Wallenstein 2022 in Memmingen

„Man ist das Gesicht der Veranstaltung“: Dieser 52-jährige Memminger spielt den Wallenstein

Robert Junger spielt den Wallenstein. Er freut sich auf die Rolle, die auch eine Menge Verantwortung und Engagement mit sich bringt. Für ein Foto ist er schon mal in das historische Gewand geschlüpft.

Robert Junger spielt den Wallenstein. Er freut sich auf die Rolle, die auch eine Menge Verantwortung und Engagement mit sich bringt. Für ein Foto ist er schon mal in das historische Gewand geschlüpft.

Bild: Maike Scholz

Robert Junger spielt den Wallenstein. Er freut sich auf die Rolle, die auch eine Menge Verantwortung und Engagement mit sich bringt. Für ein Foto ist er schon mal in das historische Gewand geschlüpft.

Bild: Maike Scholz

Textproben, Kostümschneiderei, Auftritte: Die Vorbereitungen bei Wallenstein-Darsteller Robert Junger laufen auf Hochtouren. Worauf er sich am meisten freut.
12.05.2022 | Stand: 15:48 Uhr

Er schlüpft in sein historisches Gewand, setzt den Hut mit den langen Federn auf. Robert Junger lächelt, zieht noch einmal das Wams zurecht. So langsam finde er sich ein. Der 52-jährige Memminger ist der Wallenstein-Darsteller. Mit Spannung aber auch einer notwendigen Gelassenheit schaut er auf die Tage vom 24. bis 31. Juli. Dann finden in Memmingen die Wallenstein-Festspiele statt.

Neuer Wallenstein-Darsteller schon seit dem Jahr 1991 dabei

Robert Junger ist seit dem Jahr 1991 bei den Pikenieren. „Mein Bruder und ein Kumpel waren damals dabei. Die Gemeinsamkeit, das Lager: Das hat mich angesprochen“, blickt der 52-Jährige auf die Anfänge zurück. Heute bekleidet er in der Gruppe den Posten eines Feldwebels. Seit dem Jahr 2007 ist er bei der Theatergruppe des Fischertagsvereins dabei. Diese gestaltet auch das Wallenstein-Theater auf dem Marktplatz. Robert Junger hatte bei den vergangenen Aufführungen schon größere Rollen. Sein Talent in Verbindung mit „der Existenz als Pikenier“: Das sei doch eine gute Kombination.

Wie kommt Robert Junger zur Rolle "Wallenstein"?

Doch wie kommt es, dass der 52-jährige Vater eines Sohnes nun den Wallenstein spielt? „Viele Darsteller kommen aus den Reihen der Theatergruppe“, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion und ergänzt: „Plötzlich stand die Frage im Raum. Ich war für andere ein Kandidat und habe dann das Überlegen angefangen.“ Robert Junger kam zu dem Ergebnis: „Ich könnte mir vorstellen, den Wallenstein zu spielen.“ Das war im Herbst 2019, denn eigentlich sollte die Wallenstein-Festwoche im Jahr 2020 stattfinden. Die Corona-Pandemie allerdings machte das Vorhaben zunichte – für zwei Jahre. Jetzt können und sollen die Memmingerinnen und Memminger sowie Gäste wieder in die Geschichte eintauchen.

Zwei Jahre warten? „Es war schon schade, aber ich hatte so auch einfach mehr Zeit, um mich einzulesen“, zeigt der Wallenstein-Darsteller auf. Die Entscheidung, dass er die Rolle – und damit Verantwortung – übernehmen wird, fiel nämlich im Januar 2020. Da seien ursprünglich nur einige wenige Monate an Vorbereitung drin gewesen. „Ich habe mich so entspannt, mich in der Pandemie-Blase zurückgenommen und auf der Terrasse viel gelesen“, erzählt Junger weiter. Dass es jetzt doch zwei Jahre dauern würde, bis er die Rolle ausfüllen kann, hätte wohl keiner gedacht.

Vorfreude auf Wallenstein-Festspiele groß

Die Vorfreude ist groß. Im März wurde mit den ersten Leseproben begonnen, derzeit wird in Präsenz geübt. „Und plötzlich ging es weiter und man ist mittendrin“, sagt der 52-Jährige und muss lachen. Erste offizielle Termine stehen an – wie die Teilnahme an der Großveranstaltung „Memmingen blüht“ am vergangenen Wochenende, Auftritte bei Events, Kostümproben. „Man realisiert jetzt, dass es wirklich stattfindet. Ich war jetzt zwei Jahre lang Wallenstein auf dem Papier. Jetzt geht es tatsächlich los.“ Alles nehme an Fahrt auf. Ein bis drei Proben gebe es derzeit wöchentlich – abhängig davon, ob der Wallenstein in einer Szene vorkommt und er so als Darsteller benötigt werde. Der Probenplan sei fließend. Er nehme sich die Zeit, versuche alles unter einen Hut zubekommen. Dazu zähle auch sein Beruf. Robert Junger ist Finanzbeamter.

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Lampenfieber gehört für Junger dazu

Momentan wird viel gelernt – und zwar Text. Der muss sitzen. Seine Methode, um diesen auswendig zu lernen? „Ich spreche es laut vor mir her. Bei den Proben bildet man ein Bild und so lernt es sich leichter.“ Wenn er sich im großen Augenblick doch verhaspelt? „Wenn es passiert, dann ist es live, dann muss man wieder reinfinden, aber man kennt eigentlich das Stück und die Szenen. Man ist drin“, sagt Junger. Noch sei er ganz ruhig. Lampenfieber davor gehöre aber auch dazu.

Das Theater nehme einen gewichtigen Teil ein. Seine weitere Funktion bestehe dann auch aus der Repräsentation. „Man ist als Wallenstein das Gesicht der Veranstaltung“, ist er sich bewusst. Das sei wiederum mit Terminen verbunden. Rathausbesuch, Umzug, Lagerbesuche, weitere öffentliche Termine: „Ich bin einfach schon sehr gespannt.“ Mit Darsteller-Vorgängern wie Bernd Klotz oder Dr. Holger Hoffmann sei Robert Junger im Austausch. „Ich wachse so langsam rein“, sagt er. Diese Figur verkörpere mehr, es gehe um andere Dimensionen, um einen anderen Aufwand, doch er wolle sich darauf einlassen.

Theaterspiel fasziniert den neuen "Wallenstein"

Was ihn am Theaterspielen so fasziniert? „Es macht einfach großen Spaß.“ Er habe schon in der Schule beim Theater mitgewirkt, dann auch bei der evangelischen Gemeindejugend. Theater liege ihm, darin habe er sich dann auch weiterentwickelt. „Der Applaus am Ende ist zwar schön, aber nicht das Wichtigste. Es geht darum, in eine Rolle zu schlüpfen und wenn es dann am Ende noch gefällt, dann ist das natürlich schön“, erklärt Junger. Mit Regisseur Ralf Weikinger sei man da auf einem sehr guten Weg.

Robert Jungers Wunsch für die Wallenstein-Woche? „Erst einmal, dass die Wallenstein-Festspiele auch stattfinden können und nicht kurzfristig abgesagt werden müssen und dass unser Theater auch was wird. Bei allem Stress soll große Freude dabei sein – bei uns, allen Vereinsmitgliedern und natürlich bei den hoffentlich zahlreichen Zuschauern.“

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