Brennpunkt Erlenweg

So sieht es in der Obdachlosenunterkunft in Memmingen aus

Viele, die an die Obdachlosenunterkunft am Erlenweg denken, haben ein Bild wie das rechte vor Augen: Eine Wohnung, die vermüllt ist und stinkt. Doch es gibt auch andere Wohnungen dort: sauber und ordentlich.

Viele, die an die Obdachlosenunterkunft am Erlenweg denken, haben ein Bild wie das rechte vor Augen: Eine Wohnung, die vermüllt ist und stinkt. Doch es gibt auch andere Wohnungen dort: sauber und ordentlich.

Bild: Andreas Berger

Viele, die an die Obdachlosenunterkunft am Erlenweg denken, haben ein Bild wie das rechte vor Augen: Eine Wohnung, die vermüllt ist und stinkt. Doch es gibt auch andere Wohnungen dort: sauber und ordentlich.

Bild: Andreas Berger

Wie lebt man in der Obdachlosenunterkunft am Erlenweg in Memmingen? Bewohner haben uns ihre Wohnungen gezeigt.
02.07.2021 | Stand: 12:33 Uhr

Als sie aus dem Gefängnis kam, zog sie in die Obdachlosenunterkunft am Erlenweg. Das war vor acht Jahren, sagt die Frau, die anonym bleiben möchte. Damals habe es von Seiten der Stadt geheißen, dass dies eine Übergangslösung sei. Doch bis heute habe sie keine andere Wohnung bekommen. Dabei wolle sie nur eines: „Hauptsache weg von hier.“ Zum Beispiel in eine Sozialwohnung an der Mozartstraße im Memminger Osten oder am Hühnerberg. Doch es sei nichts frei.

Die Frau, um die 40 Jahre alt, sitzt auf einer Couch im Hof der Einrichtung. Um sie herum andere Bewohner des Erlenwegs 10. Es ist Mittag. Bierflaschen werden auf den Tisch gestellt, eine kleine Wodkaflasche wird geöffnet. Sie habe schon einige Male versucht, vom Alkohol loszukommen. Doch das sei schwierig, wenn sie jeden Tag andere Bewohner sehe, die trinken. „Hier kommt man davon nicht los.“

Seit einigen Wochen hat die Frau eine neue Wohnung innerhalb der Unterkunft. Bis dahin habe sie einige Zeit in Räumen gewohnt, die keinen Putz an den Wänden hatten – wegen eines Wasserschadens, vermutet sie. Die Toilette sei defekt gewesen. Einen Ofen habe es nicht gegeben, so habe sie sich einen aus einer anderen Wohnung genommen. „Das waren keine Zustände. Ich will die Stadt nicht schlecht machen. Aber wenn solche Probleme nicht behoben werden, ist es auch zu verstehen, dass manche Leute hier ausrasten.“ Auch sie habe Ausraster. „Wenn man hier ständig aufeinanderhängt, ist das doch klar.“

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Die Frau steht auf und zeigt ihre alte Wohnung. Vorbei an eingeschlagenen Briefkästen und Graffiti geht es in den zweiten Stock. Im Treppenhaus steht ein Pappschild: „Keine Pissecke“. Es riecht, als habe sich jemand darauf erleichtert. In der alten Wohnung der Frau riecht es noch schlimmer. Fliegen schwirren über den Müll, der in den Räumen verteilt ist. Sie schließt die Tür und geht zu ihrer neuen Wohnung. Hier stinkt es nicht. Vor einem zum Schminktisch umfunktionierten Spiegel stehen Hygieneprodukte. Die Fenster sind mit Decken verhangen. Hier sei es etwas angenehmer zu wohnen.

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Die Obdachlosenunterkunft in Memmingen am Erlenweg

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„Mir ist es sehr wichtig, dass es sauber und ordentlich ist. Sehen Sie ja“, sagt ein Mann, Mitte 50, und zeigt um sich herum. Seine Wohnung liegt in derselben Etage. 3,5 Zimmer, Fernseher, kleine Küche, ein Schrank mit Geschirr. Vier Mal sei seine Wohnung schon aufgebrochen worden. „Jedes Mal war alles weg. Alles.“ Seit fünf Jahren suche er nun schon eine Wohnung. „Ich will hier raus.“ Die Stadt helfe dabei und auch der SKM, Katholischer Verein für soziale Dienste Memmingen und Unterallgäu. „Aber keine Chance.“ Der Mann zitiert einen Satz, den er schon oft gehört habe: „Woher kommen Sie? Erlenweg? Wenn du einmal hier draußen wohnst, bist du abgestempelt.

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