Geschichte

Die Wiege der Menschenrechte steht in Memmingen

Gestalterin Barbara Müller-Pollack inmitten der Ausstellung.

Gestalterin Barbara Müller-Pollack inmitten der Ausstellung.

Bild: Armin Schmid

Gestalterin Barbara Müller-Pollack inmitten der Ausstellung.

Bild: Armin Schmid

"Mir wollet frei sein":  Zu den Zwölf Bauernartikeln gibt es am Weinmarkt nun einer Dauerausstellung. Warum das Thema auch heute noch aktuell ist.

03.08.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Am Weinmarkt sitzen, ein leckeres Eis oder ein Glas Wein trinken und dabei über Freiheit, Menschenrechte oder Stadtgeschichte sinnieren und diskutieren – das lässt sich nun ideal miteinander verbinden. Mit der Eröffnung eines Ausstellungsraums „Zwölf Bauernartikel“ am Weinmarkt 14 soll mitten an einer pulsierenden Lebensader und gegenüber der ehemaligen Memminger Kramerzunft ein historischer Meilenstein der Stadtgeschichte erlebbar werden.

„Wir wollen eine Brücke schlagen von der Vergangenheit in die heutige Zeit“, betonte Oberbürgermeister Manfred Schilder. Es sei wichtig, dass wir unsere Freiheit genießen, aber auch wertschätzen und uns um deren Erhalt bemühen. Schließlich seien die Bauernkriege im 16.Jahrhundert blutig niedergeschlagen worden und damit aktueller denn je. Ziel sei es, das Thema stärker in die Bevölkerung zu tragen.

Wenn man auf den Ausstellungsraum zugeht, fällt der Blick auf das Zitat „Mir wollet frei sein“. Auf den Fensterscheiben wird auf verschiedene Auszüge aus unterschiedlichen Verfassungen aufmerksam gemacht. So ist vermerkt, dass sich alle Bürger Bayerns friedlich und unbewaffnet versammeln dürfen (Bayerische Verfassung von 1946) oder auch, dass sich jeder innerhalb des Staates frei bewegen und seien Aufenthaltsort frei wählen darf (UN-Menschenrechtserklärung).

Die Außengestaltung soll laut Schilder im Vorbeigehen zum Nachdenken anregen und gleichzeitig zum Besuch der Ausstellung animieren. Die Ausstellungsgestalterin Barbara Müller-Pollack betonte, dass es ihr wichtig war, auch einen optischen Bezug zur Kramerzunft herzustellen – wo 1525 die Zwölf Bauernartikel als erste europäische Freiheitsrechte unterzeichnet wurden – und zum Laienprediger Sebastian Lotzer, der an der Verfassung der Bauernartikel beteiligt war.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die Zwölf Bauernartikel. Mit großen Bildanteilen wird auch das mittelalterliche Leben in Szene gesetzt, wie auch der Originaltext des erst vor Kurzem ins Leben gerufenen „Memminger Manifests“ und auch die Preisträger des Memminger Freiheitspreises. Eine Film-Dokumentation des Deutschen Historischen Museums Berlin rundet das Angebot ab. OB Schilder betonte, dass die Ausstellung auch der Startpunkt zur 500-jährigen Wiederkehr der Festlegung dieser grundlegenden Bürger- und Freiheitsrechte in fünf Jahren ist.

  • Info Der Ausstellungsraum im Weinmarkt 14 in Memmingen hat diese Öffnungszeiten: montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Ein Team der Stadtführerinnen will den Ausstellungsraum mit Leben füllen. Sie stehen Bürgern und Touristen bis Ende Oktober am Samstag von 11 bis 15 Uhr für Auskünfte zur Verfügung.