Tatort nahe der A7

Unbekannte sprengen Geldautomaten in Woringen: Reisten die Täter aus den Niederlanden an?

Das LKA ermittelt, nachdem Unbekannte einen Geldautomaten in Woringen nahe der A7 gesprengt hatten.

Das LKA ermittelt, nachdem Unbekannte einen Geldautomaten in Woringen nahe der A7 gesprengt hatten.

Bild: Franz Kustermann

Das LKA ermittelt, nachdem Unbekannte einen Geldautomaten in Woringen nahe der A7 gesprengt hatten.

Bild: Franz Kustermann

Unbekannte haben in Woringen einen Geldautomaten gesprengt. Das LKA sucht Zeugen. Anwohner hörten mehrere Autos flüchten. Bank bleibt vorerst geschlossen.
26.05.2022 | Stand: 19:07 Uhr

Einen Geldautomaten der „Raiffeisenbank im Allgäuer Land“ haben Unbekannte in Woringen (Landkreis Unterallgäu) gesprengt. Mehrere Anwohner sprechen von zwei kurz aufeinander folgenden lauten Knallen, die sie am Mittwoch um kurz nach 3 Uhr nachts aus dem Bett gerissen hätten. „Kurz darauf sind mehrere Autos sehr schnell weggefahren“, sagt ein Mann, der gegenüber der Bank wohnt.

Er dachte zunächst an einen Verkehrsunfall. Doch offenbar waren Kriminelle am Werk – möglicherweise eine Bande aus den Niederlanden.Der Tatort liegt nur knapp zwei Kilometer von der A7 entfernt. In welche Richtung die Täter flüchteten, ist unbekannt. Zudem sei noch unklar, ob die Täter überhaupt Geld erbeuten konnten, sagt ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA). Videoaufnahmen sollen noch ausgewertet werden.

Geldautomat in Woringen gesprengt: Kriminelle mögen besonderen Sprengstoff

Die Münchener Behörde hat die Ermittlungen übernommen. Genauere Untersuchungen des Sprengstoffs sollen in den kommenden Tagen im Kriminaltechnischen Institut des LKA stattfinden. Es handelt sich nach bisherigen Erkenntnissen um sogenannten Festsprengstoff, der auch zum Beispiel in Steinbrüchen zum Einsatz kommt. „Die Zahl der Sprengungen mit Festsprengstoff hat zugenommen, die Sprengungen mit Gas sind dagegen weniger geworden“, sagt der LKA-Sprecher. Wohl auch, weil das Risiko bei dem Gasgemisch für die Täter höher ist.

Durch die stärkere Sprengkraft des Festsprengstoffes besteht aber auch eine größere Gefahr für Menschen, die in den Gebäuden wohnen, in denen die Automaten untergebracht sind. Erst vor wenigen Tagen musste ein Wohnhaus in Ibbenbüren (Nordrhein-Westfalen) nach einer Automatensprengung geräumt werden, weil es einsturzgefährdet war. Auf dem Bankareal in Woringen gibt es keine Wohnungen.

Unklar ist dort noch der Schaden am Gebäude. Die Bank spricht von einer sechsstelligen Euro-Summe. Auf unbestimmte Zeit ist das Gebäude gesperrt, die Bankgeschäfte müssen ruhen. Statiker müssen erst prüfen, ob beispielsweise eine Glaskuppel über der Schalterhalle beschädigt ist und eventuell herabstürzen könnte. Die Druckwelle der Sprengung war so stark, dass es eine massive Tür etwa sechs Meter verschoben hat. Ein verspiegeltes Fenster der Bankrückseite landete im benachbarten Garten und beschädigte dort ein Gewächshaus. Eine angrenzende Bäckerei konnte derweil am Mittwochmittag wieder öffnen und auch ein Baumarkt auf dem Areal kam ohne Schäden davon.

Wie viel Geld in Woringen gestohlen wurde, gibt das LKA nicht bekannt

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Kriminalität

Geldautomat gesprengt: Hier schlugen die Täter im Allgäu zu

Neue Erkenntnisse gibt es zur Sprengung eines Geldautomaten der Sparkasse im Februar in Memmingen. Dort hatten die Täter im Bereich des V-Marktes im Gewerbegebiet Nord zugeschlagen – mit Festsprengstoff. „Der Sprengstoff war wohl nicht industriell, sondern selbst hergestellt“, heißt es jetzt dazu vom LKA.

Wie viel Geld in Woringen erbeutet wurde, dürfe nicht genannt werden, um keine Nachahmer zu motivieren, sagt das LKA. Geldautomaten sind für Betrüger aber offenbar immer noch ein lohnenswertes Ziel. Denn theoretisch passen in einen Geldautomaten bis zu 500.000 Euro Bargeld. Die tatsächliche Summe variiert von Standort zu Standort – im Schnitt sollen zwischen 50.000 bis 200.000 Euro deponiert sein, heißt es aus Bankenkreisen. Rund um den Tatort in Woringen ist zu hören, dass ein Teil des Geldes durch die Explosion verbrannt sein soll – einen Teil hätten die Täter aber mitgenommen.

Die Druckwelle der Explosion hat ein Fenster von der Bankrückseite in den benachbarten Garten geschleudert und ein Gewächshaus beschädigt.
Die Druckwelle der Explosion hat ein Fenster von der Bankrückseite in den benachbarten Garten geschleudert und ein Gewächshaus beschädigt.
Bild: Thomas Schwarz

Der Fall in Woringen war die achte Automatensprengung in Bayern in diesem Jahr. 17 gesprengte Geldautomaten registrierte das LKA 2021. Der Schwerpunkt lag in Franken. Insgesamt nehme diese Form der Straftat zu – „weil die Täter offenbar sehr erfolgreich sind“, so ein LKA-Sprecher. Es gebe Hinweise, dass die Kriminellen von den Niederlanden aus operieren, für ihre Taten nach Deutschland einreisen und unmittelbar danach wieder zurück flüchten. Untermauert wird diese These mit der Festnahme eines 23-jährigen Niederländers, den die Fahnder Ende August 2019 in Memmingerberg nahe dem Allgäu-Airport schnappten. Kurz zuvor hatten insgesamt vier Täter einen Geldautomaten der Commerzbank in der Memminger Innenstadt gesprengt.

Insgesamt haben Kriminelle relativ leichten Zugriff auf die Geldautomaten, denn in den meisten Fällen ist der Zugang Tag und Nacht möglich – so auch in Woringen. Manche Banken sichern den Eingangsbereich noch, indem Kunden erst mit ihrer EC-Karte die Türe öffnen müssen. Ob das in Woringen erbeutete Geld verwendbar ist oder durch Farbpatronen in den Sicherheitsboxen unbrauchbar wurde, dazu äußern sich weder LKA noch Bank.

Gesprengte Geldautomaten im Allgäu:

Immer öfter werden in Deutschland Geldautomaten gesprengt. Die Täter rücken in der Regel nachts beziehungsweise in den frühen Morgenstunden an und flüchten über die meist nahe Autobahn. Auch im Allgäu schlugen Kriminelle in den vergangenen Jahren auf diese Art und Weise zu. Ein Überblick.

2.Februar 2022: Großeinsatz im Gewerbegebiet Nord in Memmingen: Dort sprengen Unbekannte gegen 3.30 Uhr einen Geldautomaten der Sparkasse im Eingangsbereich des V-Markts. Schaden am Gebäude: rund 50.000 Euro. Beute: unklar.

5.November 2021: In Heimertingen (Landkreis Unterallgäu) wird gegen 2.30 Uhr ein Geldautomat der Sparkasse gesprengt.

25. November 2020: In Sulzberg (Landkreis Oberallgäu) wird gegen 2.40 Uhr ein Geldautomat der Sparkasse gesprengt. Das Gerät war in einem Container montiert, der durch die Wucht der Detonation völlig demoliert wurde. Schaden: 60.000 Euro. Laut Zeugen waren nach der Explosion drei bis vier Täter in einem Auto davongerast.

25.August 2019: Unbekannte sprengen einen Geldautomaten der Commerzbank am Memminger Weinmarkt. Sie knacken den Automaten um 4.20 Uhr mit einem selbst gebastelten Sprengsatz. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen.

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