Bauernhofmuseum Illerbeuren

Kartoffeln klauben und Zwiebelzöpfe: So war der Anpacktag im Bauernhofmuseum

KB Erntetag

Hautnah mitereleben konnten die Besucher die Kartoffelernte im Bauernhofmuseum Illerbeuren - und durften die leckeren Knollen auch mit nach Hause nehmen.

Bild: Franz Kustermann

Hautnah mitereleben konnten die Besucher die Kartoffelernte im Bauernhofmuseum Illerbeuren - und durften die leckeren Knollen auch mit nach Hause nehmen.

Bild: Franz Kustermann

Besondere Aktion im Bauernhofmuseum Illerbeuren: Beim Anpacktag werden nicht nur Kartoffeln gelesen.
24.08.2021 | Stand: 05:45 Uhr

Selten mussten sie schon mal so lange anstehen wie an diesem Sonntagvormittag vor dem Kassenhäuschen des Schwäbischen Bauerhofmuseums – die Besucherschlange reichte bis zum Gregg-Hof hinunter. Doch diesmal war für die zahlreichen Gäste vieles anders als bei den herkömmlichen Großveranstaltungen wie etwa den Handwerkertagen oder dem traditionellen Obsttag: Zum ersten Mal gab es im Museum in Illerbeuren nämlich einen „Anpacktag“, der von den Besuchern durchaus wörtlich genommen werden durfte.

Für viele Kinder und auch Eltern war das neu. Sie konnten live auf dem Acker miterleben, wie die Erdäpfel namens „Sieglinde“ mit einem 70 Jahre alten Kartoffelroder wie „anno dazumal“ aus der Erde geschleudert wurden. Selber „anpacken“ durften alle Besucher beim Auflesen der gelben Knollen.

Von der Scholle in den Weidenkorb

In kleine Weidenkörbe „geklaubt“, durften die leckeren Kartoffeln gegen eine Spende mit nach Hause genommen werden. So mancher Besucher, dem seine Ausbeute zu schwer war, legte den Kartoffelsack einfach in den mitgebrachten Kinderwagen. Anpacken konnten die Besucher zudem auch bei den Zwiebeln: Diese wurden mit ihrem Laub zu langen Zöpfen geflochten, bevor sie zum Trocknen aufgehängt wurden.

Michael und Renate Kaiser sind Stammgäste mit Dauerkarte – schon seit 15 Jahren kommen sie regelmäßig ins Bauernhofmuseum. Trotzdem war auch für sie am Sonntag vieles neu: Es wurde nämlich der fast fertiggestellte Weg zum neuen Erweiterungsgelände hoch erstmals für die Besucher geöffnet. Das Memminger Ehepaar nutzte allerdings lieber den kostenlosen „Shuttle-Service“ der beiden prächtig geschmückten Kaltblutpferde Zoey und Sandro, um sich von Kutscherin Monika Sekul aus Rot an der Rot bequem auf den Berg hoch fahren zu lassen.

Historische Maschinen im Einsatz im Bauernhofmuseum

Oben, im weitläufigen, neuen Erweiterungsgelände, erläuterte ihnen Museumsdirektor Dr. Bernhard Niethammer die zum Einsatz kommenden, historischen Ernte-Maschinen. Teilweise sind sie schon über hundert Jahre alt und funktionieren noch immer. Etwa der Fahr-Bindemäher, mit dem Museumslandwirt Manfred Schneider – wie noch in den 50er Jahren allgemein üblich – das Getreide schnitt und zu Garben zusammen knöpfte. Thomas Hartmann (Herbisried) und Josef Albrecht (Legau) zeigten direkt neben dem Getreidefeld mit einem „Mengele-Breitdrescher“, wie in grauer Urzeit das Korn von Spelzen und Stroh getrennt und in großen Jutesäcken abgefüllt wurde.

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Voller Stolz demonstrierte Helmut Brader auch einen Claas-Mähdrescher in Aktion: Das erste Gerät mit einer Balkenbreite von 2,50 Metern und einem 65 PS starken Motor auf dem rechten Vorderrad, bei dem das Getreide gemäht und gleichzeitig ausgedroschen wurde, wie der Museumsdirektor begeistert erläuterte.

Josef und Anton Rauch hatten sich zum Weizen-Dreschen mit einer Dechentreiter-Dreschmaschine im Stadel Nattenhausen niedergelassen: Die ehemaligen Zeller Landwirte zeigten, wie diese laute und staubige Arbeit früher in der Tenne – manchmal sogar fast bis zum Weihnachtsfest – durchgeführt wurde. Der Drechsler hatte im Grieshof seine Werkstatt aufgeschlagen; die Bürstenmacherin im Nattererstadel. Selbstverständlich war auch das Backhaus in Betrieb und versprühte den wohlriechenden Duft von frisch gebackenem Bauernbrot und leckeren Waien im alten, sehr weitläufigen Museumsgelände.

Über 700 Besucher beim "Anpacktag" in Illerbeuren

Obwohl der erste "Anpacktag“ mit insgesamt rund 730 Besuchern sehr viele Schaulustige ins Museum lockte, waren die Corona-Vorgaben leicht einzuhalten: Wer seinen Zettel zur Kontaktnachverfolgung ausgefüllt hatte, durfte im Gelände die FFP2-Maske abnehmen. Nur in den Gebäuden musste ein Mundschutz getragen werden: Alle fertiggestellten Gebäude konnten besichtigt werden; nur das Haus der Schützenkultur befand sich beim „Anpacktag“ – wie bereits seit über fünf Jahren nach der wegen eines Wasserschadens geplatzten Eröffnung – immer noch im Dornröschenschlaf.

Wie es mit den vielen anderen Häusern im Alten Museumsdorf, die derzeit noch dem Heimatdienst Illertal gehören, weitergeht, will der Verein am Sonntag, 5. September, um 17 Uhr in einer Informationsveranstaltung im Zehentstadel des Bauernhofmuseums unter dem Punkt „Neuordnung der Eigentumsverhältnisse in Heimatdienst Illertal e.V.“ bekannt geben.

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