Gesundheit

Krebspatientin in Niederrrieden ist dankbar und froh, dass sie lebt

Manuela Jocham hat Krebserkrankungen und schwere Schicksalsschläge durchlebt und gemeistert und sich dabei auf eine frohe, positive und lebensbejahende Grundeinstellung gestützt.

Manuela Jocham hat Krebserkrankungen und schwere Schicksalsschläge durchlebt und gemeistert und sich dabei auf eine frohe, positive und lebensbejahende Grundeinstellung gestützt.

Bild: Armin Schmid

Manuela Jocham hat Krebserkrankungen und schwere Schicksalsschläge durchlebt und gemeistert und sich dabei auf eine frohe, positive und lebensbejahende Grundeinstellung gestützt.

Bild: Armin Schmid

Manuela Jocham hat schon mehrere Krebserkrankungen überstanden. Die 58-jährige führt das auf ihre positive Einstellung zurück – und auf ihren Glauben an Gott.
15.02.2021 | Stand: 15:13 Uhr

Wenn Manuela Jocham die Tür öffnet, blickt man auf eine lebensbejahende und lebensfrohe Frau. Das allein wäre noch nichts Besonderes. Wenn man aber weiß, dass die Frau aus Niederrieden mehrere Krebserkrankungen überlebt hat, erscheint diese positive Lebenseinstellung in einem anderen Licht.

Die schweren Erkrankungen, Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen haben der 58-Jährigen den Lebensmut auch über fast zwei Jahrzehnte hinweg nicht nehmen können. Und das, obwohl Manuela Jocham mehrmals die Diagnose bekam, dass sie nur noch beschränkte Zeit zu leben habe. Dass sie immer noch lebt und seit mehr als zwei Jahren krebsfrei ist, führt Manuela Jocham im Wesentlichen auf ihre positive Einstellung, bedingungslose Ehrlichkeit zu sich selbst, die einem Freiheit zum Loslassen schenkt, und den Glauben an Gott zurück – gepaart mit einer großen Dankbarkeit für die Fähigkeiten der Ärzte und Therapeuten, die dies ermöglicht haben.

Sie ist überzeugt, dass das motivierende „Wir schaffen das“ beim „Ich muss mithelfen“ beginne. Aber ohne die Hilfe von sehr vielen Menschen und ohne göttlichen Beistand wäre es nicht zu überstehen. Sie sagt: „Mensch zu sein, das heißt auch, Fehler zu machen!“ Dass sie sich diese ehrlich eingestehe, ermögliche ihr, sich immer wieder voller Vertrauen auf ihre eigenen Entscheidungen und die Fürsorge ihrer Mitmenschen einzulassen. Jocham sagt auch, nur das Zulassen des Eingeständnisses, Fehler gemacht zu haben, und daraus zu lernen, bringe einen selbst und die Gesellschaft weiter.

Krebspatientin will ihre Erfahrungen weitergeben

Die Sätze, dass jemand den Kampf gegen den Krebs gewonnen oder verloren habe, hält sie für falsch. Die Vorstellung, dass man mit einem müden, kranken, erschöpften Körper auch noch gegen etwas kämpfen müsse, lässt sie schaudern. Bei Betroffenen erzeuge das auch Angst. Daher will sie die Erfahrungen aus ihrer Krankheitszeit, die sie trotz allem meist positiv und lebensfroh erleben durfte, weitergeben. „Das ist so, weil ich nicht gegen irgendetwas gekämpft habe, sondern für das Leben.“

Somit ist sie der Meinung, dass sie nicht verlieren, sondern nur gewinnen könne – und zwar mehr Lebenszeit und Lebensfreude. Zeit mit ihrem Mann, den beiden Kindern, Familie, Freunden und Gott. Dass sie noch am Leben ist, grenzt für die passionierte Sängerin, die früher gerne Kinder- und Jugendchöre leitete, und auch für diejenigen, die ihr Schicksal kennen, immer wieder an ein Wunder. 2002 erhielt Manuela Jocham die Diagnose Brustkrebs. 2007 war sie geheilt. Dann folgte von 2014 bis 2018 eine Darmkrebserkrankung, die in der Folge mehrere Organe wie Milz, Leber, Lunge, auch wiederholt, in Mitleidenschaft zog.

Die Ehrlichkeit zu sich selbst sei es gewesen, die ihr weitergeholfen habe. Und der Glaube. „Ich bin da ohne Zweifel und dankbarerweise mit einer guten Verbindung gesegnet.“ Man müsse sich schonungslos eingestehen, dass man schwer krank sei, dass es einem nicht gut gehe und dass man auch sterben könne. „Man darf aber auch nach vorne schauen und erkennen, dass jeder Moment lebenswert ist.“ Diese Einstellung hat der gut gelaunten Frau stets geholfen, fast angstfrei auch schwerste Operationen gut zu überstehen und das Krankenhaus so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Fast angstfrei zu sein, ist für Manuela Jocham das größte Geschenk und Wunder. Es zeigt sich darin, dass sie noch nie Beruhigungs- oder Schlafmittel gebraucht hat und auch nach schweren Operationen schon nach wenigen Tagen ohne Schmerzmittel auskommt.

Durch Krebs Frührentnerin und nicht mehr im Gemeinderat

Als Tiefschlag-Frage empfindet Sie heute: „Was arbeiten Sie?“ Dass die Frührentnerin seit sechs Jahren nicht mehr und wohl auch nie mehr einer bezahlten Tätigkeit nachgehen kann, macht ihr schwer zu schaffen. Dabei hat sie doch so gerne gearbeitet und hält das Gefühl, durch eine sinnvolle Tätigkeit gebraucht zu werden, für mehr als wichtig. 2017 musste die gelernte Industriekauffrau krankheitsbedingt aus dem Gemeinderat ausscheiden. Dass sie als Europa-Beauftragte den Europatag in Niederrieden weiter organisieren kann und darf, empfindet sie als großes Geschenk.

Auch heute hat sie noch mit starken körperlichen Einschränkungen zu kämpfen. Letztlich sind das Folgen der Behandlungen. Der Alltag ist für Manuela Jocham beschwerlich und muss in kleinen Etappen geplant und bewältigt werden. „Trotzdem bin ich dankbar und froh, dass ich so lebe, wie ich lebe.“