Lautrach

100 Jahre alt - und immer noch schlagfertig

Karl Ortner (links) feierte in Lautrach jetzt seinen 100. Geburtstag. Zu den Gratulanten zählten seine Schwägerin Brunhilde Krieg und Bürgermeister Reinhard Dorn (rechts).

Karl Ortner (links) feierte in Lautrach jetzt seinen 100. Geburtstag. Zu den Gratulanten zählten seine Schwägerin Brunhilde Krieg und Bürgermeister Reinhard Dorn (rechts).

Bild: Franz Kustermann

Karl Ortner (links) feierte in Lautrach jetzt seinen 100. Geburtstag. Zu den Gratulanten zählten seine Schwägerin Brunhilde Krieg und Bürgermeister Reinhard Dorn (rechts).

Bild: Franz Kustermann

Karl Ortner ist der älteste Bürger von Lautrach. Zum Geburtstag erzählte er von seinem Leben – etwa von einem Durchschuss und einem langen Marsch in die Heimat.
24.01.2023 | Stand: 12:35 Uhr

Einen rührenden Empfang erhielt Karl Ortner zu seinem 100. Geburtstag: Die örtliche Musikkapelle spielte dem ältesten Bürger von Lautrach vor dem Gasthaus Rössle ein Ständchen. Bürgermeister Reinhard Dorn brachte dem Jubilar eine Wärmedecke mit. Daniel Pfügl überbrachte als stellvertretender Landkreis-Chef Geschenke vom Landrat – und der Jubilar fragte mit verschmitztem Lächeln: „Kommt der denn nicht?“

Feuerwehrfahrt mit Sanitäter

Die Freiwillige Feuerwehr kam zum Gratulieren und versprach ihrem langjährigen Mitglied, dass sie ihn mit ihrem neuen Fahrzeug zu einer Probefahrt mitnehmen wolle, worauf Ortner antwortete: „Dann müsst ihr aber auch einen Sanitäter mitnehmen.“ Rössle-Wirt Thomas Peschke kam mit einem großen Tablett mit Schnaps-Stamperln und überreichte dem Jubilar ein hochprozentiges Getränk.

Als einige Gläser am Boden zersprangen, sagte Ortner optimistisch: „Scherben bringen Glück.“ So viel Glück wie der Jubilar haben schließlich nicht viele, denn: 100 Jahre alt und geistig immer noch fit, können sich nur ganz wenige nennen.

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Schuss durch Oberschenkel und Gesäß-Brieftasche

Dabei hat Karl Ortner schon als 17-Jähriger viel erlebt, „war sogar für Hitlerdeutschland in den Krieg gezogen“, wie er erzählt. Bei einem Einsatz im Kaukasus in einem Spähtrupp eingesetzt – nördlich vom Schwarzen Meer – wurde er mit einem Durchschuss verletzt, wobei die Kugel den Muskel des Oberschenkels und seine Gesäß-Brieftasche durchschlug. Ohne Verband sei er noch einen Kilometer gelaufen. 77 Jahre später sieht er es immer noch positiv: „Weder der Knochen, noch Sehnen oder Blutgefäße wurden verletzt.“ Weil er aus Langeweile eine Schneeburg gebaut hatte, wurde er damals vom Kompanie-Chef für den „Ausbau der Stellung“ mit einer Flasche Wein ausgezeichnet, erinnert sich Ortner. Zwei Tage lange war er als 23-Jähriger nach dem Krieg zu Fuß von Linz aus bis in seine Heimat Budweis gelaufen. Von dort wurde er mit seiner Familie vertrieben. Im Viehwagen ging es Richtung Westen, in Lautrach fand er eine neue Heimat.

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Er erlernte den Beruf des Schlossers, arbeitete bei mehreren Firmen als Metall-Dreher und Technischer Zeichner. Diese Tätigkeiten – nun allerdings mit Holz – wurden dann auch zu seiner Rentnerbeschäftigung. Bis vor zwei Jahren drechselte er an seiner Drehbank Vasen aus Olivenholz. Damals spielte er auch noch mit seiner Gitarre und auf der Ziehharmonika. Mit 100 Jahren gehe das nun leider nicht mehr.