Feierstunde

Auszeichnung in Memmingen: Margareta Böckh erhält Ehrenring

Als erste Frau ist Bürgermeisterin Margareta Böckh mit dem Ehrenring der Stadt Memmingen ausgezeichnet worden. Den Ring sollen nur acht lebende Personen tragen.

Als erste Frau ist Bürgermeisterin Margareta Böckh mit dem Ehrenring der Stadt Memmingen ausgezeichnet worden. Den Ring sollen nur acht lebende Personen tragen.

Bild: Uwe Hirt

Als erste Frau ist Bürgermeisterin Margareta Böckh mit dem Ehrenring der Stadt Memmingen ausgezeichnet worden. Den Ring sollen nur acht lebende Personen tragen.

Bild: Uwe Hirt

OB Manfred Schilder zeichnet seine Stellvertreterin Margareta Böckh mit dem Ehrenring der Stadt Memmingen aus. Sie ist die erste Frau, die den Ring erhält.
30.03.2022 | Stand: 09:21 Uhr

Sichtlich gerührt steht Margareta Böckh auf der Bühne der Stadthalle und meint mit einem verschmitzten Lächeln: „So eine Laudatio gibt es normalerweise nur am Grab.“ Umso so erfreuter sei sie, dass ihr diese Ehre hier und heute in einer Stadtratssitzung zuteil werde: „Das geht runter wie Öl, das tut gut.“ Gleichzeitig dankt die langjährige Zweite Bürgermeisterin allen Stadträten für deren einstimmiges Votum, das sie zur neuen Ehrenringträgerin der Stadt Memmingen macht. Nur acht lebende Personen dürfen den goldenen Schmuck mit dem Stadtwappen tragen. Margareta Böckh gehört nun zu diesem illustren Kreis – und sie ist die erste Frau, die den Ring verliehen bekommen hat. Er wird für besondere Verdienste um das Wohl der Stadt und deren Bürger auf Beschluss des Stadtrats vergeben.

"Beeindruckende Tatkraft"

Böckhs großes Engagement würdigt Oberbürgermeister Manfred Schilder in seiner Laudatio mit folgenden Worten: „Margareta Böckh verfügt über eine sachorientierte, ausgleichende Persönlichkeit und ist von einer beeindruckenden Tatkraft geprägt.“ Die Bürgermeisterin sei eine aufmerksame Beobachterin des gesellschaftlichen Lebens um sie herum. „Und sie wird sofort aktiv, wenn Mitmenschen in Nöten sind und Hilfe brauchen“, betont der Rathauschef.

Zugleich erinnert er an den überraschenden Tod von Oberbürgermeister Markus Kennerknecht im Dezember 2016. Der 46-Jährige war nur 38 Tage im Amt. Als seine Stellvertreterin übernahm Böckh die Amtsgeschäfte und stand bis zur Wahl von Schilder 83 Tage an der Stadtspitze. „In dieser Zeit hat Margareta Böckh ihre Aufgabe in der damals emotional sehr schweren Zeit souverän und mit viel Rückhalt in der Bürgerschaft, in der Verwaltung und im Stadtrat hervorragend bewältigt“, unterstreicht Schilder.

21 Jahre Vorsitzende des Kinderschutzbunds in Memmingen

Die neue Ehrenringträgerin stammt aus Hessen und kam 1977 nach Memmingen. Zusammen mit ihrem Ehemann Josef Böckh zog sie drei Kinder groß und arbeitete als Volksschullehrerin an verschiedenen Schulen in Memmingen und dem Unterallgäu. Zuletzt leitete sie als Rektorin die Grundschule in Sontheim. Daneben war sie immer ehrenamtlich engagiert. Böckh arbeitet seit über 40 Jahren in der katholischen Pfarrei St. Ulrich in Amendingen mit und war unter anderem Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Sie singt seit 1978 im Kirchenchor und tritt als Solistin auf. Anfang der 1980er Jahre gründete sie mit einigen Mitstreitern die Mundartbühne Amendingen, bei der sie sowohl vor als auch hinter den Kulissen aktiv war. Im Jahr 1998 erweiterte Böckh ihr gesellschaftliches und soziales Engagement, indem sie den Vorsitz des Deutschen Kinderschutzbunds Memmingen-Unterallgäu übernahm. Das Amt hatte sie 21 Jahre inne.

"Ausgleichende und wohltuende Persönlichkeit"

In die Politik stieg die vielseitig interessierte Memmingerin 1991 ein. Sie wurde Mitglied der CSU und führte als Kreisvorsitzende 20 Jahre lang die Frauen-Union. In den Stadtrat wurde sie 1996 gewählt. „Margareta Böckh bereichert die Arbeit des Stadtrats und des Bürgermeisterteams durch ihre lange Erfahrung, ihre hervorragende Sachkenntnis und ihre diplomatische, ausgleichende und wohltuende Persönlichkeit“, hebt Schilder in seiner Laudatio hervor, der auch mehrere Ehrenringträger lauschen.

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In ihrer kurzen Rede bedankt sich Margareta Böckh bei allen Weggefährten aus Politik und Gesellschaft, mit denen sie zusammengearbeitet hat. Ebenso bei ihrer Familie, die sie stets unterstütze und in ihrem Tun bestärke. Mit Blick auf Memmingen sagt die Geehrte: „Meine Mütter möge es mir verzeihen – aber die Stadt ist mir mehr zur Heimat geworden als der Ort meiner Herkunft.“ Wie sehr sie hier verwurzelt ist, verdeutlicht Böckh mit einem Beispiel. So gehe sie mit einer Enkelin regelmäßig am Samstag auf den Wochenmarkt, wo sie stets von vielen Leuten angesprochen werde. Die Enkelin habe dann einmal überrascht gefragt: „Kennst Du die alle?“ Und da habe sie guten Gewissens antworten können: „Aber natürlich.“

Die Ehrungen der Stadt Memmingen:

  • Ehrenbürgerwürde: Sie ist die höchste Auszeichnung der Stadt und wird auf Beschluss der Stadtrats vergeben.
  • Ehrenring: Der goldene Ehrenring ist die zweithöchste Auszeichnung. Die Verleihung ist nur möglich, wenn der Stadtrat das beschließt. Auf dem Ring ist das Stadtwappen zu sehen. Träger sollen nicht mehr als acht lebende Personen sein. Derzeit sind das Oberbürgermeister a.D. Dr. Johannes Bauer, Bürgermeister a.D. Robert Bilgram, Altoberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger, Bürgermeister a.D. Josef M. Lang, Bürgermeister a.D. Hans Ferk, Stadtrat a.D. Fritz Such, Stadtrat a.D. Herbert Müller und Bürgermeisterin Margareta Böckh.
  • Stadtsiegel: Mit ihm werden herausragende Verdienste um die Stadt im wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Bereich gewürdigt. Das Siegel ist eine Nachbildung des seit 1270 bezeugten Wappens der Stadt.
  • Kasimir: An Personen in bestimmten Funktionen wie Stadträte, Referatsleiter oder die Geistlichkeit wird der Kasimir verliehen. Bei der Auszeichnung handelt sich um eine Radierung des Rathauses.
  • Sonstiges: Darüber hinaus ehrt die Stadt Memmingen verdiente Bürgerinnen und Bürger mit dem Schickler-Stich, der ein historisches Stadtbild von Memmingen zeigt, und dem Wechter-Stich mit der ältesten Stadtansicht.