Energieverbrauch gestiegen

„Wir müssen handeln“: Tut die Stadt Memmingen in Sachen Klimaschutz noch zu wenig?

Die Stadt Memmingen muss bei den Heizkosten für das Jahr 2021 tiefer in die Tasche greifen als im Vorjahr. Grund hierfür sind laut dem jährlichen Energiebericht ein höherer Verbrauch und gestiegene Energiepreise.

Die Stadt Memmingen muss bei den Heizkosten für das Jahr 2021 tiefer in die Tasche greifen als im Vorjahr. Grund hierfür sind laut dem jährlichen Energiebericht ein höherer Verbrauch und gestiegene Energiepreise.

Bild: Matthias Becker (Symbolbild)

Die Stadt Memmingen muss bei den Heizkosten für das Jahr 2021 tiefer in die Tasche greifen als im Vorjahr. Grund hierfür sind laut dem jährlichen Energiebericht ein höherer Verbrauch und gestiegene Energiepreise.

Bild: Matthias Becker (Symbolbild)

Der Energieverbrauch der Stadt Memmingen ist 2021 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Stadträte fordern „eine bessere Strategie“ in Sachen Klimaschutz.
24.11.2022 | Stand: 18:09 Uhr

Der Energieverbrauch in den städtischen Gebäuden ist in 2021 gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das geht aus dem Energiebericht des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (Eza) hervor, der jetzt den Memminger Stadträten vorgestellt wurde. Demnach ist der witterungsbereinigte Wärmeverbrauch in den rund 60 Liegenschaften gegenüber dem Jahr 2020 um vier Prozent angestiegen. Der Stromverbrauch kletterte im gleichen Zeitraum um acht Prozent nach oben. Dagegen sank der Wasserverbrauch um neun Prozent.

Wie Felix Geyer und Rainer Moll von Eza den Ratsmitgliedern berichteten, lagen die realen Gesamtkosten für den Wärme-, Strom- und Wasserverbrauch der städtischen Gebäude im Jahr 2021 bei rund 2,17 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr sind die Wärmekosten um 19 Prozent und die Stromkosten um sieben Prozent gestiegen. Dagegen haben sich die Wasserkosten um zwei Prozent reduziert.

Laut den Eza-Experten sind gegenüber den Vorjahren vor allem die Wärme- und Stromkosten deutlich gestiegen. Das entspreche dem allgemeinen Trend der enormen Preissteigerungen im Herbst 2021. Die Kosten wurden auf Grundlage der aktuellen Energiepreise anhand von Rechnungen ausgewählter Gebäude ermittelt. Um die real angefallenen Kosten abzubilden, wird nach Angaben von Eza für die Kostenermittlung der nicht witterungsbereinigte Wärmeverbrauch verwendet.

Stadt Memmingen zahlt 169.000 Euro mehr für Wärme

Was den reinen Wärmeverbrauch anbelangt, gab es coronabedingt im Jahr 2020 eine deutliche Reduzierung gegenüber 2019. Im vergangenen Jahr stieg der Wert zwar um vier Prozent an – erreichte aber noch nicht ganz das Niveau von 2019. Dagegen kletterten die realen Wärmekosten auf 1,07 Millionen Euro in 2021. Das sind 93.000 Euro mehr als 2019 und 169.000 Euro mehr als im Jahr 2020.

Durch den Wärme- und Stromverbrauch sind im Jahr 2021 insgesamt 4945 Tonnen Treibhausgase entstanden. Das entspricht einer Erhöhung im Bereich Wärme von drei Prozent und im Bereich Strom von acht Prozent. Wie die beiden Eza-Mitarbeiter weiter erläuterten, entfällt dabei der Löwenanteil von 4655 Tonen auf die Sparte Wärme und lediglich 290 Tonnen auf den Stromverbrauch.

Grund für die große Diskrepanz ist der Umstand, dass der verbrauchte Strom zu etwa 90 Prozent mit erneuerbarer Energie erzeugt wurde. Dagegen beträgt der Anteil an erneuerbarer Energie bei der Wärmeerzeugung nur neun Prozent in den städtischen Liegenschaften. Die meisten städtischen Gebäude werden mit Gas geheizt.

Vorgehen der Stadt Memmingen in Sachen Klimaschutz sei unzureichend

Hier hakte Stadtrat Rupert Reisinger (Die Linke) ein und verglich Memmingen mit Kempten. Dort soll der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Heizung von städtischen Gebäuden bereits bei 68 Prozent liegen. In Kempten werde offenbar „eine bessere Strategie“ beim Klimaschutz verfolgt, sagte Reisinger und forderte für Memmingen: „Wir müssen konkreter werden, wir müssen handeln und entsprechende Maßnahmen beschließen.“

Auch Professor Dr. Dieter Buchberger bezeichnete das Vorgehen in Sachen Klimaschutz in Memmingen als unzureichend. Der Vorsitzende der Fraktion Grüne/Linke forderte unter anderem zum wiederholten Male, dass geplante Investitionen der Stadt – zum Beispiel Bauprojekte – immer auch im Hinblick auf den damit verbundenen CO2-Ausstoß bewertet werden sollen. Darüber hinaus müsse im Hinblick auf geplante Klimaschutz-Maßnahmen der Stadt stets eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufgestellt werden. Schließlich soll mit dem investierten Geld ja möglichst viel CO2 eingespart werden. Auch klare Zeitvorgaben für die Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz des Klimas seien unbedingt nötig.

Laut Moll von der Eza sind die Einsparmaßnahmen durch die Optimierung von Heizungsanlagen in den städtischen Gebäuden bereits weitestgehend ausgeschöpft. Nun müssten vor allem weitere Sanierungspläne für Gebäude mit hohem Energieverbrauch entwickelt werden – dazu gehören etwa das Welfenhaus und das Seniorenheim Bürgerstift.

Strenge Regeln für Photovoltaik auf Altstadt-Dächern in Memmingen

Mit Blick auf die Erzeugung von erneuerbarer Energie fragte Stadtrat Michael Rampp (ÖDP) bei OB Schilder nach, ob in Memmingen Bürgerbeteiligungen angedacht seien, um auf diese Weise an Kapital zu kommen. Laut dem Rathauschef ist dies noch nicht der Fall.

Und auf die zweite Frage von Rampp, ob man die Vorgaben für Photovoltaik-Anlagen auf Altstadtdächern runterschrauben könnte, sagte Schilder: „Bei der Genehmigung solcher Anlagen müssen auch die Belange der Altstadt berücksichtigt werden.“ So sieht die vom Stadtrat beschlossene Satzung vor, dass Anlagen für Photovoltaik in der Altstadt nur dann errichtet werden dürfen, „wenn diese sich in Dachbereichen befinden, die von öffentlichen Straßen und Plätzen nicht einsehbar sind“.

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