Rettungsdienst

Akkon Memmingen meldet sich einsatzklar

OB Rettungswache

Die Johanniter stellen bereits seit über 20 Jahren tagsüber einen Rettungswagen an der Klinik Ottobeuren. Der Innenraum eines Rettungswagens gleicht einer kleinen Intensivstation. Nathaly Farinella lässt sich von Praxisanleiter Max Schulz in die Benutzung des Beatmungsgeräts einweisen. Die Notärzte werden überwiegend von der Klinik Ottobeuren gestellt.

Bild: Werner Mutzel

Die Johanniter stellen bereits seit über 20 Jahren tagsüber einen Rettungswagen an der Klinik Ottobeuren. Der Innenraum eines Rettungswagens gleicht einer kleinen Intensivstation. Nathaly Farinella lässt sich von Praxisanleiter Max Schulz in die Benutzung des Beatmungsgeräts einweisen. Die Notärzte werden überwiegend von der Klinik Ottobeuren gestellt.

Bild: Werner Mutzel

Der Rettungswagen der Johanniter und das Notarztteam des BRK sichern die Versorgung im Raum Ottobeuren. Was sie an einem normalen Tag erleben.
03.06.2021 | Stand: 11:32 Uhr

Eigentlich würde der Dienst erst um 7 Uhr beginnen, aber Nathaly Farinella ist bereits eine halbe Stunde früher im Rettungswagen der Johanniter und überprüft die umfangreiche Ausrüstung auf Vollständigkeit. Kurze Zeit später beginnt auch Notfallsanitäter Max Schulz mit der Kontrolle der medizinischen Geräte und des Notfallkoffers. Pünktlich um 7 Uhr wird der Rettungswagen mit dem Funkruf „Akkon Memmingen 71/3“ bei der Integrierten Leitstelle in Krumbach angemeldet. Für zwölf Stunden steht er an der Rettungswache Ottobeuren für Notfalleinsätze zur Verfügung.

Die Johanniter und das Bayerische Rote Kreuz (BRK) betreiben direkt neben der Klinik eine gemeinsame Rettungswache. Dort steht auch das Einsatzfahrzeug für den diensthabenden Notarzt, das von einem Rettungssanitäter des BRK gesteuert wird. Während der Rettungswagen der Johanniter bereits seit über 20 Jahren in Ottobeuren für Einsätze bereitsteht, wurde der Notarztstandort an der Klinik im Juni 2012 fest installiert. Ausschlaggebend war das zunehmende Einsatzaufkommen in der Notfallrettung und die Einhaltung der gesetzlichen Hilfsfrist. Innerhalb von zwölf Minuten müssen die alarmierten Retter am Einsatzort eintreffen.

Erster Einsatz: Gestürzte ältere Dame

Um 8.30 Uhr schlagen die Meldeempfänger der Sanitäter Alarm. Es geht mit Sondersignal in eine kleine Gemeinde in der Nähe von Ottobeuren. Eine ältere Dame ist in ihrer Wohnung gestürzt und klagt über Schmerzen im Oberschenkel. Nach Befragung und Untersuchung entscheidet sich Notfallsanitäter Max Schulz, der Patientin ein Schmerzmittel zu verabreichen, um die Transportfähigkeit herzustellen. Notfallsanitäter dürfen in Bayern ohne vorherige ärztliche Anweisung bei einer isolierten Extremitätenverletzung ein bestimmtes Schmerzmittel geben. Damit sollen Notärzte entlastet werden und für andere Einsätze zur Verfügung stehen, wo sie dringender gebraucht werden, begründete Innenminister Joachim Herrmann die Ende 2019 getroffene Neuregelung. Der Transport in die Klinik verläuft ohne Komplikationen.

Der nächste Einsatz lässt nicht lange auf sich warten. Die Leitstelle beordert den Rettungswagen der Johanniter nach Bad Grönenbach. Ein Patient fühlt sich sichtlich unwohl und befürchtet, dass sein Herz Probleme mache. Das Rettungsteam misst die Körpertemperatur und den Blutdruck sowie die Sauerstoffsättigung. Anschließend wird ein EKG geschrieben, das ebenfalls keine Auffälligkeiten zeigt. Der Patient kann beruhigt werden und wird sich in die Obhut seines Hausarztes begeben.

Fortbildungen zwischen den Einsätzen

Notfallsanitäter Max Schulz (30) ist bereits seit elf Jahren bei den Johannitern und hatte nach dem Abitur ursprünglich die Ausbildung zum Intensivkrankenpfleger absolviert. Seit sechs Jahren arbeitet er hauptamtlich im Rettungsdienst und ist zudem Praxisanleiter für den Nachwuchs sowie Einsatzleiter Rettungsdienst. Somit liegt es nahe, dass die Zeit zwischen den Einsätzen für Fortbildungszwecke genutzt werden kann.

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Nathaly Farinella wird heute eingehend in das Beatmungsgerät im Rettungswagen eingewiesen. Die 22-Jährige hatte nach dem Abitur zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bezirkskrankenhaus Memmingen absolviert. Seit über zehn Jahren ist sie auch in der Memmingerberger Feuerwehr aktiv. Im Oktober letzten Jahres begann die dreijährige Berufsausbildung zur Notfallsanitäterin, die sich in wechselnden Blöcken zwischen Berufsfachschule, Klinikpraktikum und Einsatzdienst vollzieht. Spannend sei es im Rettungsdienst und man brauche Empathie für die unterschiedlichen Menschen und Situationen, sagt die junge Sanitäterin.

Brandmeldeanlage geht los

Am frühen Nachmittag gibt der Meldeempfänger erneut Alarm: in einer Firma nahe Ottobeuren hat die Brandmeldeanlage ausgelöst, auch die Feuerwehr ist bereits unterwegs. Noch auf der Anfahrt wird Entwarnung gegeben und der Rettungswagen kann abdrehen. Zwei Minuten später kommt der nächste Auftrag: Notfall in Bad Grönenbach, eine ältere Dame habe vermutlich eine Blutvergiftung. Auch dieser Einsatz wird routiniert abgewickelt und die Patientin wunschgemäß in die Notfallklinik Memmingen gefahren.

Am Spätnachmittag gesellt sich Notarzt Dr. Harald Skudel zum Rettungsteam der Johanniter. Der erfahrene Mediziner ist einer von 15 Notfallmedizinern, die sich am Notarztstandort Ottobeuren für Soforteinsätze bereithalten. Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Klinik Ottobeuren, Notärzten und dem Rettungsdienst sei die Garantie für eine fachlich hervorragende Versorgung auch im ländlichen Bereich. Nach einem interessanten Gedankenaustausch über psychiatrische Notfälle im Rettungsdienst ruft Nathaly Farinella über Funk die Leitstelle und meldet nach zwölf Stunden Dienst das Fahrzeug ab. Schon am nächsten Tag wird sie mit zwei Kollegen wieder die Rettungswache Ottobeuren besetzen.