7-Tage-Inzidenzwerte

Wieso hat Memmingen die höchste Inzidenz in Deutschland? - Die wichtigsten Fragen und Antworten

Memmingen hat den höchsten Inzidenzwert in ganz Deutschland. Viele fragen sich: Warum ist das so?

Memmingen hat den höchsten Inzidenzwert in ganz Deutschland. Viele fragen sich: Warum ist das so?

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Archiv)

Memmingen hat den höchsten Inzidenzwert in ganz Deutschland. Viele fragen sich: Warum ist das so?

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Archiv)

Memmingen ist seit Sonntag neuer Inzidenz-Spitzenreiter in Deutschland. Alle fragen sich: Woran liegt das? Einfach ist das nicht zu beantworten. Ein Überblick.
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Von Allgäuer Zeitung
23.05.2021 | Stand: 16:26 Uhr

Hat Memmingen wirklich den höchsten 7-Tage-Inzidenzwert in Deutschland?

Ja. Am Pfingstsonntag hat Memmingen den bisherigen Spitzenreiter Hildburghausen/Thüringen in der bundesweiten Inzidenz-Tabelle überholt. Zwar ist der Wert von Samstag auf Sonntag von 249,4 auf 238,1 leicht gesunken. Doch in dem thüringischen Landkreis sank der Wert unter 200. Allerdings sind die Corona-Fallzahlen und Inzidenzwerte am Sonntag meist niedriger, weil weniger getestet wird - und nicht alle Gesundheitsämter Daten melden. Die Landkreise Gotha und Sonneberg in Thüringen und der Erzgebirgskreis in Sachsen komplettieren die Top-5 in Deutschland.

Wieso ist der Inzidenzwert in Memmingen so hoch?

Eine einfache Erklärungen dafür gibt es nicht. Mit einer kurzen Unterbrechung zu Wochenbeginn liegt der Inzidenzwert in Memmingen schon den kompletten Monat Mai über der 200er-Schwelle. Das ist viel höher als der Bundesdurchschnitt, der am Pfingstsonntag bei 64,5 liegt.

Die Verantwortlichen der Stadt betonten mehrfach, dass es keinen einzelnen Corona-Hotspot gebe, sondern die Infektionen breit verteilt seien. Folgende Erklärungsansätze nannten sie unter der Woche:

  • Memmingen als Produktionsstandort: Ein möglicher Ansatz ist, dass Memmingen viele Industriebetriebe hat, in denen die Mitarbeiter nicht im Homeoffice arbeiten können. Viele steckten sich während der Arbeit an und trügen das Virus dann in ihre Familie, sagte Referatsleiter Thomas Schuhmaier am Donnerstag.

  • Mutierte Virusvarianten: Auch in der Region hat die britische Corona-Mutation die Oberhand gewonnen. Sie ist wesentlich stärker ansteckend als das ursprüngliche Virus. Ein Infizierter steckt oft seine ganze Familie mit drei bis sechs Personen an. Dies ist allerdings auch im restlichen Land der Fall.

  • Spirale durch viele Infizierte: Wenn eine solche Ansteckung in drei, vier Familien gleichzeitig geschehe, sei das für eine Stadt mit der Größe Memmingens allerdings viel, sagte Dr. Jan Henrik Sperling, Ärztlicher Koordinator für Corona in Memmingen. Damit schnellt der Inzidenzwert weiter nach oben. Diese Spirale zu stoppen, sei sehr schwierig, sagte Sperling.

Ist der Allgäu Airport Schuld am hohen Inzidenzwert in Memmingen?

Etliche Memminger fragten zuletzt, ob der Allgäu Airport mit seinen vielen Einreisenden etwas mit dem hohen Inzidenzwert zu tun haben könnte - erst recht, nachdem allgaeuer-zeitung.de über Corona-Verstöße auf dem Airport-Gelände berichtete. Doch darauf gibt es eine einfache Antwort: Nein, das ist ausgeschlossen. Zum einen liegt der Flughafen auf dem Gemeindegebiet von Memmingerberg und gehört damit zum Landkreis Unterallgäu.

Außerdem fallen positiv getestete Passagiere aus Deutschland in der Regel in die Inzidenzstatistik ihres Wohnortes. Beispiel: Wird ein Fluggast aus München nach der Einreise am Memminger Flughafen mit einem PCR-Test positiv auf Corona getestet, ergeht die Meldung an das zuständige Gesundheitsamt in München. Er taucht dort in der Statistik auf, nicht im Unterallgäu - und schon gar nicht in Memmingen.

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Zudem bleiben Passagiere aus dem Ausland nach der Landung zum Großteil nicht in Memmingen, sie reisen weiter.

Wie reagiert die Stadt Memmingen auf traurigen Inzidenz-Rekord?

Das Gesundheitsamt versucht weiterhin, die Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig zu machen - auch am Wochenende. Dabei wird die Behörde von fünf Soldaten der Bundeswehr unterstützt.

Außerdem kündigte Oberbürgermeister Manfred Schilder mehr Kontrollen in der Innenstadt nach Pfingsten an. Ein Sicherheitsdienst soll dann die Polizei unterstützen, nachdem es immer wieder Hinweise gab, dass sich Passanten nicht an Abstandsregeln hielten oder keinen Mund-Nasen-Schutz tragen würden.

In der Stadt läuft am Wochenende außerdem eine Sonder-Impfaktion mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson, bei der rund 1.500 Memmingerinnen und Memminger geimpft werden. Die Stadt hatte das Sonderkontingent wegen des anhaltend hohen Inzidenzwerts erhalten.

Corona-Lockerungen im Allgäu - nicht in Memmingen

Während im Oberallgäu und im Ostallgäu, in Kempten und im Landkreis Lindau die Außengastronomie öffnen kann, die Ausgangssperre fällt und mehr Schüler in die Schule dürfen, gelten in Memmingen wegen der hohen Sieben-Tage-Inzidenz strenge Regeln. Auch die Stadt Kaufbeuren musste die Lockerungen zurücknehmen. Welche Regeln im Unterallgäu gelten, lesen Sie hier.