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Frauen und Technik - Diese Mädchen packen an

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Mairin Rau und Ausbildungsleiter Florian Wägele an der Drehmaschine beim Bearbeiten von Messingstücken.

Bild: Fotos: Theresa Osterried

Mairin Rau und Ausbildungsleiter Florian Wägele an der Drehmaschine beim Bearbeiten von Messingstücken.

Bild: Fotos: Theresa Osterried

Um Frauen für technische Berufe zu begeistern, gibt es „Mädchen für Technik-Camps“ in Bayern. Wie das abläuft und was den Mädels daran gefällt
05.11.2021 | Stand: 18:00 Uhr

„Das Messingstück muss etwa zwei Drittel raus und ein Drittel rein“, weist Florian Wägele an. Konzentriert steckt die 14-jährige Lena ihr Werkstück in die Drehmaschine. Sie ist eine Teilnehmerin des Mädchen für Technik-Camps, das in der Firma Rohde & Schwarz Messgerätebau GmbH in Memmingen stattfindet. Zehn Mädchen aus ganz Bayern nehmen in ihren Herbstferien daran teil.

Rohde & Schwarz ist seit 2010 Teil des Projektes

„Seit 2010 machen wir bei dem Technikcamp mit“, sagt Andreas Tschugg, Ausbildungsleiter Operations. Jedes Jahr im Wechsel gibt es entweder ein Camp für Jungen oder für Mädchen. „In der Corona-Phase mussten die Camps leider ausfallen“, sagt Tschugg.

Wie wichtig solche Projekte und andere Angebote der Berufsorientierung sind, sei in der Pandemie erst so richtig klar geworden. „Wir konnten in den vergangenen Jahren keine Praktikanten aufnehmen oder ähnliche Veranstaltungen für Schülerinnen und Schüler machen, das hat sich stark bei den Bewerberzahlen bemerkbar gemacht“, sagt Tschugg. Normalerweise seien zu diesem Zeitpunkt bereits drei Viertel der 77 Ausbildungsplätze für das kommende Jahr belegt. Dieses Jahr seien die Bewerbungszahlen weit davon entfernt.

Über 4000 Teilnehmerinnen aus ganz Bayern waren schon dabei

Daher freut sich der Ausbildungsleiter, dass die Mädchen wieder vor Ort sein können. Finanziert wird das Projekt von den Arbeitgeberverbänden der bayerischen Metall- und Elektroindustrie bayme vbm. Und organisiert wird es von der Bildungsinitiative „Technik – Zukunft in Bayern 4.0“. Die Mädchen für Technik-Camps wurden Madlen Rast vom Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft zufolge im Sommer 2002 erstmalig durchgeführt – feiern also dieses Jahr 20-jähriges Bestehen. Bisher haben in 283 Camps knapp über 4 000 Teilnehmerinnen mitgemacht.

Bei Rohde & Schwarz Messgerätebau GmbH sind 20 Prozent der Auszubildenden weiblich

Und vier Mädchen davon haben sich bisher nach dem Besuch des Technikcamps für eine Ausbildung bei Rohde & Schwarz entschieden: Die Veranstaltung hilft den jungen Frauen also durchaus, sich auf Technik einzulassen und sich dafür zu begeistern. Generell liege der Frauenanteil bei Rohde & Schwarz in Memmingen laut Tschugg bei einem Drittel. Bei den auszubildenden Industriemechanikerinnen und Mechanikern und den Elektronikerinnen und Elektronikern sind es rund 20 Prozent Frauen.

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Eine davon ist Emmi Pietsch. Sie ist nun im dritten Lehrjahr als Industriemechanikerin und hat mit anderen Auszubildenden das Programm für das Technikcamp der Mädchen in Memmingen entworfen. „Die Mädchen arbeiten klasse mit“, sagt sie. Auf die Frage, ob es sie störe, dass es in ihrem Beruf weniger Frauen gibt, schüttelt sie verneinend den Kopf.

Die Mädchen dürfen in den Beruf des Industrimechanikers und des Elektronikers hineinschnuppern

Auch Florian Wägele, Ausbildungsleiter der Industriemechaniker bei Rohde & Schwarz, ist zufrieden mit den fleißigen Technikerinnen. Morgen bekommen die Mädchen noch eine Führung im Fertigungswerk, danach dürfen sie ihren Eltern und den Vertretern der Firma ihre Produkte präsentieren.

„Die Mädchen sollen in jeden Bereich reinschnuppern dürfen und am Ende natürlich etwas mitnehmen“, sagt Wägele. Das ist in diesem Fall ein Ultrakurzwellen (Ukw)-Radio. Von Montag bis Freitag arbeiten die Teilnehmerinnen daran, immer unterstützt von den Auszubildenden.

Da wird gebohrt, gedreht, gebogen und gelötet: Und es macht den Mädels augenscheinlich großen Spaß. Eine Teilnehmerin aus Pfaffenhofen findet die einzelnen Arbeitsschritte sehr spannend, vor allem das Löten der Platine habe ihr gefallen. Der 14-jährigen Lena aus Heimertingen dagegen bevorzugt die Arbeit als Industriemechanikerin. „Ich wollte wissen, ob der Job vielleicht was für mich ist“, begründet sie ihre Teilnahme am Camp – vorstellen könne sie es sich nun schon.

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