Freilichtmuseum in Illerbeuren

Leiter: Das Bauernhofmuseum ist „kein Streichelzoo“

Um die Tierhaltung im Bauernhofmuseum Illerbeuren – auf dem Bild die Zaupelschafe vor dem renovierten Bienenhaus aus Böhen – kreiste die Diskussion bei der Versammlung des Zweckverbands.

Um die Tierhaltung im Bauernhofmuseum Illerbeuren – auf dem Bild die Zaupelschafe vor dem renovierten Bienenhaus aus Böhen – kreiste die Diskussion bei der Versammlung des Zweckverbands.

Bild: Tanja Kutter, Bauernhofmuseum Illerbeuren (Archivfoto)

Um die Tierhaltung im Bauernhofmuseum Illerbeuren – auf dem Bild die Zaupelschafe vor dem renovierten Bienenhaus aus Böhen – kreiste die Diskussion bei der Versammlung des Zweckverbands.

Bild: Tanja Kutter, Bauernhofmuseum Illerbeuren (Archivfoto)

Wie viele Tiere braucht das Bauernhofmuseum – und welche? Das wurde im Zweckverband diskutiert. Zudem ging es um pädagogische Angebote und ein Zukunftskonzept.
25.11.2022 | Stand: 05:45 Uhr

Geht’s um Tiere, dann werden Diskussionen gerne etwas emotionaler: So auch jetzt, als sich der Zweckverband damit befasste, wie sich das Schwäbische Bauernhofmuseum Illerbeuren in kommenden Jahren entwickeln, mit welchen Angeboten es Besucherinnen und Besucher ansprechen soll. Dabei wurden, salopp gesagt, auch Schafe gezählt: Denn eine Frage lautete, welche Tiere – und wie viele – künftig zu sehen sein werden.

Rund 48.000 Besucher kamen 2022 ins Bauernhofmuseum

Nach dem Blick auf die nun endende „sehr positive Saison“ mit rund 48.000 Einzelbesuchern wandte sich Museumsleiter Dr. Bernhard Niethammer den Plänen für das kommende Jahr zu. Sie beinhalten den Bau eines Stalls für Schafe und Ziegen, der im Frühjahr in Eigenleistung geschehen soll. Vehementen Widerspruch von Gremiumsmitglied Josef Hengler erregte das Vorhaben, die Zahl der Tiere zu reduzieren. „Das Museum mit seiner großen Fläche lebt von den Tieren. Alle Besucher, vor allem Familien, bleiben bei ihnen stehen“, betonte er. Ähnlich fielen weitere Wortmeldungen aus.

Museum in Illerbeuren: Leiter will nicht nur Landwirtschaft, sondern auch Gewerbe zeigen

Niethammer stimmte grundsätzlich zu, doch er hob auch den Zweck der Tierhaltung hervor: „Wir wollen alte Haustierrassen zeigen und das, was sie leisten können“, sagte er: „Wir sind weder ein Streichelzoo noch ein landwirtschaftlicher Betrieb.“ Ihm zufolge ist es für die Mitarbeitenden schwierig, die gebotene Betreuung der Tiere zu gewährleisten – der Aufwand müsse überschaubar bleiben. Ebenso wies Niethammer auf die Ausrichtung des Museums hin: „Wir wollen auf dem Gelände nicht nur Landwirtschaft abbilden, sondern auch ländliches Gewerbe.“ Zu der von Hengler ebenfalls angesprochenen Tatsache, dass es im Museum derzeit keine Schweine mehr gibt, äußerte sich Gudrun Thiel, stellvertretende Museumsleiterin und zuständig für den Bereich Landwirtschaft. Der Grund dafür liege in der Schweinepest und damit verbundenen Auflagen, die nicht umsetzbar waren.

Museumsleiter Dr. Bernhard Niethammer machte deutlich, dass im Bauernhofmuseum Illerbeuren nicht nur Landwirtschaft abgebildet werden soll – etwa mit dem Erntetag– sondern auch ländliches Gewerbe.
Museumsleiter Dr. Bernhard Niethammer machte deutlich, dass im Bauernhofmuseum Illerbeuren nicht nur Landwirtschaft abgebildet werden soll – etwa mit dem Erntetag– sondern auch ländliches Gewerbe.
Bild: David Kemmer, Bauernhofmuseum Illerbeuren (Archivfoto)

Historischen Bauten stehen moderne Standards bei Haltung und Tierwohl gegenüber

Der Kauf neuer Pferde, der in der Vergangenheit beschlossen wurde, muss Thiel zufolge warten: Denn die Kaltblüter „Max und Moritz“ genießen mit ihren 27 Jahren noch unerwartet rüstig ihr Rentner-Dasein. Ehe irgendwann junge Vierbeiner die Nachfolge antreten, müsse sichergestellt sein, dass sie tägliches Training und eine „adäquate“ Unterbringung erhalten. Und nicht nur bei den Pferden muss das Museum laut Niethammer und Thiel Antworten auf moderne Anforderungen und Tierwohl-Standards für Ställe finden.

Schließlich stimmte die Zweckverbandsversammlung der Strategie der Museumsleitung zu. Diese sieht Niethammer zufolge vor, die Zahl der Tiere 2023 vorübergehend zu reduzieren. „Dann klären wir, welche Tiere wir, auch aus zusätzlichen Rassen, in den Folgejahren haben wollen und welche Betreuung und Unterbringung sie brauchen.“ Überdies ist die Tierhaltung ein Punkt der Gesamtkonzeption für die Zukunft, die auf Wunsch der Verbandsräte für eine der nächsten Versammlungen ausgearbeitet werden soll.

Vorschlag: Kooperation mit der Öko-Modellregion Günztal

Auch die Frage nach Stellenmehrungen kommt dabei auf den Tisch. Vier zusätzliche Stellen hatte Niethammer bereits in der aktuellen Versammlung beantragt. Verstärkung werde nicht nur für die Betreuung der Tiere benötigt, sondern etwa auch, weil mit der Museumserweiterung die Flächen und das Wegenetz wachsen, die es zu pflegen gilt. Eine Stelle für Kulturlandforschung solle das Team Wissenschaft unterstützen, um bei Themen wie dem Anbau besonderer Kulturpflanzen, der Vermehrung alter Sorten oder historischen Bewirtschaftungstechniken die Forschung sowie Vermittlung für die Gäste voranzubringen. Einige Anwesende regten daraufhin eine Kooperation mit der Öko-Modellregion Günztal oder der Stiftung Kulturlandschaft Günztal an. Die beantragten Stellen sahen die Mitglieder des Gremiums zwar als begründet an, wegen der wirtschaftlichen Lage und der Belastungen durch den Ukraine-Krieg sei eine Zustimmung aber unmöglich.

Museumspädagogik: Programm für Kinder und Erwachsene soll neu aufgestellt werden

Grünes Licht erhielt indes eine Dreiviertelstelle für eine Teamleitung in der Museumspädagogik. Nicht nur die Mitarbeiterin, die sich darum sowie um Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit Veranstaltungsmanagement gekümmert hatte, hat das Museum verlassen – auch weitere Kolleginnen orientierten sich neu. 2022 musste deshalb bei Vermittlungsangeboten mindestens 720 Gästen abgesagt werden. Laut Niethammer besteht nicht nur darum dringender Handlungsbedarf: Die Programme für Kinder seien nicht auf der Höhe der Zeit und in der Erwachsenenbildung fehlten Kompetenzen. Aufgabe der neuen Fachkraft ist es, das Programm neu zu entwickeln und es mit Kolleginnen zu testen. 2024 soll das Museum „neu aufgestellt“ an den Start gehen.

Bei der Versammlung des Zweckverbands für das Bauernhofmuseum Illerbeuren ging es auch darum, dass das museumspädagogische Programm neu entwickelt werden soll. Das Bild entstand beim Ferienprogramm mit Kartoffelernte.
Bei der Versammlung des Zweckverbands für das Bauernhofmuseum Illerbeuren ging es auch darum, dass das museumspädagogische Programm neu entwickelt werden soll. Das Bild entstand beim Ferienprogramm mit Kartoffelernte.
Bild: Tanja Kutter, Bauernhofmuseum (Archivfoto)

Wie unsere Autorin die Diskussion im Zweckverband bewertet, lesen Sie hier.

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