"Natürlich denken wir uns unseren Teil"

Steckt ein politisches Motiv dahinter? NS-Ausstellung "VerVolkt" in Memmingen zum zweiten Mal angegriffen

Teile der NS-Ausstellung "VerVolkt" am Martin-Luther-Platz in Memmingen sind erneut von Unbekannten beschädigt worden. Jetzt ermittelt die Polizei, ein politisches Motiv ist nicht ausgeschlossen.

Teile der NS-Ausstellung "VerVolkt" am Martin-Luther-Platz in Memmingen sind erneut von Unbekannten beschädigt worden. Jetzt ermittelt die Polizei, ein politisches Motiv ist nicht ausgeschlossen.

Bild: Uwe Hirt (Archiv)

Teile der NS-Ausstellung "VerVolkt" am Martin-Luther-Platz in Memmingen sind erneut von Unbekannten beschädigt worden. Jetzt ermittelt die Polizei, ein politisches Motiv ist nicht ausgeschlossen.

Bild: Uwe Hirt (Archiv)

Randalierer haben die Ausstellung "VerVolkt" für die Opfer des Nationalsozialismus in Memmingen beschädigt. Die Polizei ermittelt, die Macher sind entsetzt.
09.08.2021 | Stand: 15:16 Uhr

In der Nacht zum Samstag zwischen 1.45 und 2.30 Uhr sah eine Zeugin am Martin-Luther-Platz eine vierköpfige Gruppe dabei, wie sie Teile der Ausstellung beschädigte und in deren Umfeld randalierte.

Neben dem reinen Sachschaden ist nach Polizeiangaben vor allem der ideelle Wert der Ausstellung betroffen: Wie berichtet, thematisiert das Open-Air-Projekt "VerVolkt - kann Spuren von Nazis enthalten" den nationalsozialistischen Terror in der Region. Reine Randale oder ein politisches Motiv - der Hintergrund der Tat ist noch unklar: Die Polizei ermittelt in alle Richtungen, hieß es am Sonntag auf Anfrage. Auch am Montag gibt es noch keine neuen Erkenntnissse zu den Tätern. "Wir haben aber gute Ermittlungsansätze", sagt ein Sprecher der Polizei. Hinweise auf die Täter nimmt die Polizeiinspektion Memmingen unter Telefon 08331/1000 entgegen.

NS-Ausstellung "VerVolkt" in Memmingen angegriffen - Macher sind bestürzt

"Das ist kein Kinderstreich, sondern mutwillig passiert", verurteilt Regina Gropper den Vandalismus. Die Kuratorin des Projekts "VerVolkt" zeigt sich auch deswegen bestürzt, weil es bereits der zweite Vorfall ist: Vor einer Woche hatten Unbekannte die Augen von abgebildeten Menschen auf einer Tafel zur Christenverfolgung zerkratzt.

Gropper will nicht spekulieren, wer dahinter steckt - "aber natürlich denken wir uns unseren Teil". Bei der Ausstellung zeige die Polizei durchaus immer wieder Präsenz, sagt die Kuratorin. Bereits bei der Ausstellung "Zeitmaschine Freiheit Revisited" vor fünf Jahren habe Vandalismus gegeben. Damals hätten Unbekannte Hakenkreuze in Ausstellungsstücke auf dem Memminger Martin-Luther-Platz geritzt, den Namen Weinmarkt durchgestrichen und Adolf-Hitler-Platz darübergeschmiert.