Kultur- und Veranstaltungsbranche

Alarmstufe Rot für die Kultur: Memminger Veranstalter in Not

Corona Protest von Künstlern und Eventveranstaltern

Corona Protest von Künstlern und Eventveranstaltern "Night of Light": vielerorts wurden Gebäude rot beleuchtet - hier das Memminger Rathaus

Bild: Nicolas Kluge

Corona Protest von Künstlern und Eventveranstaltern "Night of Light": vielerorts wurden Gebäude rot beleuchtet - hier das Memminger Rathaus

Bild: Nicolas Kluge

Veranstaltungsbranche leidet in Corona-Krise: „Night of Light“ weist in Memmingen mit Beleuchtung auf Probleme hin. Was es für Perspektiven und Unterstützung gibt

21.06.2021 | Stand: 18:47 Uhr

Nach Monaten des Lockdowns endlich wieder Öffnungen. Doch eine Branche hängt trotz der Lockerungen noch immer unsicher in der Luft und beklagt auch mangelnde Unterstützung: Kulturinstitutionen und Veranstaltungswirtschaft. Julian Wolf von der Eventfirma Wolf erzählt von einem Werbespot der Bundesagentur für Arbeit, in dem ein pandemiebedingt arbeitsloser Veranstaltungstechniker für eine Umschulung wirbt. „Nach rund eineinhalb Jahren faktischem Berufsverbot ist ein solcher Spot ein Schlag ins Gesicht von jedem Einzelnen der Branche“, sagt er.

"Night of Light" - Die Protestaktion einer leidenden Branche

Als Zeichen für die Herausforderungen, mit denen die Branchen zu kämpfen haben, gibt es auch dieses Jahr wieder am 22. Juni eine „Night of Light“. Dabei tauchen Veranstalter bundesweit öffentliche Gebäude mit Scheinwerfern in tiefes Rot.

Landestheater Schwaben in Memmingen und Synagoge in Fellheim werden angeleuchtet

Memminger Vertreter der Veranstaltungsbranche beteiligen sich an der Protestaktion. Die Eventfirma Wolf beleuchtet heuer die Synagoge in Fellheim. Auch das Landestheater Schwaben in Memmingen erstrahlt in Rot. „Wir wollen die Kultur- und Veranstaltungsszene in ihrer Vielfalt erhalten“, erklärt das Landestheater in einer Pressemitteilung. Die „Night of Light“ betone den Wert und die Bedeutung von Kunst und Kultur für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Aktion sei auch ein Aufruf an die Politik, die sechstgrößte Branche Deutschlands zu unterstützen.

Maßnahmen "Neustart Kultur" und lokale Hilfen in Memmingen sollen Kulturschaffende unterstützen

Der Bund hat für die Veranstaltungsbranche die Maßnahme „Neustart Kultur“ und den Sonderfonds für Kulturveranstaltungen ins Leben gerufen. Das Paket umfasst insgesamt 4,5 Milliarden Euro. Auch die Stadt Memmingen beteiligt sich mit Hilfsprogrammen: Vergangenen Sommer startete das Kulturamt einen Aufruf, bei dem sich freischaffende Künstler in Not aus Memmingen melden konnten. Finanziert wird es aus Haushaltsmitteln der abgesagten Memminger Meile 2020.

Kritik an den Soforthilfen der Bundesregierung

Die Soforthilfen der Politik seien laut Julian Kluge eine gute Idee gewesen, doch an der Umsetzung haperte es. „Die Pakete durften nur für Betriebskosten eingesetzt werden, was für Selbstständige nicht besonders hilfreich war.“ Spätere Initiativen seien besser gewesen – aber zu spät für einige Kollegen. Viele Betriebe hätten sich nur mit Umschulung auf Streaming durch den Lockdown gerettet.

Johanna Langer von Moonlight Events fehlt die Unterstützung der Gemeinden

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Auch Johanna Langer von Moonlight Events bemängelt fehlende Unterstützung. Selbst jetzt – bei niedrigen Inzidenzen – seien viele Gemeinden nicht bereit, Open-Air-Veranstaltungen zu bewilligen, auch wenn es bereits möglich sei.

Memminger Oberbürgermeister Manfred Schilder hat Hoffnung für lokale Eventbranche

Oberbürgermeister Manfred Schilder blickt trotzdem vorsichtig positiv in die Zukunft der lokalen Eventbranche: „Das Kaminwerk hat wieder geöffnet und die Memminger Meile findet statt – ein Grund zur Hoffnung.“

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