Ausstellung

Die floralen Formen von Ekrem Yalcindag greifen ins Unendliche

KU Kreuzherrnsaal

Der Künstler Ekrem Yalcindag lebt und arbeitet in Istanbul und Berlin.

Bild: Galerie Kai Middendorff

Der Künstler Ekrem Yalcindag lebt und arbeitet in Istanbul und Berlin.

Bild: Galerie Kai Middendorff

Der Künstler zeigt im Kreuzherrnsaal in Memmingen eine fesselnde Mischung aus Rhythmus und Ruhe, Ordnung und Dynamik. Seine Werke sind wie geschaffen für den Raum.
09.10.2021 | Stand: 18:00 Uhr

„Auf diese Ausstellung haben wir seit 15 Jahren gewartet.“ Die Worte von Memmingens Kulturamtsleiter Dr. Hans-Wolfgang Bayer sind spektakulär, aber nicht übertrieben. Die Bilder von Ekrem Yalcindag korrespondieren einzigartig mit dem Kreuzherrnsaal. Ornament und Unendlichkeit – mit diesem Titel über den Arbeiten des türkischen Künstlers ist die Sphäre im Saal poetisch präzise beschrieben.

Egal ob man diesen Saal kennt mit seinen eleganten, marmorierten Säulen oder noch nie dort war: diesmal sollte man es packen. Das Dutzend meist großformatiger Arbeiten des zwischen Deutschland und der Türkei pendelnden Künstlers ist wie geschaffen für diesen Anlass.

Die Werke sind zusammengesetzt aus handgroßen Zellen. Ein Silbernetz dieser immer wiederkehrenden floralen Formen, ungerahmt sozusagen ins Unendliche greifend, ergibt die Struktur, die der 57-Jährige füllt. Einerseits mit Farbe, subtil changierend etwa von Rosa über Türkis nach Lila, oder auch monochrom bleibend.

Wie mit einem Kamm gezogen

Noch prägender aber als die Farbwahl ist die Architektur, in der jede dieser Waben gestaltet ist: wie mit einem Kamm gezogen ist die Farbe in Berg und Tal aufgeteilt. Diese Wellenstruktur, erst aus der Nähe exakt zu erkennen, ergibt eine fesselnde Mischung aus Rhythmus und Ruhe, Ordnung und Dynamik. Lebensmuster überziehen in geordneter Vielfalt die Fläche. Diese Werke versteht jeder sofort, beim ersten Blick, sie müssen nicht erklärt werden. Bezüge zur (durch das Bilderverbot zwangsweise) ornamentreichen Tradition der islamischen Kunst ergeben sich automatisch, sind aber nicht wichtig.

Dialog mit dem Hochbarock des Saals

In subtiler Hypnotik fesseln und beruhigen sie den Blick. Meditation für die Augen. Der Dialog mit dem Hochbarock des Saales, über Zeiten und Kulturen hinweg, ist ein seltener künstlerischer Glücksfall. Die Schöpfer des Saales, der Kreuzherrn-Orden, schufen ja bewusst einen lichten, himmelhohen Raum, aus der Enge führend. Sie hätten sicher gejubelt über dieses Gesamtkunstwerk, das in der Seele berührt und anregt, über das Leben nachzusinnen, seine Zeichen, in ihrer Wiederholung ins Unendliche strebend.

Pendeln zwischen Istanbul und Berlin

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Über den Künstler: Geboren 1964 in Gölbasi (Türkei), zählt Ekrem Yalcindag zu den renommiertesten türkischen Künstlern der Gegenwart. Er studierte in Izmir sowie seit 1991 bei Thomas Bayrle und Hermann Nitsch (Meisterschüler) an der Städelschule in Frankfurt. Neben der Präsentation in zahlreichen internationalen Ausstellungen befinden sich Ekrem Yalcindags Werke in öffentlichen Sammlungen wie dem Istanbul Museum of Modern Art, dem Kunstmuseum Stuttgart oder der Sammlung Goetz. Er lebt und arbeitet in Istanbul und Berlin.