Überblick

Von Kombibad bis Wohnungsbau: Das sind die Memminger Großprojekte

Das Rosenviertel, ehemals Bahnhofsareal, soll neu gestaltet werden.

Das Rosenviertel, ehemals Bahnhofsareal, soll neu gestaltet werden.

Bild: Thomas Weigert

Das Rosenviertel, ehemals Bahnhofsareal, soll neu gestaltet werden.

Bild: Thomas Weigert

In Memmingen tut sich was: Derzeit wird an vielen Millionenprojekten gearbeitet, von denen die Einwohner profitieren werden. Wir geben einen Überblick.
20.09.2021 | Stand: 18:37 Uhr

An welchen großen Projekten die Stadt Memmingen gerade arbeitet und was den Bewohnern unter den Nägeln brennt: Darum ging es während der Bürgerversammlung am Sonntagnachmittag in der Stadthalle. Wegen Corona war die Bürgerversammlung 2020 ausgefallen. Deshalb genoss es Oberbürgermeister Manfred Schilder sichtlich, dem Publikum endlich über die Arbeit der Stadtverwaltung berichten zu können – und blieb deshalb auch nicht am Rednerpult auf der Bühne stehen, sondern stellte sich direkt vor die Besucher.

Die Stuhlreihen waren allerdings mit etwa 85 Besuchern etwas dünn besetzt. Vielleicht, weil diesmal – außer den Reden und den Fragemöglichkeiten der Bewohner – kein Programm angeboten wurde. Darauf war verzichtet worden, weil nicht absehbar war, ob die Veranstaltung mit Blick auf Corona überhaupt stattfinden kann.

Neben Oberbürgermeister Manfred Schilder standen auch die Referatsleiter und Amtsleiter der Stadt Rede und Antwort. Maximilian Mai, Vorstand des Klinikums Memmingen, stellte zudem die Pläne für den Neubau des Krankenhauses vor. Hier ein Überblick über die großen und aktuellen Projekte in Memmingen. Unten finden Sie einige Fragen der Besucher.

1 Kombibad: Der Bau könnte 2024 beginnen, wenn alles nach Plan läuft. Dann könnte das 40 Millionen Euro teure Kombibad 2027 öffnen. Von vielen Memmingern kritisiert wird immer wieder, dass es an dem Standort, nämlich wo heute das Freibad ist, schon jetzt zu wenige Parkplätze gebe. Baureferatsleiter Fabian Damm sagte, die Parkplatzzahl solle erhöht werden. Zudem gebe es eine Absprache mit der Firma Josef Hebel, dass deren Stellplätze mitbenutzt werden dürfen, wenn die regulären Parkplätze an schönen Tagen nicht ausreichen sollten.

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2 Edith-Stein-Schule: Das Schulgebäude wird generalsaniert und teilweise umgebaut. Wände und Dächer werden gedämmt, Fenster erneuert. Der Baubeginn ist für den Herbst 2022 geplant. Die Kosten sollen etwa 15,5 Millionen Euro betragen.

3 Rosenviertel:   Das Rosenviertel, ehemals Bahnhofsareal, soll neu gestaltet werden. Während der Bürgerversammlung erläuterte Oberbürgermeister Manfred Schilder, wie sich die Nutzung aufteilen könnte: 40 Prozent Wohnen mit Zwei- bis Vier-Zimmerwohnungen. 20 Prozent Handel – 1000 bis 1400 Quadratmeter Nahversorgung und 1000 bis 1200 Quadratmeter Fachmarkt Mode/Sport. Zehn Prozent Dienstleistung/Büro. 25 Prozent Hotel – mit 100 Betten. Fünf Prozent Gastronomie. So geht es weiter: Im März 2022 sollen die Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs begutachtet werden, an dem Architekten und Stadtplaner teilnehmen. Danach soll es eine weitere Bürgerbeteiligung geben. Einen Info-Abend für Memmingens Einwohner soll es am 8. November, 18.30 Uhr, in der Stadthalle geben.

4 Hurrentrasse:   Dass die marode Straße zwischen Memmingen-Dickenreishausen und Kronburg-Illerbeuren neu gebaut werden kann, ist realistischer geworden. Da die Stadt dafür Flächen von mehreren Eigentümern kaufen muss, war die Planung nicht einfach. Eine wichtige Einigung mit einem der Eigentümer hat es jetzt gegeben. Ein Baubeginn hängt davon ab, wann die Regierung von Schwaben die Pläne genehmigt und das beantragte Fördergeld zur Verfügung stellt.

5 Krautstraße:   Die Sanierung der Krautstraße in der Altstadt wird laut Stadt bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Kanäle wurden erneuert, Wasser-, Strom- und Telekommunikationsleitungen verlegt. Derzeit wird auf der Krautstraße Betonsteinpflaster verlegt.

6 Grenzhofareal:   Hier sollen 400 bis 450 Wohnungen entstehen – zwischen ein und vier Zimmern groß. 25 Prozent davon ist geförderter Mietwohnungsbau. Eine Kita und Büros sollen entstehen. Architekten sollen Vorschläge machen, im April 2022 soll über deren Ideen geurteilt werden.

7 Allgäuer Straße West:   Dort, zwischen Allgäuer Straße und Dickenreiser Weg, sollen etwa 130 Wohnungen entstehen – „mit hohen Wohn- und Freiraumqualitäten“. Es soll eine Kita mit vier Gruppen geben. Auch hier soll es einen Architektenwettbewerb geben, dessen Sieger im April 2022 ermittelt werden soll.

8 Klinikum:   Der Neubau auf dem Ikea-Areal soll noch vor 2030 fertig sein. Geschätzte Kosten: 360 Millionen Euro. Es soll 480 bis 500 Betten und im Bezirkskrankenhaus etwa 60 Betten und 20 Tagesplätze geben. Dieses Vorhaben sei eines der größten bayerischen Krankenhaus-Bauprojekte in der Geschichte des Freistaates.

9 Schießstattdreieck:   An der Schießstattstraße soll eine große Grün-Insel als Naherholungsfläche für die Bewohner nutzbar gemacht werden. Derzeit ist die dreieckige Insel auf drei Seiten eingerahmt von Schießstattstraße und Benninger Straße. Durch den Rückbau der Schießstattstraße soll die grüne Fläche leichter nutzbar sein.

10 Neubau Bürger- und Familienhaus: Zwischen Münchner Straße und Bayernring soll ein Bürger- und Familienhaus gebaut werden. Es soll zu einer Begegnungsstätte im Memminger Osten werden mit Bürgerhaus, Jugendzentrum, Kindertagesstätte, Spielplatz und einem Bäcker. Ende Oktober soll über Architektenvorschläge beraten werden.

11 Spielplatz Haienbach:   Er soll Ende September eröffnet werden. Kosten: Circa 685 000 Euro. Das Thema dieses Platzes: Bach und Wasser.

Tempo und Parken

Auch einige Besucherinnen und Besucher der Bürgerversammlung meldeten sich:

„Wollen Tempo 30 zurück“

Ein Besucher forderte, auf der Straße Im Mitteresch wieder Tempo 30 einzuführen. Das war vor Kurzem dort aufgehoben worden. Antwort der Stadt: Die Begrenzung auf Tempo 30 musste aufgehoben werden, weil es rechtlich nicht korrekt war. Auf einer Vorfahrtsstraße dürfe nur auf Tempo 30 reduziert werden, wenn eine höhere Geschwindigkeit zu gefährlich wäre, zum Beispiel bei Kitas. So bleibt vor der dortigen Kita Tempo 30 bestehen – allerdings nur während der Öffnungszeiten und nur 150 Meter davor und dahinter. Auf der restlichen Straße darf Tempo 50 nicht angetastet werden.

Autofreie Innenstadt möglich?

Das wollte ein Besucher wissen. Generell sei das schwierig, sagte Uwe Weißfloch, Leiter des Stadtplanungsamts. Vielmehr müsse versucht werden, unnötige Fahrten durch die Altstadt zu reduzieren, die Autos auf dem Altstadtring zu halten. Ein Vertreter des Bund Naturschutz, der im Publikum saß, regte an, die Gebühren in Parkhäussern zu senken und die für Parkplätze auf den Straßen der Altstadt zu erhöhen. Dann würden viele nicht in die Altstadt fahren. Die Parkplätze an den Straßen seien wichtig, damit alte und gehbehinderte Menschen leichter etwa zum Arzt gelangten, sagte 2. Bürgermeisterin Margareta Böckh. Aber über die Parkhausgebühren werde bereits nachgedacht.

Überall Zigarettenkippen

Eine Besucherin forderte, Strafen für das Wegwerfen von Zigarettenkippen einzuführen. Oberbürgermeister Manfred Schilder: Das sei bereits mit dem Verbot, Müll auf die Straße zu werfen, abgedeckt. Allerdings müssen Umweltsünder auf frischer Tat ertappt werden, sonst könne die Stadt nichts machen.

Kritik an Impfgegner-Demo

Eine Besucherin: Impfgegner hätten vor Kurzem in der Stadt demonstriert. Dabei bildeten sie eine Gasse, durch die Passanten gehen mussten. Warum wurde das genehmigt? „Es gab hier keine Möglichkeit, es zu verhindern“, sagt Thomas Schuhmaier, Leitender Rechtsdirektor. Damit sei nicht gegen geltendes Recht verstoßen worden. Hätte die Stadt es verhindern wollen, wäre der Fall vor Gericht gelandet. „Da hätten wir krachend verloren.“

Ab 2023 im 30-Minuten-Takt

Informationen Bessere Busverbindungen, ein E-Auto zum Teilen, Kitas und mehr: Auch darum ging es während der Bürgerversammlung

Luftfilter: Die Stadt hat 250 mobile Luftreinigungsgeräte für Schulen angeschafft, um die Corona-Ansteckungsgefahr in Klassenzimmern zu minimieren. 80 Geräte wurden zudem für Kitas gekauft.

Kitas: 1800 Kinder werden in 28 Kitas von 312 Mitarbeitenden betreut. Während der Corona-Notbetreuung kamen noch 20 bis 40 Prozent der Mädchen und Jungen in die Betreuung. „Unsere Anstrengungen, das quantitative Angebot zusammen mit den freien Trägern weiter auszubauen, werden wir unverändert fortsetzen“, sagte Oberbürgermeister Manfred Schilder. Allerdings sei ein großes Problem dabei, Erzieherinnen und Erzieher zu finden.

Skaterplatz: Er liegt in der Neuen Welt und soll erweitert werden. Anfang November wird es dafür ein Treffen zwischen Verwaltung und Skatern geben, um deren Vorstellungen berücksichtigen zu können. Dieses Thema sei auch im Jugendparlament angesprochen worden, sagt Manfred Schilder.

Car-Sharing: Einwohner aus Memmingen können sich ein Elektro-Auto leihen, das von der Stadt zur Verfügung gestellt wird. Car-Sharing heißt das. Der E-Wagen hat seinen festen Platz an der Bahnhofstraße vor dem Parkhaus. Am Donnerstag, 23. September, von 13 bis 17 Uhr können sich die Memminger das Fahrzeug und das Prinzip des Car-Sharings erklären lassen.

Busverbindungen: Ab Januar 2023 sollen Busse werktags im 30-Minuten-Takt Memmingens Ortsteile mit der Kernstadt verbinden. Die Planung dafür sei nun abgeschlossen. Derzeit fahren Busse im 60-Minuten-Takt. Nach und nach werden zudem Haltestellen erneuert und barrierefrei gestaltet. Ausgestattet werden sollen sie außerdem mit digitalen Tafeln, die beispielsweise die nächsten Abfahrtszeiten in Echtzeit anzeigen.