Serie (4)

„Ich möchte mit dem Rad auch zur Uni fahren“

Symbolfoto - Fahrradfahrer

Elftklässler aus dem Vöhlin-Gymnasium betonen, dass das Fahrrad für sie viel mit persönlicher Freiheit zu tun habe. Einige von ihnen sagen aber auch, dass Radfahrer in unserer Stadt immer noch Gefahren ausgesetzt sind.

Bild: Symbolfoto: Alexander Kaya

Elftklässler aus dem Vöhlin-Gymnasium betonen, dass das Fahrrad für sie viel mit persönlicher Freiheit zu tun habe. Einige von ihnen sagen aber auch, dass Radfahrer in unserer Stadt immer noch Gefahren ausgesetzt sind.

Bild: Symbolfoto: Alexander Kaya

Wie Elftklässler, die das Vöhlin-Gymnasium in Memmingen besuchen, über das Fahrradfahren denken. Dabei tauchen Wörter wie Angst und Gefahr auf – aber auch Spaß und Freiheit
15.07.2021 | Stand: 18:00 Uhr

In den vergangenen Jahren bekam Memmingen als „Fahrradstadt“ stets recht gute Bewertungen. Was wirklich gut ist und was noch alles verbessert werden kann, beleuchten wir in unserer Rad-Serie. Im heutigen vierten Teil geht es um Elftklässler des Memminger Vöhlin-Gymnasiums.

Im nächsten Jahr wollen sie ihr Abitur in der Tasche haben. Einige von ihnen sind bald volljährig und machen jetzt den Führerschein. Wie denken junge Erwachsene in diesen Tagen über das Fahrradfahren? Darüber sprachen wir mit Elftklässlern im Memminger Vöhlin-Gymnasium.

Dabei wurde deutlich: Die meisten von ihnen fahren sehr gerne und auch viel mit dem Fahrrad – und wollen das auch beibehalten, wenn sie zum Studieren in eine andere Stadt ziehen. Wie zum Beispiel Solvejg Deusing. Sie sagte: „Mit dem Fahrrad ist es sehr praktisch und sehr unkompliziert, außerdem ist es umweltfreundlich. Mit Blick auf die Zukunft ist es einfach vernünftig. Ich möchte auch mit dem Fahrrad zur Uni fahren.“ Deusing hält das Radeln aber auch für nicht ganz ungefährlich, denn viele Autofahrer hielten sich nicht an die Regeln. Gerade beim Überholen gehe es oft sehr eng zu. Das bestätigte ihr Lehrer Andreas von Kietzell, der Mitglied im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) ist und am Vöhlin auch das „Schulradeln“ organisiert. Er sagte jetzt: „Ich habe im Rahmen unserer Aktionen immer auch Angst, dass einem Kind etwas passiert. Das Radeln ist immer noch gefährlich.“ Hier sei ein Bewusstseinswandel vonnöten. Die Stadt könne, ja: müsse noch mehr für sichere Radwege tun. „Auch das ist ein Zeichen von Kinderfreundlichkeit“, betonte der Gymnasiallehrer.

Ein Helm ist wichtig

Die Sicherheit im Straßenverkehr spielt unter anderem für Schülerin Simone Müller eine große Rolle: „Man muss sich der Gefahr bewusst sein und selber was tun, um sich zu schützen. Deswegen ist ein Helm für mich sehr wichtig.“ Nach Ansicht der Elftklässlerin müssten viele Verkehrsunfälle gar nicht sein, denn: „Sie haben oft mit Hektik zu tun, etwa mit hektischem Überholen, das gar nicht nötig ist.“ Dem stimmte Charlotte Hebel, die selbst auch schon Motorrad fährt, zu: „Gerade Fahrer großer Fahrzeuge brauchen ein Bewusstsein dafür, dass sie auch eine große Verantwortung tragen.“

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An alle Autofahrer richtete sich die Kritik von Felix Schinkel, der monierte: „Viele von ihnen checken auch nach Jahren noch nicht, wie sie sich in einer Fahrradstraße richtig verhalten müssen – zum Beispiel in der Buxacher Straße in Memmingen.“

Die Elftklässler machten in diesem Zusammenhang deutlich, dass sie nicht in simplen Schwarz-Weiß-Mustern denken, in denen der Radler stets der Gute und der Autofahrer der Böse ist. Ben Kramer beispielsweise differenzierte: „Die Radler müssen selbst auf eine eigene Beleuchtung achten. Mein Vater regt sich immer auf, wenn Radler ohne Licht fahren.“

Junge Frau hat Angst im Dunklen

Die Dunkelheit hat aber noch eine andere Facette, die gerade für junge Frauen problematisch ist. Darauf wies Lena Seefelder hin: „Was mir das Fahrradfahren echt vermiest, ist, dass ich spätabends nicht guten Gewissens allein nach Hause fahren kann.“ Doch auch für Seefelder hat das Radeln positive Seiten: „Das Fahrrad gibt mir jetzt viele Freiheiten zurück. Ich musste nämlich bis vor Kurzem wegen einer Verletzung eine Weile mit dem Auto überallhin gefahren werden.“

Judith Meißner verbindet mit dem Fahrrad ebenfalls Begriffe wie Spaß und Freiheit. „Ich mag auch den sportlichen Aspekt. Ich lebe in Eisenburg. Ich mag es sehr, morgens bergab zu fahren, das ist sehr entspannend für mich.“ Den sportlichen Aspekt strich auch Felix Schinkel heraus: „Während des Lockdowns war das Fahrrad sehr wichtig für mich. Und zwar fürs Ausdauer-Training. Ich bin viel gefahren, mehr als zuvor.“

Für Felicitas Nagler hingegen haben weder Corona-Pandemie noch „Fridays for future“ für große Veränderungen in ihrem Verhalten gesorgt: „Für mich war es auch davor schon ganz normal, in Memmingen mit dem Rad zu fahren.“ Den Führerschein mache sie zwar, aber für sie sei das eher „eine Formsache“.

Autofahrer sind schnell genervt

Wie Nagler beobachten mehrere Elftklässler, die regelmäßig mit dem Fahrrad in die Schule fahren, dass „viele Memminger Autofahrer schnell genervt sind“. Sie erleben „fast jeden Morgen, wie sich Autofahrer über Radler aufregen“. Luca-Marie Lechner gab hier zu bedenken: „Eigentlich weiß doch jeder, wie er sich im Straßenverkehr verhalten muss. Trotzdem tun es die wenigsten.“

Doch warum ist das so? Beim gemeinsamen Nachdenken entwickelten die Gymnasiasten eine Theorie, die dieses Verhalten erklären könnte: Wut und Aggression würden immer an den Nächstschwächeren weiter gegeben – und das nicht nur im Straßenverkehr, sondern überall in der Gesellschaft. Alle nickten hier zustimmend.

Im fünften Teil unserer Serie soll es um folgendes Thema gehen: Wie stellt sich die Lage in den Memminger Fahrradstraßen dar? Was sagt hier die Polizei?