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Leerstand in Memmingen könnte auch eine Chance sein - So ist die Situation in der Altstadt

Das Modegeschäft Orsay am Weinmarkt wird schließen, doch auch die Lage dieses Geschäfts ist laut Hermann Oßwald so gut, dass dafür ein Nachmieter gefunden werden wird.

Das Modegeschäft Orsay am Weinmarkt wird schließen, doch auch die Lage dieses Geschäfts ist laut Hermann Oßwald so gut, dass dafür ein Nachmieter gefunden werden wird.

Bild: Fotos: Andreas Berger

Das Modegeschäft Orsay am Weinmarkt wird schließen, doch auch die Lage dieses Geschäfts ist laut Hermann Oßwald so gut, dass dafür ein Nachmieter gefunden werden wird.

Bild: Fotos: Andreas Berger

Leerstand in Memmingen: Darin sieht ein Experte auch Chancen. So könnten mehr Menschen in die Innenstadt gelockt werden.
28.03.2022 | Stand: 08:39 Uhr

Es gibt Einzelhändler und Einwohner, die sich um Memmingens Innenstadt sorgen. Mit Blick auf die Leerstände und die zurückgegangene Zahl an Kunden ist immer wieder mal zu hören: „Die Stadt stirbt aus.“ Wir haben mit Hermann Oßwald, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins und Hausgeschäftsleiter von Reischmann Mode und Sport, darüber gesprochen, der auch Chancen sieht.

  • Leerstände: Während der Corona-Pandemie ist die Zahl der Leerstände in der Innenstadt gestiegen, sagt Oßwald. Und das Umsatzniveau aus der Zeit vor Corona werde der Einzelhandel nicht mehr erreichen. „Da machen wir uns nichts vor.“ Dennoch: „Im Moment sehe ich eine positive Entwicklung.“ Damit meint er unter anderem, dass es für einige Läden Nachfolger gibt. Beispiele: " Im ehemaligen Kaffeehaus Pano in der Kramerstraße 15 soll es wieder Gastronomie geben. " Im ehemaligen Bonita am Theaterplatz wird ein Eiscafé eröffnen. "Wo am Marktplatz mal der Spielwarenladen Heidihase war, wird spätestens am 1. April das italienische Restaurant Lorenzo öffnen. " Ins ehemalige Modegeschäft Hallhuber kommt ein Tui-Reisecenter.

    Dadurch ändert sich der Mix an Geschäften, teils gibt es eine Verlagerung hin zur Gastronomie, worin Oßwald grundsätzlich nichts Schlechtes sieht, sondern auch Chancen, weil so neue Anziehungspunkte für Kunden entstehen könnten. „Es muss spannend sein, in die Stadt zu kommen.“
  • 1-A- und 1-B-Lage: 1A sind die stark frequentierten Bereiche, also vor allem die Fußgängerzone. 1B sind Nebenstraßen der 1-A-Lage. „In 1-A-Lage werden die Leerstände alle wieder vermietet werden, da bin ich mir sicher“, sagt Oßwald. Dazu gehören unter anderem die leerstehenden Räume des Neubaus an der Kramerstraße 31. Auch um das Geschäft kurz vorm Schrannenplatz, in dem die Kette Gina Laura Damenmode anbot, und die Räume am Weinmarkt, die Orsay bald verlassen wird, macht sich Oßwald keine Sorgen. „In 1-B-Lagen hingegen wird es anspruchsvoll.“ Dort könnten vermutlich nur Spezialisten überleben, beispielsweise Geschäfte für Kosmetik, Anglerbedarf, Sport – also Läden, für die Kunden extra in die Stadt kommen.
  • Wohnen in der Altstadt: Und wenn sich keine Spezialisten für 1-B-Lagen finden? Büros kämen in Zeiten von Homeoffice weniger in Frage. Stattdessen könnten leerstehende Läden etwa zu Wohnungen umgebaut werden, sagt Oßwald. Es wäre aus Sicht der Einzelhändler sowieso wünschenswert, wenn mehr Menschen in die Altstadt ziehen würden. Allein schon durch den demografischen Wandel – es gibt immer mehr ältere Menschen – könnte „das Wohnen in der Innenstadt an Attraktivität gewinnen“.
  • Verkehr: Memmingen ist auch auf Kunden aus dem Umland angewiesen, sagt Oßwald. Der ÖPNV werde ausgeweitet, die Radwege würden ausgebaut. Das sei gut. Doch müsse die Innenstadt weiterhin mit dem Auto erreichbar sein. „Und dafür brauchen wir oberirdische Parkplätze.“ Parkhäuser seien zwar auch wichtig. Doch für viele, die nur kurz etwas in der Innenstadt kaufen wollen, seien sie in der Wahrnehmung zu teuer. Das alles müsse in dem Mobilitätskonzept geregelt werden, das derzeit in Arbeit ist.
  • Weinmarkt: Wenn der Weinmarkt ab 2025 verkehrsfrei ist, könne er zum neuen Zentrum der Innenstadt werden – mit mehr Platz für Außengastronomie, mehr Grün und Aufenthaltsmöglichkeiten für Passanten. Davon könnten dann auch die anliegenden Bäcker, Metzger und weiteren Geschäfte profitieren.
  • Rosenviertel, Maximilianstraße, Kalchstraße: Wenn das Rosenviertel umgestaltet ist mit Wohnungen, Gastronomie, Lebensmittel- und Einzelhandel, Büros und Hotel, „werden sich Maximilianstraße und Kalchstraße wieder etwas erholen“, glaubt Hermann Oßwald. Das Rosenviertel werde zum Magneten, mehr Menschen würden dann wieder Maximilian- und Kalchstraße nutzen. Eine Chance, in beiden Straßen Leerstand abzubauen – und Motivation für einige Eigentümer, ihre Gebäude zu renovieren.
  • Ausblick: Die Stadt stehe im Wettbewerb zu anderen Städten wie Ulm und Kempten. Corona habe zudem eine bestimmte Entwicklung beschleunigt, dazu gehöre die wachsende Konkurrenz durch Onlinehandel. Doch schärfe die Situation das Bewusstsein bei Geschäftsleuten, Vermietern und Verwaltung, dass etwas passieren muss. „Wenn es uns weiterhin gelingt, die Stadt attraktiv zu halten, bin ich guter Dinge. Aber es ist anspruchsvoll.“

So könnten mehr Menschen in die Innenstadt gelockt werden

Um mehr Menschen in die Memminger Innenstadt zu locken, wären aus Sicht von Hermann Oßwald unter anderem drei Aspekte wünschenswert:

Mehr Tourismus: „Wir haben ein sehr schönes Ensemble aus vielen alten Häusern in der Innenstadt, eine alte Stadtmauer, die renoviert wird, es passiert ganz viel.“ Doch vielen Menschen aus verschiedenen Teilen Deutschlands sei Memmingen als historische Stadt nicht bekannt. „Das muss einfach besser vermarktet werden.“ Und daran arbeite die Stadt auch. Hilfreich dabei sei, dass Memmingen eine gute Autobahnanbindung habe, das Radnetz werde ausgebaut, „und wir haben einen Flughafen“.

Belebung der Bachgasse: „Was ich mir persönlich wünschen würde, wäre eine Belebung der Bachgasse, und zwar durchgehend bis zum Schrannenplatz.“ Kleine Geschäfte und Cafés, Begrünung, all das schaffe Atmosphäre, dadurch würde der Bach an dieser Stelle der Innenstadt aufgewertet. Das könne dann auch touristisch genutzt werden.

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Supermarkt in der Altstadt: Ein weiterer Supermarkt in der Altstadt ist aus Sicht von Hermann Oßwald wünschenswert. Zwar gibt es schon zwei Märkte, doch sei das Sortiment begrenzt. Eine ausreichende Nahversorgung in der Altstadt sei auch deshalb wichtig, weil die Menschen aufgrund des demografischen Wandels wieder verstärkt in die Städte und so auch in die Stadtkerne zögen. Damit sie zum Einkaufen nicht ins Auto steigen müssen, sei eine Nahversorgung also auch in der Altstadt selbst wichtig – etwa künftig im Rosenviertel.