Aktuelle Fakten zu Memmingen

Memmingen: Stadt der Freiheitsrechte und Heimatfeste - Infos zu Lage, Geschichte und Sehenswürdigkeiten im Überblick

Memmingen ist mit über 44.000 Einwohnern als wirtschaftliches Oberzentrum neben Kempten und Kaufbeuren die wichtigste Stadt im Allgäu - obwohl sie genau genommen eigentlich zu Oberschwaben gehört.

Memmingen ist mit über 44.000 Einwohnern als wirtschaftliches Oberzentrum neben Kempten und Kaufbeuren die wichtigste Stadt im Allgäu - obwohl sie genau genommen eigentlich zu Oberschwaben gehört.

Bild: Matthias Becker (Archiv)

Memmingen ist mit über 44.000 Einwohnern als wirtschaftliches Oberzentrum neben Kempten und Kaufbeuren die wichtigste Stadt im Allgäu - obwohl sie genau genommen eigentlich zu Oberschwaben gehört.

Bild: Matthias Becker (Archiv)

Memmingen: Infos zu Lage, Geschichte, Ausflügen, Sehenswürdigkeiten und Festen wie Fischertag oder Wallenstein im aktuellen Überblick.
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Von Allgäuer Zeitung
09.05.2022 | Stand: 00:48 Uhr

Wirtschaftliches Oberzentrum, Stadt der Freiheitsrechte und Heimat des Fischertags und der Wallenstein-Spiele: Die Stadt Memmingen gehört neben Kempten und Kaufbeuren zu den städtischen Anziehungspunkten in der Region Allgäu. Vielen Menschen von außerhalb wurde die Stadt in den vergangenen Jahren vor allem durch den Flughafen Memmingen, den "Allgäu Airport", ein Begriff.

Für was ist Memmingen bekannt? Ist Memmingen schön? Welche Sehenswürdigkeiten und Restaurants gibt es und wieso sind die Memminger so stolz auf ihre Stadtgeschichte? In diesem Artikel beantworten wir diese Fragen.

Memmingen: Zahlen und Fakten

Wie viele Einwohner hat Memmingen? Wo liegt Memmingen? Der Überblick:

  • Einwohner Memmingen: 44.360 (31.12.2020)
  • Postleitzahl Memmingen: 87700
  • Kfz-Kennzeichen: MM
  • Vorwahl Memmingen: 08331
  • Oberbürgermeister: Manfred Schilder (CSU)

Für was ist Memmingen bekannt?

Einheimische kennen Memmingen vor allem wegen seiner Heimatfeste: Fischertag und die Wallenstein-Festspiele sind auch über die Grenzen der Stadt in der Region ein Begriff. Memmingen besitzt eine historische Altstadt mit Stadtmauer und Stadtbach, der Memminger Ach.

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"Eine kleine Sensation": Der Wehrgang der Stadtmauer in Memmingen

Überregionale Bekanntheit hat Memmingen in den letzten Jahren durch den "Allgäu Airport" erlangt: Reisende aus Süddeutschland, Österreich und der Schweiz können am Flughafen Memmingen zahlreiche Billigflüge mit Ryanair oder Wizzair ins Ausland ergattern.

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Die Stadt selbst vermarktet sich aktuell offensiv als "Stadt der Freiheitssrechte" und verleiht 2022 wieder den Memminger Freiheitspreis. 1525 wurden in der Kramerzunf die zwölf Bauernartikel verfasst - die erste Niederschrift von Grund- und Menschenrechten in Europa. Gerne bezeichnet sich die Stadt auch als "Sportstadt Memmingen". Diesen Ruf verdankt sie in erster Linie ihren erfolgreichen Vereinen. Der FC Memmingen ist der klassenhöchste Fußballverein im Allgäu. Die ECDC Memmingen Indians sind aktuell Vizemeister der Oberliga und lösten in den Playoffs 2022 eine große Begeisterung in der Stadt aus.

Memmingen: Lage und Geschichte

Die kreisfreie Stadt Memmingen liegt im Regierungsbezirk Schwaben in Bayern. Die Grenze zu Baden-Württemberg ist nah, teils bildet der Fluß Iller im Westen der Stadt die natürliche Grenze. Geografisch gehört Memmingen daher zu Oberschwaben. Das allerdings entspricht nicht dem Selbstverständnis der Memmingerinnen und Memminger, die sich zwar als Schwaben, vielmehr aber zugehörig zum Allgäu sehen.

An den Autobahnen empfängt die Stadt Besucher deshalb mit Schildern mit der Aufschrift: "Memmingen - Das Tor zum Allgäu". Enge Verbindungen gibt es zum Landkreis Unterallgäu, der die Stadt fast vollständig umschließt. So liegt etwa der "Flughafen Memmingen" in der Unterallgäuer Gemeinde Memmingerberg, die kein Stadtteil der kreisfreien Stadt ist.

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Flughafen Memmingen: Der Allgäu Airport in Fotos

Stadtteile von Memmingen sind:

  • Amendingen
  • Steinheim
  • Buxach/Hart
  • Volkratshofen
  • Dickenreishausen
  • Eisenburg

Memmingens Geschichte reicht zurück in die Römerzeit, als es hier einen kleinen Außenposten bei Ferthofen an der Iller gab. Nächste geschichtliche Spuren gibt es im 4. und 5. Jahrhundert. Hier gründete sich an Ort und Stelle eine Siedlung der Alemannen. Auch die Endung "-ingen" lässt darauf schließen.

Der Name Memmingen dürfte auf einen Königshof bei der Siedlung des Mammo zurückgehen. Die erste urkundliche Erwähnung Memmingens datiert auf das Jahr 1128. Herzog Welf VI verlieh Memmingen im 12. Jahrhundert die Stadtrechte.

Ab dem 16 Jahrhundert setzte die Stadt einige geschichtliche Meilensteine:

  • Die Niederschrift der zwölf Bauernartikel in Memmingen 1525 gilt historisch als erste verfassungsgebende Versammlung in Deutschland.
  • 1630 marschiert Feldherr Wallenstein mit seinen Truppen in die Stadt ein und beschert der Stadt inmitten des Dreißigjährigen Krieges einige Monate Ruhe in den Wirren der Zeit.
  • 1702 fällt Memmingen erstmals an Bayern und gehört seit 1803 endgültig dazu.
  • Im Zweiten Weltkrieg wird die Stadt Ziel allierter Bombenangriffe. Der Grund: der Fliegerhorst in Memmingerberg, Stützpunkt der Wehrmacht.
  • Nach dem Krieg zieht die deutsche Luftwaffe in den Fliegerhorst Memmingen.
  • Während des Kalten Kriegs werden auf dem Gelände US-Atomwaffen gelagert. Bis 1996 sind bis zu 400 Soldaten der U.S. Air Force in Memmingen stationiert.

Memmingen: Route und Anfahrt - Autobahnen A7 und A96

Wirtschaftlich erfolgreich ist Memmingen auch wegen seiner guten Lage und hervorragenden Verkehrsanbindungen.

Unmittelbaren Anschluss hat Memmingen gleich zu zwei Autobahnen:

  • der A7 - sie führt in Richtung Süden nach Kempten und Füssen, in Richtung Norden nach Ulm
  • der A96 - die nach München führt, in andere Richtung nach Lindau an den Bodensee

Das Autobahnkreuz Memmingen ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt der Region.

Auch an das Bahn-Netz ist die Stadt überdurchschnittlich gut angeschlossen. Memmingen ist ein wichtiger Haltepunkt der Bahnstrecke Zürich - München. Sechsmal täglich fahren Fernverkehrszüge in beide Richtungen. Mit dem Eurocity ist man in knapp zweieinhalb Stunden in Zürich. Im Nahverkehr geht es dank elektrifizierter Strecke in gut einer Stunde von Memmingen nach München. Die Stadt hat damit auch für Pendler zuletzt nochmals deutlich an Attraktivität gewonnen.

Und der Allgäu Airport verbindet Memmingen in unter zwei Stunden Flugzeit mit Metropolen wie London oder Barcelona.

Memmingen: Restaurants und Kultur

Auch kulturell hat die Stadt viel zu bieten: Sie ist Sitz des Landestheaters Schwaben (LTS), das nicht nur in Bayern, sondern auch in Baden-Württemberg, Hessen, aber auch in Österreich und in der Schweiz unterwegs ist und einen guten Ruf in der Kulturszene besitzt.

Memmingen hat zahlreiche Restaurants und Lokale zu bieten und mit der Memminger Brauerei eine Biermarke, die ihr Exportbier auch über Europas Grenzen hinaus vertreibt.

Memmingen: Wirtschafts-Lokomotive und Oberzentrum

Memmingen ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort im Allgäu. Namhafte Firmen wie

  • Magnet-Schultz
  • Rohde & Schwarz
  • Dachser
  • Pfeifer Seil- und Hebetechnik
  • Gefro
  • Hans Kolb Wellpappe

sind in Memmingen angesiedelt. Die Arbeitslosenquote lag im April bei lediglich 2,3 Prozent. 2018 gab das Bayerische Landesamt für Statistik an, dass in Memmingen die meisten Einkommens-Millionäre in der Region leben.

Memminger Heimatfeste: Was sind Fischertag und Wallenstein?

  • Fischertag

Seinen Ursprung hat der Fischertag in Memmingen im Mittelalter. Damals diente die Ach als Be- und Entwässerungssystem der Stadt. Einmal pro Jahr musste das Wasser abgelassen werden, um das Bachbett von Dreck und Unrat zu säubern. Zuvor durften die Gesellen der Handwerkszünfte den Bach leerfischen. Aus dieser Tradition entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Fischertag, der heute jährlich in der letzten Woche vor den Sommerferien stattfindet.

2022 werden nach einem langwierigen Streit und Gerichtsurteil erstmalig in der Geschichte der Fischertags Frauen und Mädchen als Fischerinnen teilnehmen dürfen. Wer die schwerste Forelle im Bären zappeln hat, wird Fischerkönig – oder Fischerkönigin.

Unumstritten ist der Memminger Fischertag nicht: Tierschutzorganisationen wie PETA klagen das in ihren Augen sinnlose Töten von Forellen zu Wettbewerbszwecken an. Der veranstaltende Fischertagsverein verweist auf die jahrhundertelange Tradition und den verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren, zu dem die Fischer durch Kurse und Kontrollen am Bach angehalten werden.

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Fischertag in Memmingen 2019

  • Wallenstein-Spiele

Mit rund 4.500 Mitwirkenden sind die Wallenstein-Spiele eines der größten Historienfeste in Europa. Sie finden turnusgemäß alle vier Jahre statt - zuletzt 2016. Wegen der Corona-Pandemie mussten die Festspiele 2020 und 2021 abgesagt werden, im Sommer 2022 ist es wieder so weit. Mit der historischen Woche erinnert man in der Maustadt an den Sommer des Jahres 1630, als Feldherr Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein mit seinen Truppen mehrere Monate in Memmingen verweilte. Zu dieser Zeit sei in der Stadt „Glück und Heil“ gewesen, schreibt der zeitgenössische Chronist Sebastian Dochtermann.

Mit Lagerleben, Reiter- und Gauklerspielen, Theater und historischem Markt halten die Memminger die Erinnerung an ihre Stadtgeschichte lebendig. Höhepunkt ist der Einzug Wallensteins an den beiden Sonntagen der Festwoche, zu dem zehntausende Besucher in die Stadt pilgern.

Flughafen Memmingen: Der Allgäu Airport als drittgrößter Flughafen in Bayern

Übers Wochenende zum Shoppen nach London? Oder auf ein Guinness in die Temple Bar nach Dublin? Vom Allgäu Airport in Memmingerberg aus ist dies möglich. 2003 zog die Luftwaffe ihr Jagdbombergeschwader 34 „Allgäu“ vom Fliegerhorst Memmingerberg ab. Gesellschafter aus der heimischen Wirtschaft meldeten sich mit dem ambitionierten Plan, einen Regional-Flughafen auf dem 144 Hektar großen Gelände zu betreiben. Im Herbst 2006 starteten die ersten Charterflüge, im Sommer 2007 nahm TUIfly Passagierflüge ab Memmingen ins Programm.

2009 konnte die Fluggesellschaften Ryanair und Wizz Air als Partner gewonnen werden, die heute den Großteil der Flüge bestreiten. Mit innerdeutschen Verbindungen will es nicht so recht klappen – dafür hat sich der Allgäu Airport als wichtige Drehscheibe für Osteuropa gemausert. Neben den Metropolen Moskau, Kiew, Sofia oder Belgrad geht es dort auch in weniger bekannte Orte wie Kutaissi (Georgien) oder Targu Mures (Rumänien). Über 1,1 Millionen Passagiere fliegen heuer von oder nach Memmingen.

Seit 2018 findet auf dem Gelände des Allgäu Airports mit dem Ikarus Festival Memmingen eines der größten Festivals für Techno- und Elektromusik in Süddeutschland statt.

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Best-of "Ikarus-Festival" in Memmingen

Bekannte Persönlichkeiten der Stadt Memmingen

  • Josef Madlener: Maler und Illustrator, geboren in Amendingen. Mit seiner Zeichnung namens „Der Berggeist“ schuf er die Vorlage für Tolkiens Zauberer Gandalf in "Herr der Ringe"
  • Max Unold: Maler, Grafiker, Schriftsteller
  • Mario Götze: Fußballer, Schütze des goldenen Tores im WM-Finale 2014
  • Claus-Erich Boetzkes: Tagesschau-Sprecher
  • Heinrich Bedford-Strohm: Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.
  • Ivo Holzinger: mit 36 Jahren im Amt war er bis 2016 der dienstälteste Oberbürgermeister Deutschlands

Der Memminger Mau

Augsburg ist die Fuggerstadt, Kaufbeuren die Buronstadt und Memmingen heißt landläufig die Maustadt. Und so leuchtet in einer klaren Nacht über der 43.000-Einwohner-Stadt auch nicht der Mond, sondern der Memminger Mau. Der ist das Wahrzeichen und das Nationalheiligtum der Memminger und kommt auch in einer der bekanntesten Sagen der Stadt vor: Schwer angetrunken schleppten sich eines Nachts zwei Ratsherrn aus der Weinstube Goldener Löwen nach Hause, als sie in einem Wasserzuber die Spiegelung des Vollmonds (Mau) entdeckten. Da kam einer auf die Idee, den Mau herauszufischen, um immer über sein Licht verfügen zu können. Doch selbst der Polizei und dem herbeigeeilten Stadtfischer mit seinen Netzen gelang es nicht, den widerspenstigen Mau zu fangen.

Welche Bedeutung der Mau in Memmingen hat, zeigt auch eine Anekdote aus dem Jahr 1969. Nach der ersten Mondlandung schickte der damalige Oberbürgermeister Dr. Johannes Bauer einen Brief an die NASA, in dem er zum Erfolg der Mission gratulierte und scherzhaft anmerkte, dass die Astronauten auf Memminger „Territorium“ spazieren gingen. Monate später gab es sogar eine Antwort der NASA – unter anderem mit einem handsignierten Foto der Astronauten um Neil Armstrong.

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