Bundestagswahl 2021

Die Briefwahl boomt in Memmingen

MM Briefwahl

Bereits 10 700 Memminger haben beim Wahlamt eine Briefwahl beantragt. Leiter Dino Deriu schätzt, dass es bis zum Wahlsonntag am 26. September rund 12 000 Briefwähler werden könnten.

Bild: Thomas Schwarz

Bereits 10 700 Memminger haben beim Wahlamt eine Briefwahl beantragt. Leiter Dino Deriu schätzt, dass es bis zum Wahlsonntag am 26. September rund 12 000 Briefwähler werden könnten.

Bild: Thomas Schwarz

Laut Wahlamtsleiter Dino Deriu sind bereits 10 700 Anträge gestellt worden. Vor vier Jahren waren es nur 7000. Welche Gründe das hat und was das für die Wahlhelfer bedeutet.
17.09.2021 | Stand: 13:58 Uhr

Zwar findet die eigentliche Bundestagswahl erst in knapp einer Woche statt. Doch viele Wählerinnen und Wähler aus Memmingen haben ihre Kreuzchen bereits gemacht. Wie viele es genau sind kann Wahlamtsleiter Dino Deriu zwar nicht sagen, da dies ihm zufolge erst am Wahltag selbst ermittelt wird. Doch haben bereits rund 10 7000 in Memmingen registrierte Wähler ihre Briefwahlunterlagen beantragt. Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren waren es lediglich 7000. Deriu schätzt, dass es am Ende etwa 12 000 Briefwähler sein werden – bei 29 530 Wahlberechtigten insgesamt.

„Mit diesem Briefwahl-Boom haben wir gerechnet“, erklärt der Wahlamtsleiter. „Wir haben deshalb im Vorfeld genug Material besorgt.“ Sicherheitshalber wurden 25 000 Briefwahlunterlagen bestellt. „Das sollte auf jeden Fall reichen.“ Auf eine mögliche Nachbestellung bei dem Verlag, der die Unterlagen druckt, wollte sich das Wahlamt nicht verlassen.

Corona spielt eine wesentliche Rolle

Die Gründe für den Wahl-Boom sind laut Deriu vielfältig. „Natürlich spielt Corona eine wesentliche Rolle. Einige wollen am Wahlsonntag Menschenansammlungen möglichst vermeiden.“ Für viele sei die Briefwahl aber auch „einfacher, bequemer, komfortabler“. So muss der Wähler beispielsweise lediglich den QR-Code mit seinem Smartphone einscannen, der auf der Wahlbenachrichtigung abgedruckt ist. „Nach wenigen Klicks erhält er dann die Unterlagen per Post.“ Aber auch wer am Wahlsonntag nicht in Memmingen ist oder aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Ort abstimmen kann, nutzt laut dem Wahlamtsleiter diese Möglichkeit. Eine weitere Rolle spiele, dass der Wähler seit 2008 keinen Grund mehr angeben muss, weshalb er per Briefwahl abstimmen möchte. „Mittlerweile haben wir viele treue Briefwähler“, fasst der 45-Jährige zusammen. Damit es keinen Rückstau beim Versand der Briefwahlunterlagen gibt, haben er und sein Team sich zum Ziel gesetzt, sämtliche Anträge am Tag ihres Eingangs zu bearbeiten. Das kann dann schon mal zu einer echten Herausforderung werden. So erinnert sich Deriu an den 30. August, als über das Wochenende auf einen Schlag 2340 Briefwahlunterlagen angefordert wurden. „Normalerweise bearbeiten vier Mitarbeiter die Anträge. An diesem Tag mussten wir aufstocken. Da waren es dann sieben.“

In Memmingen 20 Briefwahlbezirke

Mit der steigenden Zahl an Briefwählern werden aber auch entsprechend mehr Wahlhelfer benötigt. Neben den 25 regulären Wahlbezirken in Memmingen und seinen Ortsteilen, gibt es heuer zusätzlich 20 Briefwahl-Bezirke. 2017 waren es 14. Pro Wahllokal werden sieben Wahlhelfer benötigt. Pro Briefwahlbezirk sind es weitere sechs Helfer. „Hinzukommen am Wahlsonntag noch Wahlprüfer, Erfasser, Zusteller und sonstige Helfer“, erklärt Deriu. Am Ende werden etwa 350 Ehrenamtliche im Einsatz sein. Die Stimmzettel aus der Briefwahl werden am Wahlsonntag in der Städtischen Realschule ausgezählt. Jedem Briefwahl-Bezirk steht ein eigenes Klassenzimmer zur Verfügung.

Kleinster Wahlbezirk in Buxach

Interessant könnte es beim kleinsten Wahlbezirk im Ortsteil Buxach werden. Insgesamt gibt es dort 527 potenzielle Wähler, 230 Briefwahlunterlagen wurden bereits dorthin verschickt. Interessant deswegen, weil nach den Wahlrechtsgrundsätzen mindestens 50 Wähler in einem traditionellen Wahllokal abstimmen müssen. „Ansonsten gilt die Wahl nicht mehr als geheim“, erklärt Deriu. Die Folge: Die Stimmen müssten vor der Auszählung mit einem anderen Wahlbezirk vermischt werden. In diesem Fall könnte kein offizielles Ergebnis für diesen Bezirk ermittelt werden. Der 45-Jährige geht aber nicht davon aus, dass es soweit kommen wird. „Die Buxacher wollen sicherlich ihr eigenes Ergebnis wissen.“

Ob es am Ende tatsächlich 29 530 Stimmberechtigte in Memmingen sind, ist laut Deriu im Übrigen nicht gewiss. „Das Verzeichnis wird bis zum letzten Tag aktualisiert, etwa wenn ein Wähler verstirbt.“ In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass die Person zwar aus dem Verzeichnis gelöscht wird. Sollte sie im Vorfeld aber schon per Briefwahl abgestimmt haben, so ist diese Stimme dennoch gültig.