Digitalisierung für Senioren

Besonderes Projekt in Memmingen baut Ängste bei Handy und Tablet ab

Café Digital für Senioren im MGH

Birgit Holetschek (links) ist Koordinatorin im Mehrgenerationenhaus in Memmingen. Zusammen mit Günther Kuntz leitet sie einmal die Woche das Café Digital. Hier können Senioren und Seniorinnen wie Ursula Hübner und Angela Böhner den Umgang mit Smartphone, Tablet und Co. in entspannter Atmosphäre lernen.

Bild: Dunja Schütterle

Birgit Holetschek (links) ist Koordinatorin im Mehrgenerationenhaus in Memmingen. Zusammen mit Günther Kuntz leitet sie einmal die Woche das Café Digital. Hier können Senioren und Seniorinnen wie Ursula Hübner und Angela Böhner den Umgang mit Smartphone, Tablet und Co. in entspannter Atmosphäre lernen.

Bild: Dunja Schütterle

Erste und weitere Online-Schritte üben Seniorinnen und Senioren im Digital-Café des Memminger Mehrgenerationenhauses. Was zum kostenlosen Angebot dazu gehört.
30.09.2021 | Stand: 05:45 Uhr

Die kurze Nachricht „Hallo, wie geht’s Dir heute?“ überwindet digital in nur wenigen Sekunden eine Distanz von vielen hundert Kilometern: „Wenn zwei helle Striche bei der Handy-App WhatsApp auf dem Bildschirm stehen, dann ist die Nachricht an meine Tochter in Bad Aibling angekommen – und wenn diese blau sind, dann wurde sie gelesen“, vergewissert sich die 75-jährige Ursula Hübner nochmals und zeigt auf das Display ihres Smartphones.

In der entspannten Atmosphäre des Mehrgenerationenhauses nähert sie sich der für sie neuen Technik an, von der sie noch immer nicht zu einhundert Prozent überzeugt ist. „Jeden Donnerstagvormittag treffen sich Seniorinnen und Senioren zu unserer lockeren Gesprächsrunde bei Kaffee und Mineralwasser, um mehr über digitalen Themen zu erfahren und um konkrete Fragen rund um das Smartphone, Smartwatch, Tablet oder Laptop zu stellen“, erklärt die Koordinatorin im Mehrgenerationenhaus, Birgit Holetschek. Sie steht den Besucherinnen und Besuchern des digitalen Cafés mit Rat und Tat zur Seite und will wie bei Ursula Hübner durch konkrete alltägliche Beispiele eventuell vorhandene Barrieren sowie Ängste abbauen.

Jedem wird individuell geholfen

„Bei uns ist es nicht wie in der Schule, dass ein Thema erklärt wird und alle müssen folgen. In unserem Digital-Café möchten wir individuelle Hilfestellungen leisten. Wir wollen zeigen, dass das digitale Zeitalter auch für die ältere Generation einiges an Erleichterungen bereithält“, sagt Holetschek und bringt dazu ein konkretes Beispiel aus ihrem privaten Umfeld. „Meine betagte Schwiegermutter nutzt die sprachsoftwarebasierte, künstliche Intelligenz von Amazon-Alexa. Sie sagt ihr bei Nachfrage, wie spät es ist und spielt ihre Lieblingslieder ab.“

Die Bedienung des Nachrichtendienstes WhatsApp bereitet der über 70 Jahre alten Dame am Tisch daneben keine Probleme mehr. „Mein Handy habe ich jetzt schon seit drei Jahren, das habe ich von meinem Sohn bekommen. Der Umgang mit WhatsApp funktioniert gut, heute möchte ich gerne lernen, wie ich mit meinem Tablet ins Internet komme und hier Informationen abrufen oder etwas online bestellen kann“, sagt Angela Böhner und ihre Augen funkeln dabei wissbegierig. „Man muss einfach am Puls der Zeit bleiben“, fügt sie schmunzelnd an und entsperrt dabei wie selbstverständlich ihr mitgebrachtes Gerät.

Während Birgit Holetschek den beiden Seniorinnen über die Schulter schaut und sie bei ihren digitalen Schritten in die Online-Welt begleitet, informiert Günther Kuntz eine weitere Besucherin über die grundlegende Dateneinrichtung nach dem Kauf eines Smartphones. Der Handel bietet auch spezielle Geräte für die Bedürfnisse von Senioren an. Diese verfügen neben einem übersichtlicheren Display und einer einfacheren Bedienbarkeit auch oft über einen Notfallknopf.

„Jetzt muss ich selbst ran“

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Die Basiskompetenzen zur Bedienung eines neuen Gerätes wie die ersten Schritte in Richtung Online vermittelt Günther Kuntz gleich mit. „Zu uns kann jeder kommen, alle Fragen sind willkommen. Es werden keine Vorkenntnisse vorausgesetzt“, sagt der engagierte Leiter des Projekts Digitalisierung für ältere Menschen im Mehrgenerationenhaus (MGH).

Das MGH ist ein Standort von „Digital Kompass“, welches im Projekt der Bagso (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorengemeinschaft) in Zusammenarbeit mit „Deutschland sicher im Netz“ ins Leben gerufen wurde. Dabei ist es wichtig, Seniorinnen und Senioren ein Tor zur digitalen Welt zu öffnen, die bisher noch keine Erfahrungen damit gemacht haben – wie bei Ursula Hübner, bei der sich ihr Ehemann immer um die Technik kümmerte. „Leider bin ich seit eineinhalb Jahren Witwe, jetzt muss ich selbst ran und mich diesen technischen Dingen annähern. Noch komme ich mir vor, als wäre ich von einem anderen Stern. Mit meiner Familie telefoniere ich zwar täglich, allerdings nur von zu Hause aus“, sagt sie.

Nachdem aber ihre kurze Frage per WhatsApp an die Tochter sogleich mit einem lachenden Smiley und einem Daumen hoch erwidert wurde, merkt Ursula Hübner, dass ihr kleines Telefon für die Handtasche und dessen Bedienung durchaus positiv sein kann. „Ich muss einfach mehr üben, dann klappt es schon“, sagt sie nach eineinhalb Stunden gemeinsamer Zeit überzeugt, in der sich die Seniorinnen auch gegenseitig motivierten.

Öffnungszeiten für das Café Digital

Das Café Digital für Senioren und digital Ungeübte findet immer donnerstags (außer in den Schulferien) von 9 bis 10.30 Uhr im Mehrgenerationenhaus in der Zangmeisterstraße 30 statt. Das Angebot ist kostenlos. Weitere Informationen gibt es unter www.memmingen.mehrgenerationenhaus.de