Bad Grönenbach

Corona-Notbremse: Was machen jetzt die Sportvereine?

BG Ski TV Bad Grönenbach Skigymnastik für die Kinder mit Christine Endres

Für kurze Zeit keimte beim TV Bad Grönenbach Hoffnung auf. Der Verein bot jetzt zum Beispiel wieder Skigymnastik für Kinder an. Abteilungsleiterin Christine Endres (Mitte) achtete dabei penibel darauf, dass alle Corona-Vorgaben eingehalten werden. Die Entwicklung der Inzidenzzahlen im Unterallgäu sorgte mittlerweile jedoch dafür, dass der Verein auch auf dieses Angebot wieder verzichten muss.

Bild: Siegfried Rebhan

Für kurze Zeit keimte beim TV Bad Grönenbach Hoffnung auf. Der Verein bot jetzt zum Beispiel wieder Skigymnastik für Kinder an. Abteilungsleiterin Christine Endres (Mitte) achtete dabei penibel darauf, dass alle Corona-Vorgaben eingehalten werden. Die Entwicklung der Inzidenzzahlen im Unterallgäu sorgte mittlerweile jedoch dafür, dass der Verein auch auf dieses Angebot wieder verzichten muss.

Bild: Siegfried Rebhan

Was sollen wir jetzt eigentlich machen? Das fragen sich derzeit viel Vereine, zum Beispiel der TV Bad Grönenbach. Welche Antworten Vorsitzender Manfred Müller gibt.
19.03.2021 | Stand: 15:24 Uhr

Das Wort „Wahnsinn“ fällt immer wieder, wenn man von Manfred Müller wissen will, wie die Lage beim TV Bad Grönenbach (TVBG) ist. Der 51-Jährige ist seit März 2019 Vorsitzender – und nach eigenen Angaben „seit dem Beginn der Pandemie bemüht, den Sportbetrieb aufrechtzuerhalten, soweit es die Vorgaben der Regierung zulassen“. Am Beispiel des TVBG wollen wir aufzeigen, mit welchen Problemen und Schwierigkeiten sich ganz normale Sportvereine in diesen Zeiten konfrontiert sehen – und wie sie diesen begegnen. Für kurze Zeit keimte bei Müller sogar so etwas wie Hoffnung auf: Der Verein bot seit vergangener Woche in zwei Abteilungen (Leichtathletik und Ski) ein Outdoor-Konditionstraining für alle Kinder bis 14 Jahre an. Mit dem kontaktfreien Fußballtraining für die unter 15-Jährigen hatte der Verein auch wieder begonnen.

Vorsitzender Müller: Wir mussten wieder alles stoppen

Doch dann musste der Landkreis wegen der hohen Corona-Inzidenzwerte wieder die Notbremse ziehen. „Wir mussten also so spontan, wie wir gestartet sind, im Outdoor-Bereich wieder alles stoppen“, erklärt der Vereinsvorsitzende.

„Nun hoffen wir natürlich, dass die Zahlen im Unterallgäu wieder dauerhaft unter die 100er-Marke sinken. Besonders die Kinder und Jugendlichen liegen uns sehr am Herzen. Aber auch in allen anderen Bereichen würden wir gerne öffnen.“ Aber danach sieht es derzeit überhaupt nichts aus.

Bei den Fußballern geht bis 28. März überhaupt nichts

Zum Beispiel auch bei den Fußballern: Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat jetzt bekannt gegeben, dass mindestens bis zum 28. März überhaupt nichts geht. Müller sagt: „Es ist aufgrund der steigenden Zahlen nicht anders zu erwarten gewesen. Aber wieder einmal werden aufwendige Planungen, eventuell bereits umgesetzte Vorbereitungen und vor allem Hoffnungen und Freude mit einem Federstrich zunichtegemacht. Es ist sehr enttäuschend, dass es nach wie vor für den Sport keine verlässliche Perspektive gibt, was den Trainings- oder gar Spielbetrieb angeht.“

Dabei habe der TVBG „auf jede Lockerung immer sofort reagiert, zahlreiche und umfangreiche Hygienekonzepte erstellt und diese möglichst zeitnah den sich ständig verändernden Anforderungen angepasst. Ich denke, ich brauche nicht zu betonen, dass dies bei elf Abteilungen einer Sisyphusarbeit gleichkommt.“

Der TV Bad Grönenbach hat Bodega im Angebot

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Seit Beginn dieses Jahres hat der TVBG Bodega, Jumping und ein Ganzkörper-Workout als Online-Training im Angebot. „Diese Kurse werden sehr gut angenommen“, sagt Vorsitzender Müller. „Und wenn es das Wetter zulässt, werden unsere Tennisplätze Anfang April spielbereit sein“, so Müller. Er betont: „Wir freuen uns, dass es zumindest theoretisch wieder Lichtblicke hinsichtlich der Lockerungen im Breitensport gibt. Wir sind gerne bereit, alle geforderten Maßnahmen exakt umzusetzen.“ Aber: „Was es uns nicht leicht macht durchzuhalten und uns vor extrem große Herausforderungen stellt, ist die Tatsache, dass wir von der Regierung, aber auch vom Landes-Sportverband im Stich gelassen werden, was die konkrete Umsetzung der Vorgaben bedeutet.“

Trotz intensiver Nachfragen bekam der TV Bad Grönenbach laut seinem Vorsitzenden bislang keine verbindlichen Antworten auf Fragen wie diese:

Sind bei Gruppen bis zu 20 Kindern unter 14 Jahren die Trainer mitzuzählen?

Welches Rahmen-Hygienekonzept Sport greift aktuell?

Muss für jedes Angebot ein eigenes Hygienekonzept vorliegen?

Sind Zuschauer erlaubt? Dürfen Eltern ihre Kinder beim Training begleiten?

Wie definiert sich eigentlich die sogenannte stabile Inzidenz? Liegt die Beobachtung der Inzidenzzahlen in der Verantwortung des Vereins?

Wer bestimmt, wann welcher Öffnungsschritt gilt?

„Ebenfalls ein Wahnsinn und kilometerweit von der Praxis entfernt“ sei die Forderung nach tagesaktuellen Schnell-/Selbsttests vor jedem Training bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 ab dem 22. März. Müller fragt sich: „Wie soll das verantwortungsvoll organisiert, geschweige denn finanziert werden? Wo bekommen wir auf die Schnelle so viele Tests überhaupt her, dass wir jeden Teilnehmer vor jedem Training testen könnten? Eine Kontrolle, ob die Selbsttests zuhause richtig gemacht werden beziehungsweise tatsächlich aktuell sind, ist schlicht nicht möglich.“

Manfred Müller: Das ist den Mitgliedern nicht zuzumuten

Laut Müller trainiert ein Sportler durchschnittlich zwei- bis dreimal in der Woche. Das bedeute: Er müsste sich rund zehnmal pro Monat testen. Das seien Kosten in Höhe von rund 80 bis 100 Euro für einen einzigen Sportler – und zwar pro Monat. Vorsitzender Müller: „Das ist weder dem Mitglied noch dem Verein zuzumuten.“ Zumal der TV Bad Grönenbach auch Trainer habe, die in mehreren Gruppen, und Sportler, die in mehreren Sportarten aktiv seien und somit auch deutlich mehr als zehnmal im Monat getestet werden müssten.

Die Konsequenz ist für den Vorsitzenden des TV Bad Grönenbach: „Wir überlegen gerade, den vierten Öffnungsschritt komplett auszulassen und einfach zu hoffen, dass ab 5. April der ganz normale Trainings- und Spielbetrieb ohne Tests möglich ist.“ Müller überlegt: „Was passiert, wenn sich der Wert nach diesem Stichtag in einem Landkreis erneut auf über 100 entwickelt und ein Verein deshalb wieder komplett auf null gefahren werden muss?“

Ein überregionaler Turnier- und Spielbetrieb sei unter diesen Voraussetzungen doch überhaupt nicht möglich. Deswegen fordert Manfred Müller: „Wir brauchen jetzt dringend verständliche und vor allem in der Praxis tatsächlich umsetzbare Vorgaben. Der derzeitige Flickenteppich hinsichtlich der unterschiedlichen Inzidenzzahlen in den verschiedenen Landkreisen sorgt für große Planungsunsicherheit bei allen Vereinen.“

Wissenswertes zum TV Bad Grönenbach

Vorsitzender: Manfred Müller ist seit dem März 2019 Vorsitzender des TV Bad Grönenbach (TVBG). Seit zwanzig Jahren ist er ehrenamtlich für den Verein aktiv. Mehr als zehn Jahre lang war er in verantwortlicher Position in der Fußball-Abteilung tätig – acht Jahre als Jugendleiter, zwei Jahre als Abteilungsleiter. „Ich kenne daher den gesamten Verein und seine Entwicklung in den vergangenen Jahren sehr gut“, sagt Müller über sich selbst.

Mitglieder: Dem TV Bad Grönenbach gehören 1350 Mitglieder an.

Austritte: Manfred Müller sagt: „Austritte wegen Corona haben wir Gott sei Dank nur sehr vereinzelt, die Kündigungen zum Jahresende bewegten sich im üblichen Rahmen. Was wir jedoch sehr deutlich spüren: Dadurch, dass wir keinen Sportbetrieb anbieten können, verzeichnen wir keine Neuzugänge.“ Zum Schuljahresanfang im September gebe es beim TVBG normalerweise eine Beitrittswelle, vor allem im Bereich des Eltern-Kind- und Kinderturnens sowie bei den Jugendfußballern. „Diese blieb 2020 komplett aus, sodass wir aktuell deutlich weniger Mitglieder haben als noch vor einem Jahr. Das ist sehr besorgniserregend“, sagt Müller.