Landestheater Schwaben

Ausstattungsleiterin Franziska Isensee gestaltet Bühnenbild und Kostüme

Im Monolog "Bilder deiner großen Liebe" nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf, für den Franziska Isensee die Bühne entworfen hat, spielt Franziska Roth.

Im Monolog "Bilder deiner großen Liebe" nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf, für den Franziska Isensee die Bühne entworfen hat, spielt Franziska Roth.

Bild: Karl Forster

Im Monolog "Bilder deiner großen Liebe" nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf, für den Franziska Isensee die Bühne entworfen hat, spielt Franziska Roth.

Bild: Karl Forster

Die Expertin für Bühnenausstattung will am Landestheater in Memmingen mit Seelenräumen Theatermagie erzeugen. Welche Umwege sie zu diesem Beruf geführt haben.
17.02.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Wenn ein Theaterstück auf der Bühne des Landestheaters Schwaben aufgeführt wird, liegen hinter Schauspielern und Regisseuren wochenlange Proben. Aber bis sich der Vorhang hebt, sind noch viele andere Mitarbeiter des Hauses an der Inszenierung beteiligt – von der Kostümbildnerin bis zum Beleuchter, von der Disponentin bis zum Tontechniker.

Seit Beginn der laufenden Spielzeit 2020/21 hat das Landestheater Schwaben (LTS) eine neue Ausstattungsleiterin. Bestens bekannt ist Franziska Isensee dem Memminger Publikum schon durch die Gestaltung der Produktionen „Haydi! Heimat!“, „Demut vor deinen Taten Baby“ und den Familienstücken „Der gestiefelte Kater“ sowie „Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse“. Nun leitet die 34-Jährige die Abteilungen für Bühnenbild und Kostüm, die zu den spannendsten künstlerischen Aspekten des Theaters gehören. Doch wie wird man Bühnenbildnerin?

Franziska Isensee ist seit Herbst 2020 Ausstattungsleiterin am LTS in Memmingen.
Franziska Isensee ist seit Herbst 2020 Ausstattungsleiterin am LTS in Memmingen.
Bild: Harald Holstein

Wie viele Ausstatter hat Franziska Isensee ihren ganz individuellen Weg in diesen Beruf gefunden. 1986 in Schwäbisch-Hall geboren, begann sie mit 16 Jahren eine Ausbildung zur Schneiderin. Nach einer Zeit in einem Designbüro für Mode folgte das Studium der Innenarchitektur, das sie allerdings nicht sehr zufriedenstellte. Ein Praxissemester am Deutschen Theater in Hamburg brachte den Durchbruch. „Nach dem zweiten Tag war klar, dass ich das machen will. Ich durfte sehen, wie man durch die Gestaltung des Raumes in ein Stück hineingezogen werden kann, ohne Worte, nur mit Bildern. Das hat mich verzaubert“, erzählt sie mit leuchtenden Augen.

Nach ihrem Abschluss ging sie für zwei Jahre als Bühnenbildassistentin an das Staatstheater Nürnberg. Dort lernte sie auch die jetzige LTS-Intendantin Kathrin Mädler kennen, die sie in ihrer Zeit als freie Bühnenbildnerin oft nach Memmingen holte. Ihre Arbeit als Freie führte Isensee auch nach Linz, Erlangen, Regensburg, Trier und Saarbrücken.

Alle paar Wochen ein neues Thema

An ihrer Arbeit liebt Franziska Isensee vor allem den Prozesscharakter. „Alle paar Wochen ist man mit einem neuen Thema befasst“, erzählt sie. Auch die Arbeit innerhalb einer Produktion sei immer einem nie ganz abgeschlossenen Prozess unterworfen. Manchmal merke man erst auf der Bauprobe, dass etwas nicht funktioniere. „Aber das mag ich im Vergleich zur Architektur. Beim Theater wird nicht etwas geplant und dann so hingestellt. Veränderungen sind möglich“, sagt die 34-Jährige. Dabei ist ihr der Teamgedanke besonders wichtig. Am besten könne sie arbeiten, wenn bei allen Beteiligten Vertrauen entsteht und sie weiß, dass der Regisseur gut mit Entwürfen und Vorschlägen umgeht.

Ideen zu finden fällt der Ausstattungsleiterin nicht schwer. Manchmal lese sie ein Stück und hat dann auf Seite drei gleich eine Idee, sagt sie. Manchmal suche sie länger und forsche dann inhaltlich tiefer. Anregungen holt sie sich viel aus der Beobachtung von Menschen im Alltag, aber auch gerne im Museum, vorzugsweise in ihrem früheren Wohnort München. Sie liest viel zeitgenössische Dramatik, um aktuell zu bleiben und die Sehgewohnheiten des Publikums zu verstehen.

Auf der Bühne arbeite sie nicht dokumentarisch, das könne der Film besser, sagt Isensee. Sie sucht die Kraft des Theaters. Für sie kann Theater große Magie erzeugen, mit Räumen, „die nicht ganz auserzählt“ sind. „Ich suche eine Atmosphäre, keine konkrete Verortung“, beschreibt sie ihren Ansatz. Es geht ihr um Seelenräume, um ein Sinnbild, das unabhängig von der Zeit ist, in der das Stück spielt.

Zur Zeit entsteht Bühne für "Lampedusa"

Zur Zeit gestaltet sie die Bühne für das Zwei-Personenstück „Lampedusa“ und das Familienstück „In einem tiefen dunklen Wald“. Und welche Stücke interessieren sie persönlich? Den Woyzeck von Büchner würde sie sehr gerne einmal machen, hätte aber auch großen Respekt davor. Und für jeden Horvath sei sie grundsätzlich zu haben, sagt sie. Vermutlich ein idealer Autor für die Bühnenkünstlerin, bei dem sie ihre Suche nach Atmosphäre sicher voll entfalten könnte.