Memmingen/Unterallgäu

Inzwischen vier Erkrankte im Unterallgäu

MM Corona

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Bild: Thomas Schwarz

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Corona I Hotline für Bürger eingerichtet. Kreis und Stadt verbieten Veranstaltungen mit mehr als 500 Besuchern
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Von von thomas schwarz
12.03.2020 | Stand: 16:20 Uhr

Die Gefahr durch das Coronavirus hat zunehmend Auswirkungen auch auf Memmingen und den Landkreis Unterallgäu. Einen vierten Erkrankten meldete der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Ludwig Walters, gestern während einer Pressekonferenz in Mindelheim. Damit gibt es nun Fälle in Bad Grönenbach, Heimertingen und Wiedergeltingen – drei Männer und eine Frau, alle zwischen 39 und 63 Jahre alt. Da wegen Krankheitssymptomen bei einer Person die häusliche Quarantäne nicht mehr reichte, kam sie zur Behandlung ins Klinikum Memmingen, wo sie isoliert behandelt wird. Es bestehe aber keine lebensbedrohliche Situation, so Walters.

Alle vier Personen hatten sich offenbar in den Faschingsferien in Italien infiziert. Derzeit werden rund 30 Personen aus ihrem direkten Umfeld auf das Virus getestet – so lange sind die Verdachtspersonen in häuslicher Quarantäne. Mit Testergebnissen rechnet die Behörde spätestens am heutigen Freitag. Sicherheitshalber bleibt wegen weitläufiger Kontakte auch die Stufe 11 des Memminger Vöhlin-Gymnasiums zuhause sowie je eine Klasse der Fugger-Realschule in Babenhausen und der Grundschule in Wiedergeltingen. Dort ist zudem die Kita geschlossen. Komplette Schulschließungen hält der Landrat „nach jetzigem Stand für nicht verhältnismäßig“. Die Lage müsse aber permanent neu bewertet werden.

Besuchsverbote in Kliniken

Um die Ausbreitung der Infektion zu verzögern, haben Kreis und Stadt alle Veranstaltungen mit über 500 Teilnehmern verboten. „Wir sind da in enger Abstimmung, denn das Virus kennt keine Grenzen“, betont Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder und erntet ein Nicken bei Landrat Hans-Joachim Weirather. Wie lange das gilt, ist noch unklar. „Erst mal bis Ende der Osterferien“, so Weirather.

Zudem gibt es Besuchsverbote für alle Kliniken, Senioren-, Behinderten- und Reha-Einrichtungen in Kreis und Stadt – damit Erreger erst gar nicht eingeschleppt und Risikogruppen geschützt werden. Es gelten jedoch Ausnahmen für eine Begleitperson zur Kinderklinik, bei Neugeborenen für die Väter sowie der Besuch bei Sterbenden. Die ambulante Versorgung von Patienten werde aufrechterhalten. Auf die Einschränkungen weisen Zettel mit „Stop“-Symbol an den Eingängen hin.

Besucher zeigen Verständnis. „Es ist wichtig, dass das Virus sich nicht in der Klinik ausbreitet“, sagt beispielsweise eine Frau, bevor sie wieder unverrichteter Dinge vom Klinikum Memmingen weggeht.

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Das sehen auch die Experten in Stadt und Land so. Denn sollten auch Ärzte oder Pflegepersonal erkranken, hätte das fatale Auswirkungen auf das Gesundheitswesen. Für den Fall, dass die Zahl der Erkrankten steigt, wollen Kreis und Stadt an mehreren Orten Zentren einrichten, in denen sich Verdachtsfälle nach vorheriger Absprache testen lassen können. „Das kann bei Bedarf umgehend passieren“, so Walters. In Memmingen soll das in der Stadionhalle geschehen, da in diese auch Autos hineinfahren könnten. Schon jetzt hat der Kreis einen Fahrdienst eingerichtet, der zuhause bei Verdachtspersonen Proben für Schnelltests abholt – damit diese nicht zu Arzt oder Klinik müssen.

„Ich selbst gehe nicht mehr auf größere Veranstaltungen und bei öffentlichen Terminen ist nun nur noch einer der drei Memminger Bürgermeister“, erzählt Schilder. Er rät zu „Vernunfthandlungen“ wie häufigeres Händewaschen, dem Verzicht aufs Händeschütteln oder zu Einkäufen außerhalb von Stoßzeiten. Und mit Blick auf die Kommunalwahl am Sonntag sagt er: „Machen Sie Briefwahl oder bringen Sie sich ihren eigenen Kugelschreiber mit.“ Er warne „vor übertriebener Hysterie – das Haus aus Angst gar nicht mehr zu verlassen, ist auch nicht die Lösung“. Man habe durchaus gute Maßnahmen ergriffen und sei vorbereitet. Letztlich gehe es vor allem um das Reduzieren der Infektionsketten, ergänzt Walters. „Denn auch ein Verlangsamen der Ausbreitung hilft allen.“ Daher sei es auch wichtig, dass die Verdachtsfälle wirklich in häuslicher Quarantäne blieben, bis ein Testergebnis vorliege. „Ja, unser Freizeit- und Sozialleben wird eingeschränkt – aber das müssen wir eine zeit lang in Kauf nehmen.“