Pöllner. Sie könne die unterschiedlichsten Instrumente bis hin zur menschlichen Stimme imitieren. Dabei kann sie leise hauchen und im nächsten Moment donnernd laut den Raum erfüllen. So werde sie ihrem Namen als Königin der Instrumente gerecht.

Wie vielfältig ein Orgelbauer sein muss

Der 35-Jährige zeigt auf: „Ein Orgelbauer muss ebenso unheimlich vielfältig und beruflich breitgefächert arbeiten. Eigentlich ist er zugleich Architekt, Statiker, Musiker, Schreiner, Schnitzer, Metall-Schlosser, Elektriker und natürlich auch ein Kaufmann.“ Eine klassische Orgelbauart stelle der „Hamburger Prospekt“ dar. Neben der Orgel gibt es zwei Türme mit großen Pfeifen. „Jede Orgel wird speziell für einen Raum gebaut“, gibt Maximilian Pöllner im Gespräch zu bedenken.

4000 Pfeifen - die größte ist sechs Meter hoch

Die Orgel in St. Josef verfügt über etwa 4000 Pfeifen. Die größte davon ist sechs Meter hoch, die kleinste gerade mal sechs/sieben Millimeter. Verbaut sind die Materialien Holz, Blei, Zinn, Kupfer und Leder. Zudem gibt es einen Computer, um einzelne Klangfarben abzuspielen. Die Hörgrenzen variieren von 16 bis 20.000 Hertz. Pedal, Klaviatur, Hauptwerk, Schwellwerk und als Besonderheit die Chamade: Letzterer Begriff steht für ein Register, bei dem die Pfeifen horizontal aus dem Prospekt (Erscheinungsbild) der Orgel ragen.

Wie entsteht ein Ton?

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Doch wie entsteht ein Ton? Was passiert mit und in einer Pfeife? Maximilian Pöllner erklärt: Wind trifft durch den Fuß ein, bricht sich am Oberlabium. Je nach Länge der Pfeife kommt ein Ton. Die Klangfarbe entscheidet sich nach dem Durchmesser. Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Pfeifen-Typen in der Orgel: Einmal sind das die Lippenpfeifen (Labialpfeifen), die wie eine Blockflöte funktionieren; zum anderen sind das die sogenannten Zungenpfeifen, die wie eine Harmonika funktionieren, und innen eine kleine Metallzunge haben. Sie seien meist nach Blasinstrumenten benannt.

Maximilian Pöllner muss bei seinen Erklärungen schmunzeln. Er denkt an seine erste „Orgel-Begegnung“ zurück. Als Kind sei er bei einem Gottesdienst auf der Orgel-Empore dabei gewesen. Da habe es ihn sozusagen „gepackt“: „Irgendwie bin ich so darauf gestoßen und nicht mehr davon weggekommen.“

Orgelaufbau: Das ist das derzeitige Projekt

Seine Faszination für das Instrument lebt er deswegen nicht nur in seinem Beruf, sondern auch privat, in seiner Freizeit, aus. Derzeit arbeiten er und weiterer Unterstützer an einem besonderen Projekt. Die Salesianer in Buxheim haben St. Josef ihre Orgel aus der Kartausen-Kirche mit etwa 1500 Pfeifen geschenkt. Diese soll jetzt wieder aufgebaut werden und hinter dem Hochaltar ihren Platz finden – zum Beispiel für die Chorbegleitung und Taufen.

Reinigen, aufbauen, neue Elektrik: Was geht, wird in Eigenleistung gemacht. Maximilian Pöllner sowie eine Gruppe aus Schülern, Kollegen und Freunden arbeiten immer wieder gemeinsam und haben bereits viel Zeit investiert. So manches, darunter die Elektrik, müsse aber vergeben werden. Das verursache Kosten. „Deswegen sind wir um jede Spende froh“, sagt der 35-Jährige. Maximilian Pöllner legt die Finger erneut auf die Klaviatur, beginnt mit dem Spiel und erfüllt mit den Klängen die Kirche St. Josef.

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