Eiserne Hochzeit

65 Jahre verheiratet: „Besser könnte es nicht sein“

mm eiserne hochzeit

Memmingens Zweite Bürgermeisterin Margareta Böckh gratuliert Helga und Wilhelm Rohm mit einem Geschenkkorb zur eisernen Hochzeit.

Bild: Osterried

Memmingens Zweite Bürgermeisterin Margareta Böckh gratuliert Helga und Wilhelm Rohm mit einem Geschenkkorb zur eisernen Hochzeit.

Bild: Osterried

Helga und Wilhelm Rohm sind seit 65 Jahren verheiratet. Was das Erfolgsrezept ihrer Ehe ist und warum das Tanzen einen ganz besonderen Platz in ihrem Leben hat
05.08.2021 | Stand: 12:06 Uhr

Wenn Helga Rohm über ihren Mann Wilhelm spricht, kommt sie ins Schwärmen. „Der Mann war schon immer ein fescher Kerl und so sympathisch. Ich weiß gar nicht, in was ich mich mehr verliebt habe: In ihn oder in seine Locken“, sagt sie. Wilhelm Rohm drückt lächelnd ihre Hand und winkt ab. „Wir sind immer gerne zusammen gewesen“, sagt seine Frau über die gemeinsame Ehe. Seit 65 Jahren sind die beiden verheiratet – und offensichtlich sehr glücklich miteinander.

Margareta Böckh gratuliert dem Paar zur eisernen Hochzeit

Zur Feier ihrer eisernen Hochzeit kommt Memmingens Zweite Bürgermeisterin Margareta Böckh mit einem großen Geschenkkorb. Das Paar ist sichtlich berührt und freut sich über die Aufmerksamkeiten. „Das ist ja auch wirklich ein besonderes Fest“, sagt Böckh und stößt mit den beiden auf ihr Jubiläum an.

Die gemeinsame Geschichte der Rohms beginnt nach dem Krieg. Sie sind als Flüchtlingskinder nach Legau gekommen, Helga aus dem Sudetenland und Wilhelm aus dem Erzgebirge. „Das war am Anfang eine schwere Zeit“, erzählen sie. Helga habe in ihrer Heimat bereits eine Lehre als Näherin angefangen und konnte daher als Schneiderin arbeiten. Wilhelm war als Schlosser tätig.

Der Funke sprang beim Tanzen über

„Ich bin immer so gerne tanzen gegangen“, sagt Helga Rohm. Im Löwen in Legau seien immer die schönsten Tanzveranstaltungen gewesen. Und da haben sie sich kennengelernt, beim Tanzkurs. „Wir haben immer viel getanzt und das auch mit in unsere Ehe genommen“, schwelgt die 92-Jährige in Erinnerungen. „Und von da an wollte ich keinen anderen Mann mehr und auch mit keinem anderen das Tanzbein schwingen.“

Hochzeit in Legau: Fast hätte der Pfarrer das Brautpaar vergessen

Beide sind nicht wohlhabend, deswegen sparen sie, bis sie sich eine Hochzeit leisten können. 1956 ist es dann soweit: In einer kleinen Kapelle im Krankenhaus in Legau wollen sie sich trauen lassen. „Und dann hätte uns der Pfarrer fast vergessen“, erzählt Helga Rohm und lacht. Die Hochzeitsgesellschaft hatte sich bereits eingefunden, da entdeckte der Fahrer des Brautpaars, dass der Pfarrer noch seelenruhig beim Friseur saß. „Er hat ihn dann natürlich gleich angesprochen, dass da ein Brautpaar wartet, das gleich von ihm getraut werden möchte.“ So konnte die kirchliche Trauung doch noch wie geplant stattfinden.

"In guten wie in schlechten Zeiten": Auch Rückschläge bringen die beiden nicht auseinander

Lesen Sie auch
##alternative##
Diamanthochzeit

Nach 60 Jahren packen sie immernoch gemeinsam den Koffer

„In guten wie in schlechten Zeiten“ ist für die beiden ein unverrückbarer Grundsatz. Als Helga vor einigen Jahren einen Schlaganfall erleidet, ist der 90-Jährige immer an ihrer Seite. Das Tanzen geht danach leider nicht mehr. Aber weil sportliche Aktivitäten zusammenschweißen, sind die beiden einfach auf gemeinsames Spazierengehen mit Rollator umgestiegen. „Meine Gesundheit ist jetzt nicht mehr die Beste, aber die Liebe und Güte meines Mannes hilft mir sehr“, sagt Helga Rohm. Eine Tochter haben die Rohms. „Wir hätten gerne noch ein Kind bekommen, aber der Rhesusfaktor von uns beiden hat nicht gepasst“, bedauert Wilhelm Rohm. Zwei Enkel und ein Urenkel gibt es mittlerweile.

Helga und Wilhelm Rohm 1956 bei ihrer Hochzeit.
Helga und Wilhelm Rohm 1956 bei ihrer Hochzeit.
Bild: Osterried

Aber was ist nun das Geheimnis einer guten und langen Ehe? Beide überlegen. „Den anderen so zu nehmen und zu lassen, wie er ist“, sagt die 92-Jährige schließlich. „Jeder passt auf den anderen auf“, ergänzt ihr Ehemann. Laut ihm gibt es auch keinen, der in der Beziehung wirklich die Hosen anhat: „Mal so, mal so.“ Wie Ying und Yang seien sie – Helga lebhaft und gesprächig und Wilhelm eher zurückhaltend. Es sind nicht nur die Erzählungen, sondern auch die kleinen Zärtlichkeiten, die ihrer Liebe lebendig halten. Während des Gesprächs halten die beiden Händchen. „Das hat sicher nur so lange gehalten, weil ich Schlosser war“, sagt Wilhelm schelmisch: „Ich hatte viel mit Metallen zu tun, also war uns eine eiserne Hochzeit quasi vorherbestimmt.“ Und beide sind sich einig: „Besser könnte es nicht sein.“

Lesen Sie dazu auch: "Beim Tanzen sind wir uns näher gekommen"