Medizin

Darmkrebs: Memminger Ärzte informieren über Früherkennung

Chefarzt Professor Dr. Carsten N. Gutt (rechts) und Oberärztin Dr. Walburga Rauner bei einer Operation im Zertifizierten Darmkrebszentrum des Klinikums Memmingen.

Chefarzt Professor Dr. Carsten N. Gutt (rechts) und Oberärztin Dr. Walburga Rauner bei einer Operation im Zertifizierten Darmkrebszentrum des Klinikums Memmingen.

Bild: Klinikum

Chefarzt Professor Dr. Carsten N. Gutt (rechts) und Oberärztin Dr. Walburga Rauner bei einer Operation im Zertifizierten Darmkrebszentrum des Klinikums Memmingen.

Bild: Klinikum

Ab 50 Jahren steigt das Darmkrebsrisiko. Vorsorge ist daher wichtig. Am Darmkrebszentrum im Klinikum Memmingen werden jährlich etwa 100 Operationen durchgeführt.
Chefarzt Professor Dr. Carsten N. Gutt (rechts) und Oberärztin Dr. Walburga Rauner bei einer Operation im Zertifizierten Darmkrebszentrum des Klinikums Memmingen.
Von Redaktion Memminger Zeitung
05.01.2021 | Stand: 12:40 Uhr

Etwa 70 000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Darmkrebs. Allerdings wäre ein Großteil der Erkrankungen vermeidbar, wenn die Menschen regelmäßig zur Vorsorge gingen, betonen Ärzte des Zertifizierten Darmkrebszentrums am Klinikum Memmingen: „Krebs-Vorsorge ist auch in Zeiten von Corona wichtig.“

Der Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen. Ab dem 50. Lebensjahr steigt die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, kontinuierlich an. „Einer von rund 20 Menschen bekommt im Lauf seines Lebens Darmkrebs. Dabei wäre eine Erkrankung grundsätzlich vermeidbar“, unterstreicht der Leiter des Zertifizierten Darmkrebszentrums, Professor Dr. Carsten N. Gutt. Laut dem Chefarzt für Allgemein-, Visceral-, Thorax- und Gefäßchirurgie lässt sich durch körperliche Aktivität das Erkrankungsrisiko um bis zu 25 Prozent minimieren. Rauchen dagegen erhöhe das Erkrankungsrisiko um bis zu 50 Prozent. Auch rotes und verarbeitetes Fleisch wurde von der Weltgesundheitsorganisation als krebserregend eingestuft: „Der wöchentliche Verzehr sollte deswegen 300 bis 500 Gramm nicht übersteigen.“ Allerdings konsumiere der Durchschnittsbürger pro Woche mehr als das Vierfache.

Ärzte raten zu Darmspiegelung

Frühe Vorstufen von Krebs – der meist durch entartete Polypen im Darm entsteht – lassen sich bei einer Darmspiegelung diagnostizieren und entfernen. „Die Spiegelung wird ab dem 50. Lebensjahr empfohlen“, erklärt Oberärztin Dr. Walburga Rauner. Durch die Darmspiegelung lasse sich das Erkrankungsrisiko um 80 bis 90 Prozent reduzieren. Nicht nur Polypen im Darm, sondern auch ganz frühe Stadien von Krebsgeschwüren können laut Chirurgin Rauner bei einer Spiegelung entfernt werden. „Bestehen allerdings bereits Symptome wie Blut im Stuhl, eine Änderung des Stuhlgangs oder Bauchbeschwerden, ist der Tumor meist schon weiter fortgeschritten“, erklärt Rauner. Dann helfe nur eine Operation – möglicherweise in Verbindung mit einer Chemo- und Strahlentherapie. „Während einer Operation entfernen wir nicht nur den Tumor, sondern auch den angrenzenden Darmanteil mit entsprechendem Sicherheitsabstand sowie das dazugehörige Lymphabflussgebiet“, erklärt Rauner. „Sitzt der Tumor in der Nähe des Schließmuskels, kann es vorkommen, dass wir einen künstlichen Darmausgang anlegen müssen“, so die Chirurgin. Allerdings könne dieses sogenannte Stoma nach Ausheilung des Darms zum Großteil wieder zurückgelegt werden. „Eine Operation im Bauchraum ist diffizil“, unterstreicht Rauner. Deswegen sei es wichtig, dass sich die Betroffenen in einem zertifizierten Zentrum behandeln lassen: „Denn hier haben die Ärzte am meisten Erfahrung und arbeiten mit Spezialisten anderer Fachabteilungen zusammen.“

Moderne Operationsmethoden

Das Darmkrebszentrum am Klinikum Memmingen wurde im Jahr 2008 als erstes Zentrum in ganz Schwaben zertifiziert. Etwa 100 Darmkrebsoperationen werden laut Chefarzt Gutt jährlich in Memmingen durchgeführt. Die Operationen werden größtenteils laparoskopisch mit Hilfe der sogenannten Schlüssellochtechnik (minimalinvasiv) durchgeführt. Bei der laparoskopischen Chirurgie werden mit Hilfe eines optischen Instruments und indirekt zu bedienender Pinzetten und Messer chirurgische Operationen innerhalb der Bauchhöhle vorgenommen. Für alle Tumorstadien zusammengenommen besteht eine Fünf- Jahres-Überlebensrate von etwa 63 Prozent, bei sehr frühen Stadien beträgt die Rate bis zu 90 Prozent. „Selbst ein spätes Krebsstadium mit Metastasen in Leber und Lunge ist noch kein Todesurteil“, unterstreicht Gutt: „Auch solche Patienten haben wir hier am Darmkrebszentrum schon geheilt.“