Fotoprojekt in Buxheim

Krankenschwester hoch zu Ross: So sah die Pflege früher aus

BX Fotoshooting

Das Fotoshooting fand im Buxheimer Reitstall Epple im Rahmen eines Projektes der Pflegeresidenz Siloah statt. Ziel ist es, jüngere Menschen für den Beruf als Pflegefachkraft zu interessieren.

Bild: Axel Deisting

Das Fotoshooting fand im Buxheimer Reitstall Epple im Rahmen eines Projektes der Pflegeresidenz Siloah statt. Ziel ist es, jüngere Menschen für den Beruf als Pflegefachkraft zu interessieren.

Bild: Axel Deisting

Wie sah die Ausbildung in der Pflege vor 75 Jahren aus? In Buxheim wird ein Reitstall zum historischen Fotoshooting-Ort. Was das mit der Gegenwart zu tun hat.

25.09.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Das kommt auch nicht jeden Tag im Buxheimer Reitstall von Gottfried Epple vor: Dort, wo sonst die Schubkarren die letzten Meter zum Mistwagen zurücklegen und sich von den Pferdeäpfeln verabschieden, fand ein besonderer Fototermin statt.

Eine Krankenschwester hoch zu Pferd, eine Helferin in einer alten Rotkreuz-Uniform, Stative mit Spiegelreflexkamera und als Besonderheit eine alte Plattenkamera. Der edle, holzgetäfelte Apparat gehört Stefan Radinger, der sich einen Namen als professioneller Fotograf gemacht hat, ansonsten aber als Notfallsanitäter beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) Kempten arbeitet.

Was war der Hintergrund des Shootings? Nathalie Weiss ist in Buxheim eine passionierte Reiterin und stieg für den Fototermin in Schwesterntracht auf ihre Stute „Borelina“. Im Hauptberuf arbeitet sie als Praxisanleiterin in der Pflegeresidenz Siloah in Wolfertschwenden. Dort gibt es aktuell ein Projekt zum Thema „Ausbildung in der Pflege vor 75 Jahren“.

In diesem Zusammenhang entstand die Idee für eine Fotoausstellung, die in Heimen, Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen gezeigt werden soll. Das Pferd galt damals noch als normales Fortbewegungsmittel und vielleicht hat tatsächlich eine sattelfeste Krankenschwester die Patienten auf diese Weise aufgesucht. (Lesen Sie auch: Baerbock fordert umfassende Pflegereform nach Bundestagswahl)

Azubis der AZ machen Jahreskalender aus Fotos

Mittlerweile gab es ein weiteres Fotoshooting mit Situationen aus der Pflege auf der Sport- und Gesundheitsmesse „mein Leben“ in der Big Box in Kempten. Auch ein Jahreskalender 2023 mit Unterstützung von Auszubildenden der Allgäuer Zeitung ist bereits geplant, der im AZ-Shop erhältlich sein wird.

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Axel Deisting, der Leiter der Pflegeresidenz in Wolfertschwenden, hatte die Idee, die Situation der Pflege nach dem Zweiten Weltkrieg fotografisch nachzustellen. Lange Arbeitszeiten, wenig Freizeit und geringer Lohn beschreiben die Situation der Pflege in diesen Jahren. Das Berufsbild war stark geprägt vom traditionellen, christlichen Bild der Krankenschwester, die sich berufen fühlt und für ihren Beruf aufopfert. Projektleiter Deisting konnte seine zehn Pflegeschülerrinnen, die beiden Praxisanleiterinnen und Fotograf Stefan Radinger schnell für seine Idee begeistern. (Lesen Sie auch: Erinnerungen an Kriegszeit: Als Südtiroler nach Reutte zogen)

Die nachgestellte Szene wirkt authentisch. Mit einer 130 Jahre alten Plattenkamera hat Fotograf Stefan Radinger dieses Bild geschossen. Im Rahmen des Projekts „Ausbildung in der Pflege vor 75 Jahren“ werden Szenen der damaligen Zeit nachgestellt. Krankenschwester Nathalie Weiss (kniend) ist eben von der Stute Borelina abgestiegen und versorgt eine Bäuerin, die sich am Fuß verletzt hat. Ein Teil der Requisiten stammt aus dem Rot-Kreuz-Museum in Weißenhorn.
Die nachgestellte Szene wirkt authentisch. Mit einer 130 Jahre alten Plattenkamera hat Fotograf Stefan Radinger dieses Bild geschossen. Im Rahmen des Projekts „Ausbildung in der Pflege vor 75 Jahren“ werden Szenen der damaligen Zeit nachgestellt. Krankenschwester Nathalie Weiss (kniend) ist eben von der Stute Borelina abgestiegen und versorgt eine Bäuerin, die sich am Fuß verletzt hat. Ein Teil der Requisiten stammt aus dem Rot-Kreuz-Museum in Weißenhorn.
Bild: Stefan Radinger

Fotoausstellung: Eine kreative Maßnahme gegen den Pflegenotstand

Durch den geschichtlichen Rückblick soll auch der Transfer zur Situation der Pflege heute gelingen. Um dem teilweise bereits bestehenden Pflegenotstand zu begegnen, müssten junge Menschen verstärkt über das aktuelle Berufsbild einer Pflegefachkraft informiert werden. Axel Deisting macht deutlich, dass die Arbeit in der Pflege nicht immer einfach sei – jedoch ein sehr erfüllender Beruf sein könne, bei dem man mit Empathie für Mitmenschen auch sehr viel zurückbekomme. Der Pflegeberuf biete auch berufliche Weiterentwicklungen, die vielfach nicht bekannt seien.

Deisting schwebt vor, dass durch eine Vernissage bei den jeweiligen Ausstellungsorten, die von den beteiligten Pflegeschülerinnen begleitet wird, ein Dialog mit interessierten Bewerbern in Gang kommt. Die Wanderausstellung mit den Fotographien und Begleittexten soll drei Jahre lang nicht nur im Allgäu, sondern auch in München präsentiert werden.

Nathalie Weiss sitzt unterdessen auf ihrer Stute „Borelina“ wieder mit der üblichen Reiterkluft und hat die Schwesternhaube gegen den Reithelm eingetauscht. Ihr zweites, deutlich kleineres Pferd heißt „Bello“ und war bereits mehrmals Gast im Siloah in Wolfertschwenden. Pony Bello gelang es auf Anhieb, die Herzen der Heimbewohner zu erobern. Eine Freude, die auch auf die Besitzerin zurückfiel. (Lesen Sie auch: Riedbergpass im Allgäu: Deutschlands höchste Passstrasse wird 60)