Menschen mit Behinderung

Sprechblasen als Protestaktion: „Wünsche mir, dass ich nicht blöd angeredet werde“

Peter Czech vom Behindertenbeirat Memmingen hängt in der Memminger Altstadt eine Papier-Sprechblase auf, auf der ein Rollstuhlfahrer einen Missstand bemängelt. Diese Aktion war Teil des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

Peter Czech vom Behindertenbeirat Memmingen hängt in der Memminger Altstadt eine Papier-Sprechblase auf, auf der ein Rollstuhlfahrer einen Missstand bemängelt. Diese Aktion war Teil des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

Bild: Andreas Berger

Peter Czech vom Behindertenbeirat Memmingen hängt in der Memminger Altstadt eine Papier-Sprechblase auf, auf der ein Rollstuhlfahrer einen Missstand bemängelt. Diese Aktion war Teil des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

Bild: Andreas Berger

Mit einer Protestaktion in Memmingen für Menschen mit Behinderung soll auf mehr Teilhabe aufmerksam gemacht werden. Was es mit der Aktion auf sich hat.
04.05.2021 | Stand: 17:44 Uhr

Es fängt schon beim Friseur an: In vielen Salons sind die Waschbecken fest mit einem Stuhl verbunden. Rollstuhlfahrer können sich dort also vor dem Schnitt nicht die Haare waschen lassen. Weiter geht es in Arztpraxen: Oft sind die Liegen nicht höhenverstellbar, auch behindertengerechte Toiletten fehlen in Praxen häufig. Diese Kritik kommt von Memmingern, die eine Behinderung haben.

Es sind drei Probleme von vielen, mit denen sie zu kämpfen haben - und die sie am Dienstag in der Altstadt in schriftlicher Form an extra dafür aufgestellte Birken hängten: auf dem Theaterplatz und am Freiheitsbrunnen am Weinmarkt. Anlass war der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. „Deine Stimme für Inklusion - mach mit“ war das Motto, unter dem der Behindertenbeirat der Stadt Memmingen aufgerufen hatte, Wünsche und Sorgen zu formulieren, auf Papier-Sprechblasen zu schreiben und an die beiden Bäume zu hängen. Wie diese: „Damit mehr Teilhabe gelingt, wünsche ich mir, dass ich nicht ausgegrenzt und blöd angeredet werde.“ Die Sprechblasen werden nun vom Behindertenbeirat ausgewertet, dann wird geprüft, welche Forderungen umgesetzt werden können.

Weniger Kopfsteinpflaster, breitere Gehwege

Vielleicht etwa dieser Wunsch eines Memmingers im Rollstuhl: „Ich wünsche mir am Bach am Schrannenplatz Richtung Roßmarkt eine Verbreiterung der ebenen Gehwegplatten und weniger Kopfsteinpflaster“, um - wie auch Menschen ohne Gehbehinderung - einen besseren Blick ins Gewässer zu haben.

Peter Czech (Foto), der selbst im Rollstuhl sitzt und Mitglied des Behindertenbeirates ist, weiß von einem weiteren Problem: Immer wieder komme es vor, dass Restaurants in ihren Behindertentoiletten Reinigungsmaterial lagerten - und dann kein Platz mehr sei, um die sanitären Einrichtungen zu nutzen.

„Barrierefreiheit meint nicht nur bauliche Aspekte"

Es seien oft scheinbar kleine Dinge, die den Alltag für Menschen mit Behinderung erschwerten, sagt Anna Birk von der Inklusionsfachstelle der Stadt Memmingen. Und das beschränke sich nicht nur auf Menschen mit Gehbehinderung. Regina Sproll vom Behindertenbeirat: „Barrierefreiheit meint nicht nur bauliche Aspekte.“ So sei es wichtig, zum Beispiel auf Internetseiten von Behörden Informationen auch in leicht verständlicher Sprache anzubieten.

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Aktion für Menschen mit Behinderung in Memmingen

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Doch auch im zwischenmenschlichen Umgang gebe es noch viel zu tun. So hat Regina Sproll zum Beispiel die Erfahrung gemacht, dass an der Frischetheke im Supermarkt oft nicht der Mensch mit Behinderung von den Mitarbeitern gefragt werde, was er gern hätte, stattdessen werde der Betreuer angesprochen. Regina Sproll weiß, dass dahinter keine böse Absicht steckt, sondern vor allem Unsicherheit. Deshalb seien Aktionen wie am Dienstag wichtig, um das Miteinander zu verbessern. „Barrierefreiheit beginnt bei jedem im Kopf.“

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