Landgericht

Memmingen: Kokain-Dealer muss ins Gefängnis

ACHTUNG: SPERRFRIST 10. APRIL 08:01 UHR.  - ARCHIV - 20.07.2017, Hamburg: ILLUSTRATION - Ein Teil eines großen Kokainfunds wird nach einem spektakulären Fund von Hunderten Kilogramm Drogen in einem Lastwagen während einer Pressekonferenz von der Polizei gezeigt. (zu «Zahl der Drogentoten nahezu konstant - Vier Todesfälle mehr³) Foto: Christian Charisius/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

Mit dem Drogenhandel wollten sich die beiden Angeklagten bereichern und die eigene Sucht finanzieren.

Bild: Christoph Charisius,dpa

Mit dem Drogenhandel wollten sich die beiden Angeklagten bereichern und die eigene Sucht finanzieren.

Bild: Christoph Charisius,dpa

Im Drogenprozess um den Verkauf von Betäubungsmitteln an verdeckten Ermittler gibt es neue Entwicklungen.
21.05.2021 | Stand: 15:18 Uhr

Der Memminger Kokain-Prozess geht in die nächste Runde: Während der 44-jährigen Mitangeklagten wurde zu einer jahrelangen Haftsstrafe verurteilt wurde, ist für den 40-jährigen Hauptangeklagten die Verhandlung jedoch noch nicht zu Ende.

Verkauf von einem Kilogramm Kokain an verdeckten Ermittler

Beide wollten ein Kilogramm Kokain „bester Qualität“ und eine Waffe an den verdeckten Ermittler namens „Ben“ verkaufen. Daraufhin nahm die Polizei die beiden fest. Am Prozesstag sollten eigentlich die Urteile der Angeklagten gefällt werden.

Verfahren wird aufgeteilt

Allerdings erklärte der Vorsitzende Richter Christian Liebhart, dass man nach einer vorhergehenden Beratung beschlossen hatte, das Verfahren abzutrennen. Der Prozess des 40-jährigen Hauptangeklagten wird damit seperat fortgesetzt und verschiebt sich auf den 15. Juni.

Grund dafür war ein neuer, sogenannter Verständigungsvorschlag. Damit ist in diesem Fall eine Einigung über das zu erwartende Strafmaß gemeint – wenn der Angeklagte ein Geständnis ablegt. Dem kam der 40-Jährige vor Gericht nach. Die Untergrenze seiner Strafe ist nun auf sieben Jahre festgelegt und maximal erwarten ihn sieben Jahre und acht Monate. Seine Verteidiger Robert Chasklowicz und David Mühlberger erklärten sich damit einverstanden und er wurde aus der aktuellen Verhandlung entlassen.

Mitangeklagter nun im Fokus

Im Folgenden stand nun der 44-jährige Mitangeklagte im Mittelpunkt. Er landete vor Gericht wegen „unerlaubten Handels und Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge.“ In seiner Wohnung wurden 200 Gramm Kokain, eine geringe Menge Cannabis und 1, 2 Kilogramm Amphetamine gefunden. Zudem verkaufte er zusammen mit dem 40-jährigen Hauptangeklagten an den verdeckten Ermittler „Ben“ 50 Gramm Kokain für 3000 Euro. Über ihn lief auch die Organisation der Betäubungsmittel.

Der Angeklagte habe große Mengen an Betäubungsmitteln besessen

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Der Staatsanwalt Roman Stoschek forderte als Strafmaß sechs Jahre Haft. Gegen den 44-Jährigen spreche die große Menge an Betäubungsmitteln, die er mit sich führte. Diese überschreite das 167-fache der geringen Menge bei Kokain und das 17-fache bei Amphetaminen. „Aber das Betäubungsmittelgesetz ist kein reines Mengenstrafgesetz“, hielt die Verteidigerin des Angeklagten, Anja Mack, dagegen.

Es gehe beim Betäubungsmittelgesetz vor allem um die Wahrung der Volksgesundheit. Und da der Handel mit den Betäubungsmitteln von vorne herein unter Beobachtung und Kontrolle der Polizei gestanden habe, sei hier eine gewisse Minderung der Strafe zu erwarten.

Vieles spreche laut Staatsanwalt Stoscheck für eine Strafminderung

Staatsanwalt Roman Stoschek räumte ein: „Es gibt auch viele positive Aspekte, die für den Angeklagten sprechen.“ Zum einen sei der Angeklagte schwer abhängig von Betäubungsmitteln. Zum anderen habe er sich in der Corona-Krise wirtschaftlich in einer sehr schlechten Lage befunden. „Nur deswegen ist er auf die dämliche Idee gekommen, mit Betäubungsmitteln zu handeln“, sagte seine Verteidigern Anja Mack in ihrem Plädoyer. Auch sei der 44-Jährige bisher nicht vorbestraft gewesen und er zeige ernsthafte Bemühungen für eine Therapie zur Bewältigung seines Suchtproblems. Für sie überwiegen die Gründe damit klar zu seinen Gunsten. Daher forderte sie das Mindeststrafmaß von fünf Jahren und neun Monaten für ihren Mandanten.

Hohe Strafe für Drogenbesitz

Das Gericht ließ sich Zeit mit seiner Entscheidung. Eine dreiviertel Stunde später verkündete Richter Christian Liebhart das Urteil: Fünf Jahre und zehn Monate Haft lautet die entgültige Strafe für den 44-Jährigen. Die Verteidigerin Anja Mack und der Angeklagte stimmten dem Urteil des Gerichts zu. Es ist somit rechtskräftig.

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