Geschichte

Aktion gegen das Vergessen in Memmingen

Dieser Lederkoffer wurde auf seinem Weg nach Auschwitz auch mit Erinnerungsstücken aus Memmingen gefüllt. Unser Bild zeigt (von links) OB Manfred Schilder, Initiator Martin Krick, Dr. Ivo Holzinger und Leo Hiemer beim Zwischenstopp der „Nie-Wieder-Tour“ am Gedenkstein am Schweizerberg in Memmingen.

Dieser Lederkoffer wurde auf seinem Weg nach Auschwitz auch mit Erinnerungsstücken aus Memmingen gefüllt. Unser Bild zeigt (von links) OB Manfred Schilder, Initiator Martin Krick, Dr. Ivo Holzinger und Leo Hiemer beim Zwischenstopp der „Nie-Wieder-Tour“ am Gedenkstein am Schweizerberg in Memmingen.

Bild: Armin Schmid

Dieser Lederkoffer wurde auf seinem Weg nach Auschwitz auch mit Erinnerungsstücken aus Memmingen gefüllt. Unser Bild zeigt (von links) OB Manfred Schilder, Initiator Martin Krick, Dr. Ivo Holzinger und Leo Hiemer beim Zwischenstopp der „Nie-Wieder-Tour“ am Gedenkstein am Schweizerberg in Memmingen.

Bild: Armin Schmid

„Nie-Wieder-Tour“ von Martin Krick macht Station in Memmingen und Fellheim. Die Radtour erinnert an ein Mädchen, das von den Nazis in Auschwitz ermordert wurde.
08.09.2020 | Stand: 14:33 Uhr

Eine etwa 1300 Kilometer lange Strecke will der Babenhauser Martin Krick während der nächsten zehn Tage bei einer Fahrt mit dem Fahrrad nach Auschwitz zurücklegen. Am Europäischen Tag der jüdischen Kultur startete der passionierte Radler seine „Nie-Wieder-Tour“ in Stiefenhofen und legte seine ersten Zwischen-Stopps in Memmingen und Fellheim ein.

„Herzlichen Dank für dieses wichtige Zeichen“, sagte Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder mit Blick auf die Radtour, die das Schicksal des kleinen, jüdischen Mädchens Gabriele Schwarz lebendig hält. Der OB betonte am Gedenkstein der einstigen Synagoge am Schweizerberg, dass es auch in Memmingen pulsierendes jüdisches Leben gegeben hatte. Während der Reichspogromnacht sei die Synagoge zerstört und später abgerissen worden: „Das war der Wendepunkt von der Diskriminierung hin zu Deportation und Ermordung des jüdischen Volkes.“ Angesichts eines wieder aufflammenden Rechtsextremismus’ und antisemitischer Tendenzen müsse man heute sehr achtsam sein und dürfe nicht gleichgültig oder blind durchs Leben gehen.

Dr. Ivo Holzinger, Vorsitzender der deutsch-israelischen Gesellschaft in Memmingen, sprach mit Blick auf die „Nie-Wieder-Tour“ von einem wichtigen Signal der Anteilnahme, das auch das Gedenken an den millionenfachen Mord der Nazi-Herrschaft am jüdischen Volk einschließe.

Der Autor und Filmemacher Leo Hiemer aus Kaufbeuren stellte die Leidensgeschichte der kleinen Gabi Schwarz in den Vordergrund. Das jüdische Kind sei bei Pflegeeltern in Stiefenhofen untergebracht gewesen, wurde getauft und katholisch erzogen. Für die Nazis habe das kleine Mädchen trotzdem als Jüdin gegolten. Als die Deportation näher rückte, gaben die Pflegeeltern dem lieb gewonnenen Kind einen Koffer mit Kleidung, Spielsachen und einem Foto der Pflegefamilie mit auf den Weg. Da Juden nichts von Ariern besitzen durften, kam der Koffer laut Leo Hiemer wieder zurück. Das fünfjährige Mädchen wurde mit dem Zug nach Auschwitz-Birkenau gebracht und ermordet. Da sich so etwas keinesfalls wiederholen dürfe, sei es wichtig, dass dieser Teil der deutschen Geschichte bewusst in Erinnerung bleibe. „Gabi Schwarz lebt, solange wir uns an sie erinnern“, betonte Regina Gropper, Kuratorin im Stadtmuseum.

Mit einem Koffer nach Auschwitz

Martin Krick, der etwas für das Erinnern und gegen rechtsextremistisches Geschwätz tun will, wird einen Koffer mit Erinnerungsstücken am Ende der Fahrt an die Jugendbildungsstätte in Oswiecim übergeben. Oberbürgermeister Manfred Schilder steuerte eine Schriftrolle bei, die an das Schicksal von sieben jüdischen Frauen (Channa Tishbi Berman, Edith Eis, Eleonora Jagdeo, Elisheva Ramon, Hedwig Bähr, Sofie Friedman und Ursula Guggenheimer) aus Memmingen erinnert.

Da es sich auch um eine Charity-Tour handelt, deren Erlös der Jugendbildungsstätte in Oswiecim zugutekommen wird, steuerte Dr. Ivo Holzinger für die deutsch-israelische Gesellschaft einen Spendenscheck in Höhe von 180 Euro bei.