Bauprojekt

Entsteht Photovoltaik-Anlage am Sennhof in Heimertingen?

HM Sennhof

Südlich des Hofgutes Sennhof Heimertingen will eine Firma aus Kellmünz in einer rund 17 Hektar großen, nicht einsehbaren Kiesgrube eine 20 Megawatt-Photovoltaikanlage errichten. Obwohl der Gemeinde von den Investoren beträchtliche Einnahmen aus Gewerbesteuern und Kommunalabgaben versprochen wurden, sind bisher nicht alle Räte von dem Vorhaben begeistert.

Bild: Franz Kustermann

Südlich des Hofgutes Sennhof Heimertingen will eine Firma aus Kellmünz in einer rund 17 Hektar großen, nicht einsehbaren Kiesgrube eine 20 Megawatt-Photovoltaikanlage errichten. Obwohl der Gemeinde von den Investoren beträchtliche Einnahmen aus Gewerbesteuern und Kommunalabgaben versprochen wurden, sind bisher nicht alle Räte von dem Vorhaben begeistert.

Bild: Franz Kustermann

Heimertinger Gemeinderat berät über Firmen-Plan. Diskussion, ob so mittelfristig die Finanzen der „Anna-Maria und Michael Rau Sennhof“-Stiftung zu sichern sind.
01.09.2021 | Stand: 11:45 Uhr

Wie soll in Zukunft der Sennhof im Sinne der Stifter „nachhaltig und sinnvoll genutzt“ werden – und damit die Heimertinger Vereine durch die „Anna-Maria und Michael Rau Sennhof“-Stiftung weiterhin finanziell so tatkräftig unterstützt? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Gemeinderat Heimertingen. Auch zahlreiche Besucher erlebten eine 90-minütige Infoveranstaltung über die Produktion von Ökostrom per Photovoltaik (PV) und der Arbeit der gemeinnützigen Sennhof-Stiftung.

Dem Vorhaben einer Unterallgäuer Firma, südlich vom Sennhof eine PV-Freiflächenanlage zu errichten, standen einige Gemeinderäte dennoch kritisch gegenüber. Christoph Wagner etwa meinte: „Es gibt auch andere Interessenten, die es verdient haben, gehört zu werden; Teilflächen für Gewerbe wäre einer Alternative.“ Clemens Bernhard fragte, warum eine so große Fläche für die PV-Nutzung zur Verfügung gestellt werden sollte.

"Teilung der Fläche macht keinen Sinn"

Stiftungsvorsitzender Jürgen Link betonte, dass die Anlage wirtschaftlich sein müsse: „Ohne Geld geht nichts.“ Die Fläche nur teilweise für die Stromerzeugung und die andere landwirtschaftlich zu nutzen, mache keinen Sinn. Zudem würden es keine 17 Hektar reine PV-Fläche werden, weil ja auch gewisse Abstandsflächen eingehalten werden müssen. Den Bedenken, dass der hohe Pachtpreis das Preisniveau in weitem Umfeld beeinflusst, entgegnete Firmenchef Armin Schmid, dass der Bereich der einstigen Kiesgrube in dem Talkessel nicht einsehbar und ein abgeschlossener Bereich sei sowie dieser landwirtschaftlich „nicht gut“ nutzbar sei. „Die Pachtpreise für landwirtschaftliche Nutzung werden dadurch nicht tangiert.“

Link erwartet neben einer hohen Pacht durch die PV-Nutzung langfristig auch eine wesentliche Verbesserung des Bodens. Bei einer kleineren PV-Anlage käme auch für die Kommune nicht viel mehr Gewerbesteuer heraus. Schmid: „Entweder wir packen es jetzt an, oder wir lassen es halt liegen.“ In der geplanten Anlage sieht der Unternehmer eine „ideale Konstellation“. Das „wirklich sehr profitable Projekt, auch ökologisch und umwelttechnisch gesehen“, würde der Sennhofstiftung 20 Jahre lange (mit der Option mit einer zweimal fünfjährigen Verlängerung) jährlich über 50000 Euro an Pachteinnahmen bringen. Die Gemeinde könnte mit „mehr als 100000 Euro Gewerbesteuereinnahmen und 35000 Euro Kommunalabgabe jedes Jahr“ von dem Projekt profitieren – laut Schmid 2,7 Millionen Euro auf die Gesamtlaufzeit gesehen. Zusammen mit der Pacht für die Sennhofstiftung wären dies „etwa vier Millionen Wertschöpfung, die in Heimertingen bleibt“.

Steuerzahlung: Firma würde sogar ihren Sitz verlagern

Die Firma würde sogar ihren Sitz nach Heimertingen verlegen, damit die Gemeinde von all ihren Gewinnen profitiert. Die Einnahmen für die Stiftung wären abgesichert; das komplette Risiko für die Anlage trage die Firma als Betreiber. Dabei liege das CO2-Einsparungsvolumen durch die Anlage bei 24000 Tonnen pro Jahr. Um die gleiche Leistung aufs Dach zu bringen, würden 2000 Einfamilienhäuser (mit perfekter Ausrichtung) benötigt. Heimertingen habe jetzt „die Möglichkeit, einen großen Wurf zu machen“, so Schmid.

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Die Anlagenleistung liegt bei 18 Megawatt; die jährliche Stromproduktion bei etwa 20000 Megawatt. Die Kabelverlegung erfolge ausschließlich über gemeindliche Wege bis zur direkten Einleitung im Umspannwerk. Wie Schmid berichtet, würde die Fläche nicht versiegelt, könnte per Schafbeweidung abschnittsweise extensiv genutzt werden. Blühflächen und Magerrasen kämen Bienen, Vögeln und Insekten zu Gute. Sein Geschäftspartner Christian Brugger machte darauf aufmerksam, dass 70 Prozent des deutschen Strombedarfes gedeckt werden könnte, wenn zwei Prozent der landwirtschaftlichen Flächen mit PV-Anlagen bestückt würden.

Kiesgrube ist noch bis 2027 verpachtet

Aktuell ist die rekultivierte Kiesgrube noch bis zum Jahresende 2027 an einen Landwirt aus Pleß verpachtet. Laut seinen Aussagen würde er „nur für diese Nutzung als PV-Fläche“ vorzeitig von seinem Vertrag zurücktreten.

Bereits im vergangenen Januar hat der Heimertinger Gemeinderat wie berichtet mit knapper Mehrheit (6:5) den Antrag der Firma ABO Wind zum Bau einer Freiflächen-PV-Anlage (3,5 MWp) an der Bahn-Strecke Ulm-Kempten im Nordosten Heimertingen nahe des Umspannwerkes abgelehnt. Bürgermeister Josef Wechsel betonte damals: „Wir treffen heute eine Entscheidung mit Signalwirkung für Jahrzehnte; auch im Hinblick auf andere Gemeinden in der Verwaltungsgemeinschaft.“

Weil Wechsel als Zweiter Vorsitzender der Sennhof-Stiftung fungiert, überließ er diesmal die Moderation dieses Tagesordnungspunktes seinem Stellvertreter Dr. Wolfgang Wohlleb und beteiligte sich auch nicht an der kontroversen Diskussion. In einer der nächsten Sitzungen will der Gemeinderat nun entscheiden, ob er für das Projekt einen Vorhaben bezogenen Bebauungsplan aufstellt.

Hintergrund

  • Geschichte Das kinderlose Ehepaar Anna Maria und Michael Rauh gründete im Jahr 2006 eine Stiftung, um auch nach ihrem Ableben (Anna-Maria Rauh starb 2007, Michael Rauh 2012) mit dem knapp 50 Hektar großen Sennhof der Allgemeinheit „auch weiterhin etwas Gutes“ zu tun. Damit wollten sie bei den Heimertinger Bürgern „weiter in guter Erinnerung bleiben“.
  • Stiftungsziel Auf Wunsch der Eheleute soll die Stiftung aus ihren Erträgen die Katholische Kirchengemeinde und die Jugend von Schützenverein (302 Mitglieder), Gesangsverein (149), Musikkapelle (175) und FC-Heimertingen (1185) fördern.
  • Auszahlung Insgesamt 64500 Euro hat die gemeinnützige Stiftung dafür bisher ausbezahlt. Diese Gelder kamen bisher großteils aus der Ausbeutung von Kiesgrundstücken, die laut dem Stiftungsvorsitzenden, Jürgen Link, aber in fünf bis zehn Jahren beendet sein wird. Ohne diese Einkünfte könnten die hohen Kosten für Betrieb und Unterhalt der großen Gebäude nicht mehr finanziert werden, mahnt Link.
  • Nutzung Der Wohnteil des mächtigen Anwesens ist an den Bayerischen Jagdverband – Kreisgruppe Memmingen – zur Jungjägerausbildung vermietet. Die landwirtschaftlichen Grundstücke hat ein Plesser Landwirt gepachtet. Die Kiesgrundstücke sind größtenteils abgebaut und teilweise bereits wieder rekultiviert. (fk)