Wirtschaft

Käßmeyer will in Erkheim expandieren

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Die Firma KSK Kompostierungs-Service Käßmeyer möchte ihr Gelände in Erkheim erweitern. Das Projekt wurde bei einer Infoveranstaltung vorgestellt.

Bild: Peter Förg

Die Firma KSK Kompostierungs-Service Käßmeyer möchte ihr Gelände in Erkheim erweitern. Das Projekt wurde bei einer Infoveranstaltung vorgestellt.

Bild: Peter Förg

Die Firma KSK Kompostierungs-Service stellt ihre Pläne vor. Dabei spielt der Schutz vor Geruchsbelästigung eine große Rolle
25.11.2021 | Stand: 17:55 Uhr

„Wir stoßen an unsere Platzgrenzen“, erklärte Dr. Alexander Eberhardinger, Geschäftsführer der KSK Kompostierungs-Service Käßmeyer GmbH bei einer Infoveranstaltung des Unternehmens. Dort stellte die Firma ihre Pläne für den Ausbau ihres Standort in Erkheim vor: Um 38.000 Quadratmeter möchte sich der Kompostierungsservice vergrößern. Bürgerinnen und Bürger von Erkheim konnten sich nun mit den führenden Köpfen von KSK Käßmeyer austauschen und Kritik an den Plänen anbringen.

Doch nicht nur die Bebauungspläne wurden vorgestellt, auch Experten erklärten beispielsweise die Rolle von Biogas-Anlagen bei der Bekämpfung des Klimawandels und die Vorgehensweise bei Gutachten.

Biogas-Anlagen seien wichtiger Bestandteil im Energie-Mix

Sebastian Hartmann vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu (Eza) und dem Bündnis „Klimaneutrales Allgäu bis 2030“ erklärte die Bedeutung von Biogas-Anlagen für die regionale Energiewende. Denn wenn weder Wind- noch Sonnenenergie abrufbar sind, springen Biogas-Anlagen als Joker ein. „Sie sind ein wichtiger Bestandteil im Energie-Mix“, sagte Hartmann.

Bezogen auf die Firma KSK Käßmeyer bedeutet das Folgendes: Im Vergleich zum deutschen Strommix können laut Hartmann durch die Biogasanlagen von KSK 1864 Tonnen CO2 eingespart werden. Ein Bürger verbrauche im Jahr rund elf Tonnen Kohlenstoffdioxid. Wenn man die durch das Unternehmen produzierten Hackschnitzel mit einberechnet, werden sogar 50.000 Tonnen CO2 eingespart: „Das entspricht der Versorgung von etwa 12.000 Haushalten“, sagte Hartmann. Zudem beliefere die Firma rund 50 Prozent der Erkheimer Haushalte mit Strom.

Mehr Lagerkapazitäten für Gebrauchtholz, Pellets und Kompostierung

Im Anschluss erklärte Alexander Eberhardinger den Erweiterungsplan: „Aktuell umfasst unsere Kapazität für Biomasse etwa 25.000 Tonnen, nach der Erweiterung wird es das Doppelte sein.“ Es soll Platz für die Aufbewahrung des Komposts geschaffen werden. Auch die Aufbereitung von Gebrauchtholz und die Lagerung der Holzpellets bekommt mehr Raum, genauso die Aufbewahrung von Biomasse. Das Annehmen und Verwahren von Kleinmengen anderer Abfallarten wie Bauschutt ist ebenfalls im Plan inbegriffen.

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„Es gibt wachsende Anforderungen an die Produktqualität und der möchten wir entsprechen“, sagte Eberhardinger. Wichtig sei die Störstoffreduktion, also das Entfernen von Plastik. Dabei muss das Material mehrfach gesiebt werden. Die holzigen Siebereste werden bisher bei der Energieerzeugung verwendet.

Schutz vor Luftverschmutzung ist den Erkheimern wichtig

Den Immissionsschutz betonte er ebenfalls: „Wir müssen uns für die Zukunft rüsten und auf dem aktuellen Stand der Technik bleiben.“ Gerade dieses Thema ist für die Bürger von Erkheim wichtig, denn es sorgte in den vergangenen Jahren für Differenzen: Grund dafür war die Geruchsbelastung durch die Firma Bio-Energie Schwaben am selben Standort.

Über die Jahre wurde viel Vertrauen kaputt gemacht“, sagte Christian Seeberger, Bürgermeister von Erkheim. Er merkte aber an, dass in den vergangenen Jahren viel in die Wege geleitet wurde und „Stand heute“ wenig Immissionen zu verzeichnen seien. Im Moment laufe quasi die Bewährungsprobe für das Unternehmen.

Julian Rubach vom Landratsamt Unterallgäu klärt über die Genehmigungsverfahren auf

Um die Bürger über das Genehmigungsverfahren und über die Prüfung der Geruchsbelastung aufzuklären, war Julian Rubach vom Landratsamt Unterallgäu zu Gast. Neben dem Bebauungsplan werden Rubach zufolge auch der Schutz vor Lärm und Luftverunreinigung kontrolliert. Die Anforderungen richten sich dabei immer nach dem neusten Stand der Technik.

Richtlinien der Luftreinhaltung werden verschärft

Er erklärte, dass sich die entsprechenden Richtlinien zur Reinhaltung der Luft ab Dezember 2021 verschärfen werden. „Zum ersten Mal ist der Schutz vor Geruchsimmissionen relevant.“ Wenn das Bauvorhaben einen bestimmten Grenzwert beim Geruch übersteigt, wird es nicht genehmigt. In Wohngebieten darf laut Rubach die Belastung durch Geruch nicht länger als zweieinhalb Stunden am Tag dauern. Das entspricht zehn Prozent der Jahresstunden. Die Zusatzbelastung dürfe nicht über zwei Prozent steigen.

Dabei werde die Kompostierungsanlage nicht isoliert betrachtet, sondern beispielsweise die Immissionen von Bio-Energie Schwaben mit einberechnet. Die Überwachung und Abnahmeprüfung erfolge in einem Turnus von drei Jahren.

Bürgermeister Seeberger: "Die Ausführungen der Experten beruhigen"

Aus der Bürgerschaft meldeten sich kaum kritische Stimmen, einer sprach positiv über die gesunkene Geruchsentwicklung im Ort, ein anderer hakte bei der Immissionsprüfung nach.

„Die Ausführungen der Experten beruhigen“, sagte Bürgermeister Seeberger nach der Veranstaltung, aber man brauche Gewissheit, dass der Ausbau das Leben der Bürger nicht beeinträchtige. Daher wolle er von Seiten des Marktes aus dem Ausbau keine Absage erteilen, aber auch keine Zusage ohne die Sicherheit, dass die Geruchsbelastung nicht zunimmt.

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