Bühne in Memmingen

Landestheater Schwaben: Komplizierter Haushalt im Corona-Jahr

KU LTS

Intendantin Kathrin Mädler kritisierte auf der Zweckverbandsversammlung des Landestheaters Schwaben die stiefmütterliche Behandlung der Kulturbetriebe in der Pandemie.

Bild: Horst Hacker

Intendantin Kathrin Mädler kritisierte auf der Zweckverbandsversammlung des Landestheaters Schwaben die stiefmütterliche Behandlung der Kulturbetriebe in der Pandemie.

Bild: Horst Hacker

Noch fangen staatliche Hilfen die fehlenden Einnahmen auf. Intendantin Kathrin Mädler beklagt fehlende Öffnungsperspektive. Welches interaktive Projekt im Herbst startet.
04.05.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Wie geht es dem Landestheater Schwaben in Memmingen in der Pandemie? Corona und der anhaltende, zweite Kultur-Lockdown schwebten wie eine dunkle Wolke über allen Tagesordnungspunkten bei der jüngsten Zweckverbandsversammlung des Landestheaters Schwaben (LTS). Aber es gab auch Erfreuliches zu vermelden.

Wie bereits bekannt, wird Intendantin Kathrin Mädler das Haus nach der Spielzeit 2021/22 in Richtung Oberhausen in Nordrhein-Westfalen verlassen. Sie stellte jetzt ihren letzten Spielplan für die Saison 2021/22 vor. Zweckverbandsvorsitzender und Oberbürgermeister Manfred Schilder teilte den Verbandsräten mit, dass über Mädlers Nachfolge am 8. Juni entschieden werden soll.

Pandemie: Corona-Hilfen fangen Mindereinnahmen auf

Weil die Jahresrechnung aufgrund der Unwägbarkeiten der Pandemie noch nicht vollständig abgeschlossen ist, informierte Oberspielleiter und stellvertretender Intendant Peter Kesten die Verbandsmitglieder über das vorläufige Ergebnis des „schwierigen Jahres 2020“. Coronabedingt ergaben sich aus dem Spielbetrieb am Stammsitz Memmingen und im Gastspielbetrieb Mindereinnahmen von 226.000 Euro. Positiv zu verbuchen sind 242.000 Euro Unterstützungshilfen durch Bund und Freistaat, insbesondere in Form von Kurzarbeitergeld. Durch Einsparmaßnahmen, wo sie auch immer möglich waren, steuerte das Theater der dramatisch eingebrochenen Einnahmesituation durch die Theaterschließungen zusätzlich entgegen. So stellt sich laut Kesten in der Gesamtsumme die Situation auf den ersten Blick „positiver als befürchtet“ dar. Dies dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den kommenden Spielzeiten Rücklagen für weitere Einnahmeeinbußen durch den Pandemieverlauf und zu befürchtende Einsparungen in den Kulturhaushalten ganz dringend gebraucht würden.

Komplizierte Haushaltsplanung wegen Corona

Wie Peter Kesten erläuterte, stellt sich die Haushaltsplanung für das laufende Jahr in der Gesamtübersicht ebenfalls kompliziert dar, da wegen der unsicheren Öffnungsperspektiven der Theater kaum Voraussagen über die Einnahmesituation zu treffen sind. Auch im Herbst, wenn die neue Spielzeit 2021/22 beginnt, muss noch mit reduzierten Zuschauerkapazitäten gerechnet werden. Deshalb müsse sich der aufgestellte Haushalt an vielen Annahmen orientieren, die sich in der dynamischen Pandemie-Situation täglich ändern könnten.

Erwartbar ist laut Kesten, dass im neuen „Jungen Landestheater Schwaben“ am Schweizerberg die Haushaltsplanung eingehalten wird. Als Verbandsvorsitzender zollte Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder dem von Mädler in die Wege geleiteten Kinder- und Jugendtheater hohe Anerkennung. Es wird seinen Betrieb im Herbst im Theater am Schweizerberg aufnehmen, das schon einmal 20 Jahre lang Studiobühne des LTS war (bis 2011). Das neue Angebot soll nach einer dreijährigen Aufbauphase in der Spielzeit 2023/24 komplett installiert sein.

Projekt „Neues Schwaben, neues Glück“ startet

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Erneut klares Votum für neue Sparte „Junges Theater“ in Memmingen

In der kommenden, letzten Mädler-Spielzeit startet ab Oktober das interaktive, digitale und analoge Kulturprojekt „Neues Schwaben, neues Glück“. Es finanziert sich über eine Förderung der Kulturstiftung des Bundes im Rahmen von „dive in. Programm für digitale Interaktionen“ in Höhe von 121.400 Euro. Dazu muss ein zusätzlicher Eigenanteil von 13.500 Euro vom Landestheater eingebracht werden. Es ist als Projekt für das weit verstreute Publikum des Landestheaters gedacht. Zunächst alleine, im Projektverlauf dann immer mehr aufeinander Bezug nehmend, entwickeln Kulturschaffende aus vier Gastspielorten in inspirierender Zusammenarbeit eine lokal geprägte, vielgestaltige Geschichte. Es soll eine Geschichte werden über den positiven Neustart nach einer Zeit der Krise.

Storytelling auf digitaler Plattform

Bei diesem „Storytelling Projekt“ des Landestheater werden zwei so genannte Theateragenten die lokalen Treffen leiten. Außerdem verknüpfen sie die entstehenden Geschichten miteinander. In Zusammenarbeit mit einem Mediamanager bespielen sie eine dabei entstehende digitale Plattform, auf der Text-, Bild-, Video- und Spielbeiträge zu einem großen gemeinsamen Finale zusammengeführt werden. Als Abschluss des Projekts könnte es zu einer Live-Veranstaltung am LTS kommen – oder sie findet auf der Web-Plattform rein digital statt.

Kritik an Infektionsschutzgesetz

Intendantin Kathrin Mädler kritisierte in der Versammlung die stiefmütterliche Behandlung des Kulturbetriebs bei den Öffnungsperspektiven und im neuen Infektionsschutzgesetz. Sie hätte sich zumindest für Freilichtveranstaltungen eine Entkopplung vom Inzidenzwert gewünscht. Mädler appellierte schließlich an die Verbandsrä-te, in ihren Kommunen mitzuhelfen, dass alle Veranstaltungsorte erhalten blieben, denn momentan seien bei den Kulturschaffenden die „Unsicherheiten total groß“.

Mädler wird als letzte Regiearbeit am LTS im Oktober Friedrich Schillers bildreiches Geschichtsdrama „Die Jungfrau von Orleans“ inszenieren. Sie habe sich für die 1801 in Leipzig uraufgeführte romantische Tragödie entschieden, weil sie von starken, sprachgewaltigen, visionären Frauenfiguren stark fasziniert sei, sagte sie.