50 Jahre Landkreis Unterallgäu

Die Menschen prägen den Landkreis Unterallgäu

Beim Festakt 50 Jahre Landkreis Unterallgäu mit 230 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gab es eine Gesprächsrunde mit (von links) Moderatorin Sandra Baumberger, Helmut Koch, Doris Kienle, Hans-Joachim Weirather sowie Dr. Stephan Winter. Zu hören: Anekdoten aus Kreistagssitzungen – aber auch Erzählungen zu Sorgen und zum Widerstand gegenüber der Gebietsreform.

Beim Festakt 50 Jahre Landkreis Unterallgäu mit 230 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gab es eine Gesprächsrunde mit (von links) Moderatorin Sandra Baumberger, Helmut Koch, Doris Kienle, Hans-Joachim Weirather sowie Dr. Stephan Winter. Zu hören: Anekdoten aus Kreistagssitzungen – aber auch Erzählungen zu Sorgen und zum Widerstand gegenüber der Gebietsreform.

Bild: Maike Scholz

Beim Festakt 50 Jahre Landkreis Unterallgäu mit 230 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gab es eine Gesprächsrunde mit (von links) Moderatorin Sandra Baumberger, Helmut Koch, Doris Kienle, Hans-Joachim Weirather sowie Dr. Stephan Winter. Zu hören: Anekdoten aus Kreistagssitzungen – aber auch Erzählungen zu Sorgen und zum Widerstand gegenüber der Gebietsreform.

Bild: Maike Scholz

50 Jahre Landkreis Unterallgäu wird in Mindelheim mit einem Festakt gefeiert. 230 Gäste sprechen über ein einstiges Schreckgespenst, heftigen Widerstand sowie über Heimat und Stolz.
27.06.2022 | Stand: 18:00 Uhr

Es war ein Kraftakt vieler, aber einer, auf den nun mit Stolz zurückgeblickt wird. Ein Kraftakt, der weniger als Liebesheirat, sondern als Vernunftehe mit heftigem Widerstand gesehen wurde. „So ist es umso schöner, dass nach 50 Jahren eine stabile Partnerschaft daraus geworden ist“, sagte Landrat Alex Eder und eröffnete am Sonntag im Forum Mindelheim den Festakt zu 50 Jahren Landkreis Unterallgäu. Der Geburtstag sollte gefeiert werden – mit 230 geladenen Gästen, Musik, einer Festrede vom Bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek, einer Talkrunde sowie mit einem besonderen Rückblick.

Wie soll der neue Landkreis heißen?

Wäre es vor 50 Jahren nicht anders gekommen, würden die Unterallgäuer heute nicht im Unterallgäu leben, sondern vielleicht in „Kneipps Heimat“, im „Sieben-Schwaben-Kreis“ oder im „Vorderallgäu“. Das zumindest waren Namensvorschläge für den neuen Landkreis, der am 1. Juli 1972 gegründet und schließlich „Unterallgäu“ genannt wurde.

Das Unterallgäu entstand 1972 im Zuge einer bayernweiten Landkreisreform aus den Altlandkreisen Mindelheim und Memmingen sowie aus Teilen der damaligen Landkreise Illertissen, Krumbach und Kaufbeuren. Durch die Reform entstand mit dem Unterallgäu ein Kreis mit einer Größe von 1230 Quadratkilometern: Zwischen Haselbach im Norden und Legau im Süden liegen 54 Kilometer, zwischen Amberg im Osten und Heimertingen im Westen sind es 44 Kilometer.

So viele Menschen leben im Landkreis Unterallgäu

Rund 147.000 Menschen leben heute im Kreisgebiet. Die ersten Landrats- und Kreistagswahlen für den neuen Kreis fanden am 11. Juni 1972 statt: Zum Landrat wurde Otto Weikmann, bereits Landrat des Altlandkreises Mindelheim, gewählt.

Alex Eder
Alex Eder
Bild: Maike Scholz

Der heutige Landrat Alex Eder blickte beim Festakt mit Stolz auf den Landkreis Unterallgäu. 7000 Betriebe, 73.000 Arbeitsplätze: Dieser sei für seine innovative Wirtschaft bekannt. Bildungsangebote seien Voraussetzung. „Die Vereinsarbeit und das Ehrenamt bilden das Fundament“, sagte er. Im Kreis sollen alle Bürger Arbeit, Familie, Freizeit und Leben miteinander verbinden können. Mittlerweile, so ist sich Eder sicher, gibt es auch keine „grüne Grenze“ mehr, sondern „nur einen Tunnel, der verbindet“. Eder sprach damit den Kohlbergtunnel an.

Klaus Holetschek
Klaus Holetschek
Bild: Maike Scholz

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Wohnraum für Geflüchtete gesucht – aber nicht überall im Allgäu

Klaus Holetschek griff in seiner Festrede auf, worauf Eder hinwies: Die Gebietsreform sei nicht nur ein technokratischer Begriff. Es gehe um Lebensgefühl, um Heimat und Identität. Wo schlägt das Herz des Landkreises? Welches Autokennzeichen soll es geben? Wo liegen die Wurzeln? „Die Gebietsreform war ein Einschnitt“, so Holetschek, der seine politischen Wurzeln im Landkreis hat. Ein Schreckgespenst habe über allem geschwebt. Aber: „Der Landkreis hat sich zu einem starken Wirtschaftsraum entwickelt – mit einer Landwirtschaft, die ihren Platz hat“, merkte er an. Identität konnte gestiftet werden; auch über den Namen, der mit dem Allgäu verbunden ist. Laut Holetschek ist klar: „Die Menschen prägen den Landkreis. Sie geben ihm ein Gesicht. Heimat ist das Schlüsselwort der Zukunft.“

Das Ziel der Gebietsrefom

Einstiges Ziel sei die Stärkung und Vereinfachung von Verwaltungen gewesen. Die Zahl der Kommunen im Unterallgäu reduzierte sich von 110 auf 52. Menschen leben in den beiden Städten Mindelheim und Bad Wörishofen, zwölf Märkten und 38 Gemeinden. „Mit dem Allgäu Airport ist das Unterallgäu außerdem Tor zu einer Vielzahl internationaler Flugziele“, sagte Holetschek.

Unterallgäu: Zukunft liegt in der interkommunalen Zusammenarbeit

Viele Prozesse wurden angestoßen, eine Vielzahl an Themen beschäftigten – darunter die A96, Schulsanierungen, der Ausbau von Kreisstraßen, Hochwasserschutz, ÖPNV, Klimaschutz und die ärztliche Versorgung mit Blick auf Krankenhäuser und die Gründung des Klinikverbundes Allgäu. All das sei Basis für eine gute Prognose. „Ich glaube, der Landkreis ist stark“, so Holetschek und sprach sich gegen eine neue Gebietsreform aus. Die Zukunft liege in der interkommunalen Zusammenarbeit.

Mindelheim: Ganz persönliche Einblicke bei der Talkrunde

Ihren ganz persönlichen Blick auf die Gebietsreform, wichtige Themen und ihre Erlebnisse in Sitzungen gaben der ehemalige Landrat Hans-Joachim Weirather, die ehemaligen Kreisräte Doris Kienle und Helmut Koch sowie Dr. Stephan Winter als stellvertretender Landrat – moderiert von Sandra Baumberger, Redakteurin der Mindelheimer Zeitung.

Alfons Biber
Alfons Biber
Bild: Maike Scholz

Einen besonderen Rückblick in Form von Versen hielt Alfons Biber, ehemaliger Kreisrat und Altbürgermeister, auf Schwäbisch. Mit einem „Liebeslied“ an den Landkreis begeisterte Thomas Reuß aus Unteregg. Er spielte das „Landkreislied Unterallgäu“.

Thomas Reuß spielte und sang das „Landkreislied Unterallgäu“.
Thomas Reuß spielte und sang das „Landkreislied Unterallgäu“.
Bild: Maike Scholz
Die „Landrat’s Amt’s Musik“ umrahmte den Festakt musikalisch.
Die „Landrat’s Amt’s Musik“ umrahmte den Festakt musikalisch.
Bild: Maike Scholz

Die musikalische Begleitung des Festaktes stemmten die Musikerinnen und Musiker von der „Landrat’s Amt’s Musik“.

50 Jahre Landkreis Unterallgäu soll gefeiert werden: Es gibt begleitende Veranstaltungen. Weitere Infos dazu unter www.unterallgaeu.de

Klaus Holetschek beim Eintrag in das Goldene Buch.
Klaus Holetschek beim Eintrag in das Goldene Buch.
Bild: Maike Scholz
Beim anschließenden Austausch nach dem Festakt.
Beim anschließenden Austausch nach dem Festakt.
Bild: Maike Scholz
Die Partnerstädte aus Polen und Nordhausen (Thüringen) hatten Geschenke mitgebracht.
Die Partnerstädte aus Polen und Nordhausen (Thüringen) hatten Geschenke mitgebracht.
Bild: Maike Scholz
Impression vom Zusammenkommen nach dem Festakt.
Impression vom Zusammenkommen nach dem Festakt.
Bild: Maike Scholz