Memmingen

Fichten machen Probleme

So majestätisch sich die Fichten im Eisenburger Wald auch in die Höhe recken: Sie haben großer Trockenheit und Stürmen wegen ihrer flachen Wurzeln kaum etwas entgegenzusetzen. Auch für den Borkenkäfer sind sie oft ein gefundenes Fressen.

So majestätisch sich die Fichten im Eisenburger Wald auch in die Höhe recken: Sie haben großer Trockenheit und Stürmen wegen ihrer flachen Wurzeln kaum etwas entgegenzusetzen. Auch für den Borkenkäfer sind sie oft ein gefundenes Fressen.

Bild: Anna Kabus

So majestätisch sich die Fichten im Eisenburger Wald auch in die Höhe recken: Sie haben großer Trockenheit und Stürmen wegen ihrer flachen Wurzeln kaum etwas entgegenzusetzen. Auch für den Borkenkäfer sind sie oft ein gefundenes Fressen.

Bild: Anna Kabus

Sturm „Sabine“ hat große Schäden in den  Wäldern hinterlassen. Doch auch schon die vergangenen Jahre waren für viele Bäume katastrophal.
18.05.2020 | Stand: 15:59 Uhr

Der Beruf des Försters ist so zukunftsbezogen wie wohl kaum ein anderer: „Wir müssen für 100 Jahre vordenken“, sagt Stefan Honold, der städtische Forstamtsleiter. So lange dauert es ungefähr, bis das Holz eines Baumes geerntet wird. Das bedeutet aber auch, dass die ausgewachsenen Bäume, die jetzt im Wald stehen, dementsprechend alt sind – sie stammen größtenteils aus der Nachkriegszeit. Weil die Wälder damals nachhaltig zerstört waren und die Menschen Bäume brauchten, die schnell wachsen und kaum von Wild verbissen werden, pflanzten sie Fichten. Damals war dies nachvollziehbar. Heute ist es ein Problem.

„Fichten haben flache Wurzeln“, erklärt Honold. Sie sind eigentlich eher im Gebirge anzutreffen. „Bei Trockenheit kriegen sie Stress und können den Borkenkäfer nicht mehr abwehren.“ Außerdem fehle den Flachwurzlern die Standfestigkeit.

Das hat sich erst im Februar beim Orkantief „Sabine“ gezeigt: Rund 10 000 Festmeter Holz warf der Sturm um. Das entspricht laut Honold der Menge von etwa 500 Dachstühlen. Und es ist auch die Menge an Holz, die im Wald jährlich nachwächst. Holz-Nutzung und Holz-Zuwachs halten sich im Moment also gerade noch die Waage.

Borkenkäfer sorgen für Zeitdruck

Aufgrund der vielen Sturmschäden ist das Forstamt immer noch damit beschäftigt, die umgefallenen Bäume abzutransportieren. Doch die Arbeiter müssen sich beeilen: „Bis der Borkenkäfer Ende Mai wieder fliegt, muss das Holz gesägt, gerückt und abgefahren sein“, sagt Honold. Im Moment bohren sich die Borkenkäfer vor allem in das Holz der umgestürzten Bäume ein, um dort ihre Eier zu legen. Die jungen Käfer, die Ende Mai schlüpfen, befallen allerdings auch gesunde Bäume – und das gilt es zu verhindern.

Deshalb lagern Honold und seine Mitarbeiter das abtransportierte Holz fernab des Waldes in einem Kieswerk an der Europastraße. Dort können die Forstschädlinge keinen Schaden anrichten. Normalerweise könnte das Holz auch direkt in ein Sägewerk gebracht werden. Doch diese sind im Moment aufgrund der hohen Schadholzmengen voll(wir berichteten). Der Holzpreis ist dementsprechend niedrig.

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Aus finanzieller wie auch aus Umweltsicht lohnend ist jedoch die Verarbeitung der Baumkronen der umgestürzten Bäume: Sie werden zu Hackschnitzeln zerkleinert. Die Stadt heizt damit das Berufsbildungszentrum, die Johann-Bierwirth-Schule, die FOS/BOS und zwei Turnhallen. „Dadurch sparen wir jährlich 210 000 Liter Heizöl“, berichtet Honold.

Unbedingt auf den Wegen bleiben

Neben den umgeworfenen Bäumen gibt es im Wald auch zahlreiche Fichten, die der Sturm nur „angeschoben“ hat, wie Honold es nennt: Sie stehen noch, sind aber schon leicht abgeknickt. Bei diesen Bäumen besteht immer die Gefahr, dass sie noch umfallen. Deshalb bittet der Forstamtsleiter alle, die jetzt im Wald unterwegs sind, immer auf den Wegen zu bleiben und Absperrungen zu beachten. Auch das Klettern auf herumliegenden Bäumen sei nicht ungefährlich, warnt er. Schnell könne da zum Beispiel ein Ast hochschnalzen.

Grundsätzlich freut sich Honold aber darüber, dass der Wald – vor allem jetzt, zu Corona-Zeiten – für viele ein Anziehungspunkt und auch ein Erholungsort sei. Doch es geht dem Wald tatsächlich schon länger nicht mehr gut. „Seit 2015 springen wir nur noch den Katastrophen hinterher“, klagt Honold. Vor fünf Jahren richtete das Orkantief „Niklas“ viele Schäden an, danach folgten Trockenheit, Borkenkäfer und im vergangenen Winter extreme Schneemassen, unter denen viele Bäume brachen.

Wald wird wieder bunter

Um für die Zukunft besser aufgestellt zu sein, pflanzen Honold und seine Mitarbeiter jetzt viele verschiedene Bäume – aber keine Fichten: „Wir wollen den Wald gemischter und bunter machen“, sagt er. Die Tanne sei für die Fichte dabei die Hauptalternative. Auch andere trockenresistente Bäume wie Eichen, Buchen oder Lärchen eignen sich ihm zufolge gut. Er experimentiere außerdem mit hierzulande unüblicheren Baumarten wie der Douglasie und der amerikanischen Roteiche.

Als die Menschen damals Fichten gepflanzt hätten, sei es etwas kälter gewesen als heute, sagt Honold. Mittlerweile werden längere Hitze- und Trockenperioden jedoch mehr und mehr zur Normalität. Auch der April war viel zu trocken. Aufgrund dessen besteht große Waldbrandgefahr. Honold warnt davor, achtlos Zigarettenkippen wegzuwerfen. Auch das Parken von Autos am Waldrand kann schon ausreichen, um einen Brand zu verursachen, sagt er. Denn der heiße Auspuff könne schnell das vertrocknete Gras entzünden.