Heavy Metal

Hartes Konzert mit stiller Kurzmeditation - Grave Digger in Memmingen

Sänger Chris Boltendahl und seine Band Grave Digger ließen mit ihrem Auftritt im Kaminwerk Erinnerungen an harte Heavy-Metal-Konzerte in den 80er-Jahren aufleben.

Sänger Chris Boltendahl und seine Band Grave Digger ließen mit ihrem Auftritt im Kaminwerk Erinnerungen an harte Heavy-Metal-Konzerte in den 80er-Jahren aufleben.

Bild: Christian Gögler

Sänger Chris Boltendahl und seine Band Grave Digger ließen mit ihrem Auftritt im Kaminwerk Erinnerungen an harte Heavy-Metal-Konzerte in den 80er-Jahren aufleben.

Bild: Christian Gögler

Grave Digger, das Heavy-Metal-Urgestein aus Westfalen, drehte die Lautstärke im Kaminwerk Memmingen auf. Sänger Chris Boltendahl zeigte dabei Schauspieltalent.
25.01.2023 | Stand: 11:54 Uhr

Wieder einmal hat es ordentlich gerumpelt im Memminger Kaminwerk. Die Ursache waren „Grave Digger“. Zwar zählt das Heavy-Metal-Urgestein aus Westfalen nicht zur Oberliga des Genres, dafür donnern die wilden Männer um Sänger Chris Boltendahl seit mehr als 40 Jahren zuverlässig durch die Lande. Das würdigte ein etwa halb volles Haus treuer Fans.

Wie unter Dauerstrom

Auf die harten Töne stimmten zuvor „Mystic Prophecy“ ein. Sänger Liapakis sang einfache Melodien zu kriegerischen Texten, und die Gitarristen quälten im Grätschschritt die Metalldrähte. Die Überraschung jedoch war die erste Band „Cellar Stone“. Der zähe Musikfluss der Griechen erinnert an Black Sabbath. So verwunderte es nicht, dass mit „The Mob Rules“ ein Cover-Schmankerl ins Set schlüpfte. Gern hätte man mehr als die sieben Stücke gehört mit dem hoch melodischen Gesang und dem engagierten Gitarristen, der wie unter Dauerstrom ein flinkes Solo nach dem anderen abfeuerte.

Frage an zwei Buben: Ohren ausreichend geschützt?

Dann kam die Zeit für „Grave Digger“. Die Alten Herren des deutschen Metals hatten sichtlich ihren Spaß. Besonders Sänger Chris Boltendahl genoss ver-schmitzt das Spiel mit dem Publikum. Einige Besucher wollten ihren Nachwuchs an die Faszination eines metallischen Live-Konzertes heranführen. So erkundigte sich Boltendahl fürsorglich bei zwei kleinen Buben in der ersten Reihe, ob denn ihre Ohren ausreichend geschützt seien, um gerüstet zu sein für das Donnerwetter, das die Gladbecker entfesseln würden.

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Chris Boltendahl hat seine Mimik gut einstudiert, er kann fröhlich scherzen und an passender Stelle böse schauen. Bei schummriger Beleuchtung zwischen Feuerfunken und gelben Nebelfontänen schien der Frontmann der Gruft höchstselbst entstiegen. Als Gag erschien zudem ein als Knochenmann verkleideter Mitarbeiter, der wankend mit Dudelsack um die vier Musiker herumkurvte.

Blutige Schlachten mit ein wenig König Artus und Excalibur

Einlagen wie diese sind amüsante Anlehnungen an die großen Metal-Shows der 80er-Jahre, als Band-Maskottchen, Brandgeruch und Rauch harte Konzerte zuverlässig begleiteten. Thematisch haben sich Grave Digger den Clans der schottischen Highlands angenommen und vermengen blutige Schlachten mit ein wenig König Artus und Excalibur. Dabei bedienen sie sich munter bei fast allen Klischees, die das Genre zu bieten hat. Das wilde Gemisch sei verziehen, denn musikalisch brennt nichts an. Lesen Sie auch: Metal aus Marktoberdorf: Die Band "In March" veröffentlicht ihr erstes Album

An den Instrumenten sind die bodenständigen Musiker zwar keine Virtuosen. Dafür offenbarte Boltendahl beim sanft gruseligen „Circle of Witches“ theatralisch Schauspieltalent, das neuere „Lawbreaker“ strapazierte die Nackenmuskulatur und „Healed by Metal“ sollte stampfend medizinische Wunder wirken. Die Blinden werden sehen und die Tauben hören, verspricht der Text. Bei der Lautstärke sicher nicht ganz auszuschließen.

Stille Kurzmeditation

Sogar eine stille Kurzmeditation baute Boltendahl in die donnernde Show ein, dozierte wie ein Yoga-Lehrer: „Lauscht dem Ton der Gitarre, macht eure Augen zu, findet eure Mitte“. Mit ein wenig Augenzwinkern machte dieser herzhafte, klassische Metal noch mehr Spaß und nahm ihm keiner Stelle seine Biestigkeit. Das Publikum feierte den abschließenden Rumpler „Heavy Metal Breakdown“ von 1984, und vereinzelt schwang sogar das lange Haupthaar.