Fußball

Bei den Fußballern der SG Illertal heißen drei Trainer Wölfle

Wölfle

Bei ihnen dreht sich alles um Fußball. Das Bild zeigt (von links): Niklas, Wolfgang und Thomas Wölfle.

Bild: Kurt Kraus

Bei ihnen dreht sich alles um Fußball. Das Bild zeigt (von links): Niklas, Wolfgang und Thomas Wölfle.

Bild: Kurt Kraus

Im Unterallgäu gibt es eine besondere Konstellation. Sind dort doch drei Wölfles als Trainer tätig: Vater Wolfgang sowie seine beiden Söhne Niklas und Thomas.
22.04.2021 | Stand: 14:30 Uhr

WWW: Nein, nicht das World Wide Web ist hier gemeint, sondern Wolfgang Wölfle (54), Thomas Wölfle (33) und Niklas Wölfle (18). Vater Wolfgang und seine beiden Söhne sind alle drei als Trainer bei der Spielgemeinschaft (SG) Illertal tätig. Eine besondere Konstellation.

Wolfgang Wölfle musste seine aktive Karriere als Spieler des FC Heimertingen wegen eines Kreuzbandrisses früh beenden. Seitdem hat er sich der Jugendarbeit verschrieben. Nein, nicht ganz: Zwölf Jahre lang trainierte er die Zweite Mannschaft des FC Heimertingen. Jetzt aber widmet er sich mit Leib und Seele der SG Illertal, in welcher der Nachwuchs des FC Heimertingen, des ASV Fellheim, des TV Boos und des FC Niederrieden ausgebildet wird. Und bei den A- bis C-Junioren sei auch noch der FC Viktoria Buxheim im Boot, berichtet Gerhard Kirchensteiner (45), der Jugendleiter der SG Illertal.

Niklas Wölfle ist in der A-Jugend der SG Illertal aktiv

Seit elf Jahren begleitet Wolfgang Wölfle seinen Sohn Niklas durch die verschiedenen Jahrgänge. In dieser Zeit habe man in 203 Punktspielen nicht weniger als 142-mal gewonnen, listet er auf. Jetzt ist Niklas in der A-Jugend aktiv und trainiert nebenbei die U 15 der Spielgemeinschaft. Er habe das Zeug zu einem wirklich guten Fußballer, davon sind Vater Wolfgang und Bruder Thomas überzeugt.

Wo also soll es mal hingehen? „Na ja“, sagt Niklas, „jeder Fußballer träumt davon, Profi zu werden.“ Er will einmal so hochklassig spielen, wie es möglich ist. An einem Online-Training des VfB Stuttgart hat er schon mal teilgenommen. Wie weit nach oben könnte es gehen? Wolfgang Wölfle zögert und bleibt diplomatisch: „Er ist gut und ehrgeizig.“ Mehr will er nicht eigentlich nicht sagen, ergänzt dann aber merklich stolz: „Die Jungs, die er trainiert, die schauen zu ihm auf.“

Der einzige ausgebildete Fußballlehrer in der Familie ist Thomas. Er hat 2014/15 den C-Schein gemacht und trainiert aktuell die B-Jugend der SG Illertal. Er ist auch sonst der „Außenseiter“ in der Familie. Denn während Wolfgang und Niklas Fans von Borussia Dortmund sind, schwärmt Thomas für den FC Bayern.

Die Wölfles stehen bis zu 20 Stunden pro Woche auf dem Platz

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Einig aber sind sich alle drei, was ihre Philosophie vom Fußball betrifft: Sie wollen von ihren Kickern „schönen und schnellen Fußball nach vorne und frühes Pressing“ sehen. Bis zu zwanzig Stunden pro Woche verbringen die Wölfles auf dem Fußballplatz. „Unsere Frauen tragen das mit“, sagen Wolfgang und Thomas, „mal mehr, mal weniger.“ Bei der Frage, ob zuhause auch über etwas anderes als Fußball gesprochen wird, lachen alle drei. Daheim werde alles analysiert, nach jedem Spiel. Auch wenn die Begegnung gewonnen wurde, gibt es reichlich Stoff zur Diskussion: Warum haben wir ein Gegentor bekommen? So etwa ärgert Vater Wolfgang und seine Söhne ungemein. Da wird schon mal die Taktik infrage gestellt. Wäre es nicht besser gewesen, mit einer Vierer- anstelle einer Dreierkette zu spielen?

Hitzige Diskussionen seien da vorprogrammiert. Da müsse dann schon mal einer aus dem Zimmer gehen, um Luft zu holen. Sehr zum Leidwesen von Ehefrau und Mutter Renate, die Fußball viel pragmatischer sehe, sagt Wolfgang über seine Frau: „Hauptsache, gewonnen“, sei ihre Devise. Aber genau deswegen dürfe sie auch nicht dreinreden, sagt er und lacht.

Mutter und Tochter Wölfle engagieren sich beim FC Heimertingen

Apropos Renate Wölfle: Es ist schon eine echte Fußballer-Familie. Denn zusammen mit Tochter Sandra kümmert sie sich bei Heimspielen des FC Heimertingen um den Kiosk an der Tribüne. „Da helfen aber auch andere mit“, betont Vater Wölfle, „meine Frau organisiert das halt.“ Es läuft auch wirklich gut, wenn alle drei Männer zusammen auf dem Platz stehen. In der Saison 2018/19 waren Wolfgang und Thomas als Chef- und Co-Trainer gemeinsam für die A-Junioren der SG Illertal verantwortlich, stiegen mit ihnen in die Kreisliga auf und gewannen nebenbei die Fair-Play-Wertung des Bezirks Schwaben. In der Mannschaft habe Niklas gespielt, noch als B-Junior, aber schon spielberechtigt für die U 19.

Disziplin, Ehrgeiz und Zusammenhalt seien die Grundtugenden, die erfolgreichen Fußball garantierten. Darin sind sich alle drei Wölfles einig. Nach jeder Meisterschaft geht es in den Fischweiher, der im Norden an das Sportgelände des FC Heimertingen grenzt. Da müsse jeder mit rein, in voller Montur, Trainer wie Spieler. Ganz egal, wie kalt das Wasser sei.

Vor dem Spiel läuft in der Kabine Hardrock von AC/DC

Vor dem Spiel wird es laut in der Kabine, bei allen dreien. Kein Zweifel, Wolfgang Wölfle hat seine Leidenschaft für den Fußball auf seine Söhne übertragen. Um aus seinen Spielern vor einem wichtigen Match noch einmal den letzten Rest an Einsatzwillen herauszukitzeln, ist ihm beinahe jedes Mittel recht. „Da läuft Hardrock von AC/DC“, sagt Wolfgang Wölfle. Einmal sei er fünf Minuten vor Spielbeginn in der Kabine erschienen, mit einer Motorsäge in der Hand, um klar zu machen: „Heute muss Gas gegeben werden.“

Jugendleiter Kirchensteiner erzählt, dass Wolfgang Wölfle auch schon mal einige Knochen in die Kabine geworfen habe, um damit anzudeuten, dass der Gegner im Spiel „bis auf die Knochen abgefieselt“ werden müsse. Und einmal sei es darum gegangen, „das letzte Hemd zu geben“, plaudert Kirchensteiner weiter aus. „Um Gottes willen“, wehrt Wolfgang Wölfle erschrocken ab, auf keinen Fall dürfe darüber berichtet werden, „wie ich da vor die Mannschaft getreten bin!“