Ausstellung

Lost Place: Halb verfallene Ziegelei wird zum Ort der Kunst

Durch den „Huinzenbogen“ der Allgäuer Künstlergruppe „Die Experten“ geht es zur Kunst im Alten Ziegelwerk in Lerchenberg bei Erkheim.

Durch den „Huinzenbogen“ der Allgäuer Künstlergruppe „Die Experten“ geht es zur Kunst im Alten Ziegelwerk in Lerchenberg bei Erkheim.

Bild: Matthias Becker

Durch den „Huinzenbogen“ der Allgäuer Künstlergruppe „Die Experten“ geht es zur Kunst im Alten Ziegelwerk in Lerchenberg bei Erkheim.

Bild: Matthias Becker

Fast 30 Künstlerinnen und Künstler bespielen im Juli das Alte Ziegelwerk im Unterallgäuer Lerchenberg bei Erkheim. Wer das Areal vor dem Verfall gerettet hat.
05.07.2022 | Stand: 17:00 Uhr

Der leuchtende „Huinzenbogen“ der Allgäuer Künstlergruppe „Die Experten“ weist den Weg vom Parkplatz an einen magischen Ort, der nach langen Jahren des Verfalls wieder erwacht ist aus dem Dornröschenschlaf. Nun erblüht er als Ort der Kultur: Erstmals ist das Alte Ziegelwerk in Lerchenberg 6 bei Erkheim (Unterallgäu) Schauplatz einer Kunstausstellung. Und was für einer. 27 Künstler und Künstlerinnen und eine Künstlergruppe aus der Region sind vertreten (alle Namen stehen am Ende des Artikels). Sie zeigen Bilder, Zeichnungen, Grafik, Fotos, Skulpturen und Installationen in den Werkhallen und auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei.

Sechs Jahre lang kein fließendes Wasser

Wieder zum Leben erweckt diesen Lost Place seit 18 Jahren der Steinbildhauer Hans Kleinschmidt, inzwischen Besitzer des Areals. Der Betzisrieder machte dort zufällig Halt auf der Suche nach einem Ort für eine Bildhauerwerkstatt – und war sofort fasziniert. Der damals 24-Jährige durfte einziehen in die ehemalige Lkw-Garage des Anwesens. Etwa acht Jahre hat er darin gewohnt und gearbeitet, ehe er ein anderes Gebäude für sich herrichten konnte. Über sechs Jahre lang gab es nicht einmal fließendes Wasser. In der Lkw-Garage könnte man nun den Ausstellungsrundgang beginnen, der stets ein spannendes Zusammenspiel von moderner Kunst und dem morbiden Charme der großzügigen Räume in den Backsteinbau von 1921 ist.

Mit kaum Geld, aber nie versiegender kreativer Energie hat Kleinschmidt die ehemalige Ziegelei, die seit 1974 sich selbst überlassen war, Stück für Stück zurückerobert. Heute sieht er den Gebäudekomplex mit seinem weitläufigen Außengelände als ein großes Objekt, an dem er künstlerisch arbeitet. Er saniert mit dem Material, das er noch vorgefunden hat – oder was er sich aus Abbruchcontainern besorgt oder geschenkt bekommen hat (etwa einen alten Bagger, einen Traktor oder 2500 Quadratmeter Dachziegel). Die Instandsetzung des „Ziegelstadels“, wie die Erkheimer die ehemalige Ziegelei in Lerchenberg nennen, dokumentieren ein paar Fotos in der Ausstellung – aber das wäre wieder eine andere Geschichte. Jedenfalls heißt sie jetzt Altes Ziegelwerk: ein Werk, das Hans Kleinschmidt mit eigener Hände Arbeit und kreativen Problemlösungen geschaffen hat. Dort stellt er jetzt auch seine Steinbüsten aus.

Gemeinde Erkheim ist Veranstalter

Besonders ins Zeug gelegt hat sich Kleinschmidt bei der Sanierung – oft sogar noch nachts mit einer Stirnlampe auf dem Kopf – seit er vor einem Dreivierteljahr den Termin für die Ausstellung mit der Gemeinde Erkheim als Veranstalter fixiert hat. Mit der Idee gespielt hat er schon länger, zusammen mit Tanja Braun, die bereits das Hohe Schloss Bad Grönenbach in ein großes Kunsthaus verwandelt hat. Sie ist ehrenamtliche Kulturreferentin der Marktgemeinde und treibende Kraft hinter dem Ausstellungsprojekt; sie hat die Kunstschaffenden und ihre Wunschorte auf den etwa 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche drinnen koordiniert.

Überbleibsel aus vergangenen Zeiten bilden eine spannende Kulisse für die zeitgenössischen Werke (im Bild von Malgorzata Metzeler).
Überbleibsel aus vergangenen Zeiten bilden eine spannende Kulisse für die zeitgenössischen Werke (im Bild von Malgorzata Metzeler).
Bild: Matthias Becker

Als „aufgeräumte Unordnung“ könnte man den jetzigen Zustand in den Räumen bezeichnen. Wer sich dort auf Entdeckungsreise begibt, findet nicht nur die gut platzierten Exponate, sondern auch manches Stück, das von der Vergangenheit dieses Ortes erzählt. Ein kostenloser Katalog informiert über alle Ausstellenden. Erkunden kann man auch den begehbaren (und für die Schau beleuchteten) Rundofen – er ist noch original erhalten. Die Werke einzelner Künstlerinnen und Künstler an dieser Stelle herauszugreifen, würde den Rahmen sprengen – sie vereinen sich zu einem sehenswerten Gesamtkunstwerk. Oder wie Tanja Braun sagt: „Es war uns wichtig, dass für jeden etwas dabei ist. Und wenn jemandem auch nur ein Werk gefallen hat, hat es sich schon gelohnt.“

Infos rund um die Ausstellung

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Künstler: Menni Bachauer, Petra Bammes, Manuela Bilgram, Andreas Birkner, Tanja Braun, Angela Brunner, Karin Dressler, Gerhard Eisenkolb, Annie Gendreau, Brigitte Guggenmos, Kornelia Kesel, Carmen Kirkpatrick-Russ, Hans Kleinschmidt, Maximilian Lanzl, Angela Lohr, Christa Ludwig, Malgorzata Metzeler, Amrei Müller, Ellen Neuschel, Jan Nystrøm, Monica Ostermeier, Werner Prinz, Ecke Recla, Die Experten e.V., Julia Sichko, Horst W. Wendland, Rosa Zahn, Benedikt Zint, Cornelia Zirnbauer.

Öffnungszeiten bis 31. Juli: Donnerstag/Freitag 15 – 18 Uhr, Samstag/ Sonntag 11 – 18 Uhr. Parkplätze befinden sich auf dem Gelände.

Rahmenprogramm (Auszug): Freitag, 8. Juli, ab 15 Uhr: Chor „woisch no?“; Samstag, 16. Juli, ab 16 Uhr: Georg Hiemer (Trompete, Flügelhorn, Piccolo, E-Klavier); Samstag, 23. Juli, ab 16 Uhr: Georg Hiemer und Tiit Born (Gitarre); Donnerstag, 28. Juli, ab 17 Uhr: Günztalmusikanten; Sonntag, 31. Juli, ab 16 Uhr: Finissage mit der Musikkapelle Erkheim.