Kirchen

In den Klingelbeuteln in Memmingen herrscht Corona-Flaute

Symbolbild: Opferstock

Deutlich zurückgegangen sind in der Pandemie die Kirchenbesuche. Das merken die Gemeinden auch an den Spenden in den Opferstöcken.

Bild: Matthias Becker

Deutlich zurückgegangen sind in der Pandemie die Kirchenbesuche. Das merken die Gemeinden auch an den Spenden in den Opferstöcken.

Bild: Matthias Becker

Seit weniger Menschen Gottesdienste besuchen, gingen auch die Kollekten deutlich zurück. In den Memminger Gemeinden um fast die Hälfte. Wo das Geld jetzt fehlt.
15.03.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Von März bis Mai durften im Coronajahr 2020 gar keine Gottesdienste stattfinden, danach nur mit strengem Hygienekonzept. Seit unter anderem Mindestabstände eingehalten werden müssen, Gesang verboten ist und Masken vorgeschrieben sind, stellen die Kirchen eine deutliche Zurückhaltung bei den Besuchen fest. Aber wenn kaum noch Menschen in die Gotteshäuser kommen, können sie auch nichts in den Klingelbeutel werfen. Dass die Kollekten in der Corona-Zeit fast um die Hälfte zurückgegangen sind, bestätigen jetzt die beiden Dekane Ludwig Waldmüller (katholische Pfarreiengemeinschaft Memmingen) und Christoph Schieder (evangelische Kirchengemeinde St. Martin).

Dekan Ludwig Waldmüller von der katholischen Pfarreiengemeinschaft Memmingen.
Dekan Ludwig Waldmüller von der katholischen Pfarreiengemeinschaft Memmingen.
Bild: Privat

Erschwerend komme dazu, dass man keine Opferkörbchen mehr herumgehen lassen dürfe und nur noch die Tür-Kollekte erlaubt ist, sagt Waldmüller: „In der Bank ist man eher gefasst darauf, etwas zu geben, am Ausgang gehen viele vorbei.“ Gesammelt wird in seinen Kirchen für ganz unterschiedliche Zwecke, teilweise fließen die Kollekten in die Kasse der Gemeinde, andere Spenden gehen komplett an die Diözese oder kirchliche Hilfsaktionen. Zum Beispiel nach den Sonntagen oder Wochen, an denen die Gläubigen für Adveniat, Misereor oder die Caritas spenden können, für die Jugend der Diözese oder etwa für die Opfer eines Tsunamis. Einmal im Jahr wird um den so genannten Peterspfennig gebeten, den bekommt dann der Papst für seine mildtätige Arbeit.

Wer wissen will, wofür er an den anderen Sonntagen den Geldbeutel öffnet, braucht nur in den Kirchenanzeiger zu schauen. Da steht jeweils drin, für welchen Zweck gesammelt wird. Die Spenden, die in der Gemeinde bleiben dürfen, fließen in den Haushalt für laufende Ausgaben oder an vorher festgelegte Zwecke wie zum Beispiel die Heizung, notwendige Reparaturen oder die Gemeindejugend. „Wenn wir etwas festlegen, muss das Geld auch dahin gehen“, erklärt Waldmüller. „Daran sind wir rechtlich gebunden.“ Das betrifft auch Spenden, die zusätzlich zur Kollekte an die Kirche gehen: „Wenn zum Beispiel jemand für die Restaurierung einer Figur spendet, wir das aber gar nicht vorhaben, müssen wir das Geld zurückgeben.“

Großes Loch in der Spendenkasse

Betrachtet man die Zahlen, wird deutlich, dass Corona ein großes Loch in der Spendenkasse der katholischen Pfarreiengemeinschaft verursacht hat: Im Jahr 2019 flossen 60 350 Euro direkt an die Gemeinden, 2020 waren es nur noch rund 31  000 Euro. Nun müsse man natürlich genau schauen, wie man Ausgaben nach diesem Rückgang plant, sagt Waldmüller. „Aber wir kommen noch ganz gut hin, was das Laufende angeht, die Kollekte ist ja nur ein kleiner Teil unserer Einnahmen. Der größte Teil kommt aus der Kirchensteuer.“

Dekan Christoph Schieder von der evangelischen Gemeinde St. Martin in Memmingen
Dekan Christoph Schieder von der evangelischen Gemeinde St. Martin in Memmingen
Bild: Ralf Lienert

Ganz ähnlich sieht es in der evangelischen Kirchengemeinde St. Martin aus, zu der auch Amendingen und Eisenburg gehören. Da waren im Klingelbeutel für die Gemeinde 2020 nur noch 26 000 Euro – im Jahr 2019 kamen dagegen rund 50 000 Euro zusammen. „Das Geld verwenden wir für den laufenden Unterhalt, also von den Heizkosten bis zum Papier im Büro“, berichtet Dekan Christoph Schieder.

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Auch seine Gemeindemitglieder spenden nach einem festen Kollektenplan entweder für St. Martin direkt oder für Projekte der Landeskirche, wie zum Beispiel die Förderung von internationalen Beziehungen, das Diakonische Werk, die Telefon- oder Gefängnisseelsorge. In der Kirche stehen neun verschiedene Opferstöcke, manche nur für die Sonntage, andere sind die ganze Woche über offen, etwa die Martins-Spendengans, die jederzeit für den Erhalt der Kirche gefüttert werden kann. „Die Leute entscheiden selbst, wo sie etwas reinwerfen“, sagt Schieder.

Mit Rücklagen ausgleichen

Bei etwa einem Drittel der rund 60 Gottesdienste im Jahr legt der Kirchenvorstand den Spendenzweck selbst fest – zum Beispiel für die neue Turmspitze von St. Martin – aus zwei Dritteln fließen sie an die Landeskirche. „Auch bei den landeskirchlichen Kollekten ist ein deutlicher Einbruch zu spüren“, weiß der Dekan. „Da hängen auch Stellen davon ab, aber es gibt Sondertöpfe, damit die Arbeit fortgeführt werden kann.“ In der Gemeinde werde man die Verluste erst einmal mit Rücklagen ausgleichen. „Die normale Arbeit muss aufrecht erhalten werden und manche Kosten lassen sich nicht reduzieren, die Kirche muss ja geheizt werden“, sagt Schieder. Bei großen Projekten müsse man dagegen schon prüfen, wo man Ausgaben reduzieren kann – oder sie erst einmal zurückstellen.

Aber er betont auch, Geld sei gerade nicht sein großes Thema, viel mehr Gedanken mache er sich darum, wie man die seelsorgerische Arbeit in Corona-Zeiten gut gestalten und die Menschen trotz Distanz erreichen kann. „Und ein Stück Gottvertrauen braucht man auch in finanziellen Dingen“, bleibt er zuversichtlich.