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Golfclub Memmingen: Naturschutz, der Spaß macht

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Wilhelm Tell kommt gleich – oder auch: Spaß muss selbst bei der Apfelernte sein. Von links: Werner Eska, Paolo Micciche, Oliver Völk und Klaus Vogt.

Bild: Jürgen Rasemann

Wilhelm Tell kommt gleich – oder auch: Spaß muss selbst bei der Apfelernte sein. Von links: Werner Eska, Paolo Micciche, Oliver Völk und Klaus Vogt.

Bild: Jürgen Rasemann

Auf Gut Westerhart kümmern sich zahlreiche Ehrenamtliche um wertvolle Lebensräume abseits der Spielbahnen. Jetzt gibt es dort sogar einen seltenen Vogel.
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Von Jürgen Rasemann
15.11.2021 | Stand: 15:56 Uhr

Die Anlage des Golfclubs Memmingen-Gut Westerhart ist mehr als eine Sportstätte. Jüngst wurde der Club mit dem Zertifikat „Golf & Natur“ in Bronze ausgezeichnet. Die Verantwortlichen des Clubs legen großen Wert darauf, den Platz naturnah zu gestalten und vielen Tieren wertvolle Lebensräume zu bieten.

Manager Montén: „Wenn es um die Natur geht, sind wir eine große Familie“

Ohne zahlreiche ehrenamtliche Helfer, die Nistkästen aufhängen, Insektenhotels anschrauben, Bienenkästen aufstellen und die Apfelernte auf den Streuobstwiesen neben den Spielbahnen einfahren, ist dies allerdings nicht möglich. „Wenn es um die Natur geht, sind wir eine große Familie“, versichert Manager Christian Montén.

Bäumchen, schüttle Dich: „So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr“, sagt die Frau und klettert flink auf den Apfelbaum, um dessen Äste kraftvoll zu schütteln. „Aufsammeln, Männer! Los, auf geht’s!“, tönt es durch die kahlen Äste des Obstbaumes. „Wo nimmt diese zierliche Person nur die Kraft her?“, wundern sich die Männer unterm Baum und sammeln das zu Boden gefallene Obst ein: „Befehl ist Befehl, Baum für Baum.“ So ist’s dann auch: 876 Kilogramm Äpfel und Birnen sammeln zehn freiwillige Helferinnen und Helfer auf dem Gelände des Golfclubs auf.

Vier Tage später sind die 610 Liter gemischter Bio-Saft, die im Laden (Pro Shop) des Golfclubs angeboten worden sind, ausverkauft. Die Aktion steht unter der Leitung von Naturschutzwart Dietmar Maier, der im Golfclub auch für die Pflege der Bienen zuständig ist.

Auf der Golfanlage in Westerhart gibt es vier neue Bienenvölker

Kein flüssiges Gold im Glas: „Dieses Jahr haben wir vier neue Bienenvölker auf unserer Golfanlage angesiedelt“, sagt Maier. Die große Honigernte blieb allerdings aus. Weniger fleißig als sonst waren die Bienen nicht, aber es war zu kalt und zu nass. Der Deutsche Imkerbund sprach von einem „mageren Erntejahr“. Im Schnitt brachte es jedes Bienenvolk auf 28,3 Kilogramm Honig und somit auf 5,5 Kilo weniger als 2020.

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Anders in Westerhart: Laut Maier mussten die vier „Golfplatz-Völker“ mit 65 Kilogramm Zuckersirup gefüttert werden, da sie in der Natur zu wenig Futter gefunden hätten. Trotzdem hätten sich die braun-gelben Brummer gut entwickelt, sagt der Naturschutzwart. Maier hofft, nächstes Jahr sieben Völker aus eigener Zucht auf der Golfanlage zu haben.

Leiter hoch, Leiter runter: Akribisch kontrollieren nun Golffreund Dr. Werner Eska und Daniel Watzlawik, Vorstandsmitglied des Landesbundes für Vogelschutz Memmingen, mehr als 30 Vogelhäuser auf dem Golfplatz Memmingen. „Alle bewohnt“, lautet ihr Fazit, „wir müssen anbauen.“ Da das Geld in der Clubkasse knapp ist, werden jetzt unter den Mitgliedern Paten gesucht, die für 25 Euro einen Nistkasten sponsern. „Jeder Spender erhält einen Plan, damit er weiß, wo sein Kasten hängt“, sagt Clubmanager Christian Montén. Und: „Durch die Spende unterstützen Geber unser Projekt Golf & Natur. Außerdem tun Sie Gutes für die Artenvielfalt und den Fortbestand der Vögel auf unserer Anlage.“ Übrigens: Zu den häufigsten Gästen zählen Sperlinge und Meisen.

Die Verantwortlichen des Golfclubs Memmingen sind stolz

Seltener Glücksfall: Stolz sind die Verantwortlichen des Golfclubs Memmingen darauf, dass sich jetzt sogar ein Eisvogel auf dem Golfplatz niedergelassen hat. Um für den seltenen Vogel mit seinem leuchtenden und bunten Gefieder, das je nach Lichteinfall in verschiedensten Farben glänzt, die neue Heimat attraktiver zu gestalten, werden im Winter an drei Teichen schräge Ansitzstangen angebracht.

Sie sollen dem Vogel die Futtersuche erleichtern.