Rad-Serie

Fahrradstadt? Wo es in Memmingen noch hakt

Fahrradfahren

Eine Leserin bemängelt die Verkehrssituation in der Herrenstraße. Die erforderlichen 1,5 Meter Abstand zwischen Auto und Radfahrer fehlen hier.

Bild: Uwe Hirt

Eine Leserin bemängelt die Verkehrssituation in der Herrenstraße. Die erforderlichen 1,5 Meter Abstand zwischen Auto und Radfahrer fehlen hier.

Bild: Uwe Hirt

MZ-Leser schlagen Verbesserungen für den Radverkehr vor. Welche Orte als besonders gefährlich wahrgenommen werden und was sich Radler für ihre Sicherheit wünschen
17.08.2021 | Stand: 18:00 Uhr

In den vergangenen Jahren bekam Memmingen als „Fahrradstadt“ stets recht gute Bewertungen. Was wirklich gut ist und was noch alles verbessert werden kann, beleuchten wir in unserer neuen Rad-Serie. Zum Thema „Radfahren in Memmingen“ hat die MZ bereits viele Zusendungen mit Kritik und Lob bekommen. In diesem Teil erzählen Memminger Radfahrerinnen und Radfahrer, wie sie Memmingen als Fahrradstadt wahrnehmen.

"Von Gleichberechtigung gegenüber dem Autoverkehr ist nicht viel zu spüren"

„Für die Sicherheit der Radfahrer wurde in Memmingen einiges getan in den letzten Jahren, doch von Gleichberechtigung gegenüber dem Autoverkehr ist leider nicht viel zu spüren“, sagt Sabine Eibel. Ihr ist vor allem die Kreuzung Kaisergraben und Schweizer Berg ein Dorn im Auge. „Wenn ich aus Richtung Finanzamt komme, sollte ich vom Radweg auf den roten Fahrradstreifen vor der Ampel fahren können“, erzählt sie. „Das traue ich mich aber nicht. Wegen der seitlich geparkten Autos nehmen die Autofahrer mich nicht wahr und ich sehe sie ebenfalls nicht gut.“

Viele Radwege seien schon gut ausgebaut, doch Verbesserungsbedarf ist vorhanden

Margit Putze lobt die gut ausgebauten Radwege auf den breiten Straßen, wie die Buxheimer und die Donaustraße. „Es gibt allerdings ein paar Stellen, an denen die Stadt noch etwas verbessern könnte.“ So sei die Kennzeichnung des Rad- und Gehwegs auf dem kurzen Stück vor dem Westertor nicht eindeutig erkennbar. „Und gefährlich finde ich auch das abrupte Ende der Fahrradspur entlang der Sparkasse bei der Josefskirche, weil sie nach Parkplätzen dort unvermittelt auf die Straße führt.“

Umwandlung der Edurad-Flach-Straße in Tempo-30-Zone

Ein weiteres Anliegen von Margit Putze wäre die Umwandlung der Eduard-Flach-Straße in eine Tempo-30-Zone, denn: „Dort sind wirklich einige Radlerinnen und Radler unterwegs, zu Schulzeiten auch viele Kinder. Und dort gibt es außerdem einen beliebten Spielplatz.“

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Mit dem Wunsch nach Tempo 30 ist sie nicht allein. „Im Industriegebiet Nord mit dem Rad unterwegs zu sein, ist geradezu lebensgefährlich“, sagt Andreas-Otto Wolf. „Beim Ausfahren aus den Parkplätzen konzentrieren sich die Autofahrer fast nur auf den Autoverkehr. Meine Frau wurde hier schon angefahren.“ Besonders an diesem Ort fordert er eine Reduzierung auf Tempo 30 – oder weniger. Allgemein sollte es laut Wolf in der Stadt, abgesehen von der Ringstraße, nur Fahrradstraßen geben.

Leser Andreas-Otto Wolf fährt immer mit mulmigem Gefühl durch die Schlachthofstraße. Wenn bei dort stehenden Autos die Beifahrertür geöffnet wird, kann das für Radler auf dem Fahrradstreifen gefährlich werden.
Leser Andreas-Otto Wolf fährt immer mit mulmigem Gefühl durch die Schlachthofstraße. Wenn bei dort stehenden Autos die Beifahrertür geöffnet wird, kann das für Radler auf dem Fahrradstreifen gefährlich werden.
Bild: Osterried

Memmingen als Fahrradstadt?

Auch die vielen seitlich geparkten Autos am Radweg, wie in der Schlachthofstraße, missfallen ihm. „Gruselig, ich denke immer, jetzt geht eine Autotür auf und fegt mich vom Rad.“ Eine Fahrradstadt ist Memmingen für ihn nicht. „In einer Fahrradstadt geht es nicht darum, wie man die Radler in den Autoverkehr integriert, sondern anders herum.“„Seit den 50er Jahren werden Autos bei verkehrspolitischen Entscheidungen ins Zentrum gestellt“, meint auch Andreas von Kietzell. „Es muss darum gehen, Mobilität nicht mehr von einem bestimmten Verkehrsmittel, sondern vom Menschen und seinen Bedürfnissen her zu denken.“

Konkret für Memmingen hat er sich zum Beispiel Schließfächer in der Innenstadt gewünscht – die jetzt auch eingerichtet worden sind. „ Für alle, die ihre Einkäufe nicht in die innenstadtnahen Parkhäuser bringen können, wäre das ein großer Gewinn. Dann kann man nach einem Einkauf noch ohne Gepäck in der Altstadt verweilen.“

Die Autoparkplätze in der Herrenstraße sollen weichen und die Fahrradstellplätze in der Innenstadt verbessert werden

Auch Barbara Böck hat für die Innenstadt Verbesserungsvorschläge. „Mein Herzenswunsch wäre, dass es keine Autoparkplätze mehr entlang der Herrenstraße gibt.“ Dann könne sie, vom Rossmarkt kommend, gefahrenlos zum Marktplatz radeln. Und ein Spiegel an der Ecke Weberstraße und Hohe Wacht ist in ihren Augen notwendig. „Von der Weberstraße kommend gilt rechts vor links“, sagt sie. „Ob ein Auto kommt, kann man von dort nicht sehen. Ein Spiegel würde auch Autofahrern helfen.“

Für Helga Thomas ist die Verbesserung und Erweiterung der Fahrradstellplätze ein Anliegen. „Die Fahrradständer auf dem Schrannenplatz und Weinmarkt sind fast immer voll, einige Räder stehen daneben, kippen leicht um und reißen andere mit.“ Sie fordert feste Ständer, an die man sein Rad anketten kann.

Zuletzt wendet sich Margit Putze mit einer Bitte an alle Autofahrer: „Nach dem seitlichen Einparken bitte immer umsehen, bevor ihr die Tür aufmacht, und achtet während des Fahrens auf ausreichenden Abstand zum Radler.“

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