Memmingen

50 Jahre FOS/BOS Memmingen: Wie alles in einem Keller begann

FOS Lehrer 1972

Das erste Lehrerfoto aus dem Jahr 1972.

Bild: FOS/BOS (Repro)

Das erste Lehrerfoto aus dem Jahr 1972.

Bild: FOS/BOS (Repro)

Die FOS/BOS in Memmingen besteht seit 50 Jahren. Schüler und Lehrer blicken auf die vergangenen Jahre zurück - und auf die recht bescheidenen Anfänge.
Von Stefanie Rauh
06.01.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Die Memminger Fach- und Berufsoberschule (FOS/BOS) ist 50 Jahre alt geworden. Das Jubiläum sollte eigentlich mit rund 300 Gästen gefeiert werden. Aber daraus wurde nichts. Corona hat den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Feierlichkeiten unter dem Motto „Zusammen sind wir 50!“ sind jedoch nur verschoben. So bleibt die Hoffnung, dass die FOS/BOS ihre Abiturienten im Juli 2021 gebührend verabschieden kann.

Viele junge Menschen sind in den vergangenen 50 Jahren in die weiterführende Schule gegangen. Die Schüler können von der Realschule, der Gesamtschule oder vom Gymnasium auf die FOS/BOS wechseln. Wobei jeder die gleichen Chancen hat und verschiedene Abschlüsse anstreben kann – und zwar die Allgemeine Fachhochschulreife, die Fachgebundene Hochschulreife und die Allgemeine Hochschulreife. „Die Schule zeigt eindrucksvoll, dass Werte wie Motivationskraft, Wertschätzung, Teamwork und Zusammenhalt im Schulalltag gelebt und vorgelebt werden“, schreibt der bayerische Kultusminister Michael Piazolo in einem Grußwort.

50 Jahre FOS/BOS Memmingen: Alles begann im Keller der Bismarckschule

Die geplante Feier ist zwar ins Wasser gefallen. Dafür stellten Schüler der 11. und 12. Klassen bei einem Kunstprojekt die vergangenen 50 Jahre in einem Rückblick dar. Zudem verfassten Lehrerinnen und Lehrer eine ausführliche Chronik der FOS/BOS-Geschichte. Hier einige Auszüge:

Anfang August 1970 wurde der Schulleiter der neuen FOS in Memmingen, Dr. Peter-Klaus Schwiedel, bestellt. Er hatte ein kleines Zimmer im Keller der Städtischen Berufsschule, wo er mit einer geliehenen Schreibmaschine sein Ziel verfolgte und Schulgeschichte schrieb. Es gab zu diesem Zeitpunkt noch keine Lehrer, keine Sekretärin, weder Schulräume noch Lehrmittel – aber bereits über 100 Anmeldungen von Schülern. Am 9. September 1970 startete die FOS schließlich als Gast im Keller der Bismarckschule, in der auch die städtische Volkshauptschule untergebracht war. Bereits drei Jahre später besuchten 378 junge Menschen die neue Schule. Im dritten Jahr bezog die FOS zwei Stockwerke der Städtischen Berufsschule am Kaisergraben.

Lehrer FOS/BOS 2020
Das Lehrerkollegium der FOS/BOS in Memmingen im Jahr 2020.
Bild: Eva-Maria Burger

Schwiedels Nachfolger Hans Ernst leitete die Schule von Juni 1977 bis Juli 1982. In dieser Zeit entwickelte sich die Schuldynamik und die Schülerzahl wuchs. Johannes Böck übernahm das Amt im August 1982. Im Schuljahr 1981/82 verließ die Berufsschule das Gebäude am Kaisergraben und bezog die neu gebaute Johann-Bierwirth-Schule an der Bodenseestraße. Die frei gewordenen Räume am Kaisergraben bezog das Vöhlin-Gymnasium, das sich mit der FOS fortan die Räume teilte.

2004 zog die FOS/BOS in neues Gebäude

Nach zehn Jahren wurde Hans-Peter Gneiser Böcks Nachfolger. Eine Statistik aus dem Jahr 1995 zeigt, dass knapp ein Drittel der damals 282 Schüler aus Memmingen kam. Der andere Teil stammte aus dem Umland.

1997 ging ein Schreiben mit dem Wunsch eines Neubaus beim damaligen Oberbürgermeister ein. Am 21. Juni 2001 beschloss dann der Stadtrat den Bau eines neuen Schulgebäudes. Es wurde vom Stuttgarter Architekturbüro „Maler, Günster und Fuchs“ entworfen. Im Jahr 2004 wurde das Gebäude bezogen. Den Höchstwert an Lernenden erreichte die FOS/BOS im Schuljahr 2006/2007 mit einer Zahl von etwa 800 Schülern.

Im Jahr 2007 fand die erste FOS/BOS Weihnachtsfeier für Lehrkräfte und Schüler statt. Dies ist mittlerweile Schultradition. Ebenso die Weihnachtstombola, deren Erlös stets für wohltätige Zwecke gespendet wird. (Das könnte Sie auch interessieren: Bessere Ausbildung für Kita-Mitarbeiter: Unterallgäu und Memmingen machen sich für neue Akademie stark)

2008 verschmolzen die Begriffe „Staatliche Fachoberschule“ und „Berufsoberschule“ zu „Berufliche Oberschule Memmingen“. 2011 verließ Gneiser nach 19 Jahren die Schule. Der neue Schulrektor Edwin Kunz übernahm das Amt. In seiner Amtszeit fand eine Lehrplanreform statt. Nach sieben Jahren folgte auf Kunz der neue Schulleiter Karl Albrecht. Seit dem Schuljahr 2019/20 gibt es an der FOS/BOS Memmingen die neue Ausbildungsrichtung „Internationale Wirtschaft“. An der Schule findet eine Digitalisierung statt. „Wir sind nunmehr unwiderruflich auf dem Weg in das digitale Unterrichtszeitalter und wer weiß, wie Schule in fünf oder zehn Jahren funktionieren wird“, sagt Albrecht im Vorwort des Jahresberichts 2020.

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