Handarbeit

Die besondere Krippe der Frau von Keutz

Sieben Jahre lange baute Monika von Keutz als kleines Mädchen mit „Onkel Burghart“ an der Iller-Tuffstein-Krippe.

Sieben Jahre lange baute Monika von Keutz als kleines Mädchen mit „Onkel Burghart“ an der Iller-Tuffstein-Krippe.

Bild: Franz Kustermann

Sieben Jahre lange baute Monika von Keutz als kleines Mädchen mit „Onkel Burghart“ an der Iller-Tuffstein-Krippe.

Bild: Franz Kustermann

Aus Iller-Tuffstein schuf die heutige Rentnerin vor 70 Jahren mit „Onkel Burghart“ in Buxheim ein einmaliges Kunstwerk. Wem es später einmal Freude bereiten soll.
16.12.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Im Alter von drei Jahren war Monika von Keutz als Flüchtlingskind 1945 mit ihren Eltern aus Jägerndorf im Sudetenland vertrieben worden und kam über das amerikanische Kriegsgefangenenlager Stalag Memmingerberg einst nach Buxheim. Dort wurde die junge Familie bei der Familie Burghart „einquartiert“. Im nur notdürftig eingerichteten Dachbodenzimmer fror sie „wie ein Hund“. Dennoch hatte sie eine schöne Kindheit: „Mir hat es an nichts gefehlt, ich habe nie gehungert!“ Die heute 76-Jährige hat eine besondere Kindheitserinnerung: eine edle, ganz außergewöhnliche Weihnachtskrippe – vor rund 70 Jahren zusammen mit ihrem „Onkel Burghart“ in feinster Kleinarbeit aus Iller-Tuffstein gehämmert, gemeißelt und geritzt.

Monika von Keutz erinnert sich noch genau daran, wie sie 1950 zusammen mit dem kranken Spätheimkehrer immer wieder mit einem kleinen Leiterwagen zur Iller hinausgelaufen ist. Das damals noch sehr ungestüme Gewässer legte bei Hochwasser am Ufer in Richtung Egelsee die großen schweren Tuffsteine frei. Es mussten nämlich ganz besonders feinporige Steine sein.

Gemeinsam brachten sie die unförmigen Natursteine, die sich im Laufe von Jahrtausenden gebildet hatten, nach Hause. Im Winter hatte Franz Burghart die Steinblöcke mit Hammer und Meißel wochenlang kunstvoll bearbeitet, bis daraus die Mauern für die Krippe entstanden sind. Wenn sie „fast fertig“ zusammengebrochen waren, fuhren er und Monika von Keutz wieder an die Iller und holten neu Steine.

Sieben schwere Klötze

Sieben Jahre lang arbeiteten Onkel Burghart und die kleine Moni daran: Er war der Baumeister, sie seine „Handlangerin“, die ihm die Steine halten musste. Sieben ganz besondere, schwere Klötze bildeten schließlich die aus einem Stück geformten Mauerteile – mit außergewöhnlich natürlichen, rundbogenartigen Fenstern und Türen. Ein gewichtiges Kunstwerk, das neben einem Stall samt Nebenraum auch über eine Feuerstelle, einen Ziehbrunnen und einen Berg mit einem Wasserfall verfügt.

Monika von Keutz schwärmt heute noch davon, wie Franz Burghart mit viel Geschick aus kleinen Blechfetzen für den Brunnen einen Eimer formte, wie er die filigranen, edlen Lampen zusammenlötete. Viel später erst, als Monika von Keutz längst schon in Trunkelsberg lebte, bekam sie diese Krippe von ihm vererbt.

Krippe wird immer am dritten Advent aufgestellt

20 Jahre fristete das Kunstwerk im Keller sein Dasein. Erst seit 1996, als auf der Terrasse vor ihrem Eigenheim eine Überdachung errichtet wurde, wird die Krippe jeweils zum dritten Adventssonntag aufgestellt. Bis nach Dreikönig ist dort ihr Kunstwerk noch zu bestaunen: Vor allem die Nachbarn und deren Kinder kommen gerne, um die Nachbildung der Ereignisse von Bethlehem zu betrachten.

Letztes Jahr hatte von Keutz sogar einen Glühwein-Abend veranstaltet. Mit einer Feuerschale im Garten tauchten die lodernden Flammen die orientalische Krippe in ein ganz mystisches Licht. Während ihr „Onkel Burghart“ das Moos für die Krippe stets sogar nass gebügelt hat, bevor er es rund um den Stall drapiert hatte, will von Keutz die grüne Wiese für ihre kleinen Schäfchen möglichst naturnah aussehen lassen: Mit Genehmigung des Försters geht sie jedes Jahr dazu zwei Wochen vor dem Krippe-Aufstellen in den Eisenburger Wald. Mit einem Schaber kratzt sie das Moos von den toten Bäumen ab. Frisch und sattgrün wird es auf die schweren Tuffsteinfelsen gelegt.

Natürlich gibt es jedes Jahr auch etwas zu erneuern – etwa das filigrane Geländer über der Bachbrücke, das aus winzigen Birkenästen besteht. Oder den Zaun, der den hohen Felsenberg von der Krippe abgrenzt.

Jesuskind stamm aus Erbauungszeit

Wo die bunt bemalten Figuren herkommen, weiß die mittlerweile alleinlebende Rentnerin nicht. Wohl aber, dass das kleine Jesuskind und die selbstgezimmerte hölzerne Krippe noch aus ihrer Erbauungszeit stammen. Genau so wie das zerknüllte Silberpapier, welches den Wasserfall und den Bach symbolisiert. Abends, wenn die winzigen Lämpchen in der Krippe leuchten, dringt die dezente Helligkeit durch die Rundbogenfenster und zaubert in einem wohl durchdachten Spiel von Licht und Schatten eine ganz besonders anmutige Atmosphäre von der „Heiligen Nacht“.

Sollte Monika von Keutz irgendwann nicht mehr sein, dann will sie als Förderin des Bad Grönenbacher Kinderhospizes den dortigen Familien mit ihren unheilbar erkrankten Kindern mit der hübschen Krippe zumindest eine Weihnachtsfreude bereiten: Eine so große Freude, wie von Keutz sie einst als kleines Mädchen empfand, als sie vor rund 70 Jahren zusammen mit ihren „Onkel Burghart“ die Tuffsteine aus der Iller holte und daraus die Krippe entstehen ließ.