Was passiert mit Memminger Bier?

Memminger Brauerei fusioniert mit Egerer - Das haben die beiden Geschäftsführer vor

Wolfgang Kesselschläger (links) und Jörn Hund sind die Geschäftsführer der Memminger Brauerei.

Wolfgang Kesselschläger (links) und Jörn Hund sind die Geschäftsführer der Memminger Brauerei.

Bild: Brauerei

Wolfgang Kesselschläger (links) und Jörn Hund sind die Geschäftsführer der Memminger Brauerei.

Bild: Brauerei

Der Privatbrauerei- und Mineralbrunnenbetrieb Egerer steigt bei der Memminger Brauerei ein. Die neuen Ziele - und was die Kunden damit zu tun haben.
07.04.2022 | Stand: 19:52 Uhr

Veränderungen bei der Memminger Brauerei: Der Privatbrauerei- und Mineralbrunnenbetrieb Egerer steigt ein. Wolfgang Kesselschläger von der hiesigen Brauerei und Jörn Hund vom Privatbrauerei- und Mineralbrunnenbetrieb Egerer sind nun die beiden Geschäftsführer. Ihr Ziel ist es, den Standort zu stärken und weltweite Märkte zu erschließen. Die Geschäftsführer wollen ihre Kunden in Sachen Bier-Rezeptur mit ins Boot holen.

Das steckt hinter der Fusion

Der Privatbrauerei- und Mineralbrunnenbetrieb Egerer aus dem gut 250 Kilometer entfernten Großköllnbach ist bei der Memminger Brauerei eingestiegen. Jörn Hund (57) ist Generalbevollmächtigter bei Egerer und nun Geschäftsführer der Memminger Brauerei. Bei Egerer sei man mit Blick auf die Brauerei an Kapazitätsgrenzen gestoßen. Jochen Kesselschläger von der Memminger Brauerei, der im vergangenen Jahr an seinen Sohn Wolfgang (45) übergab, sei auf Jörn Hund zwecks einer Fusion zugekommen.

„Zwei Familienunternehmen haben sich nun zusammengeschlossen“, sagt Jörn Hund im Gespräch mit unserer Redaktion. Derzeit halte der Betrieb Egerer 51 Prozent der Memminger Brauerei; 28 Prozent sollen im Laufe des Jahres noch hinzukommen. Die restlichen Anteile verbleiben bei Wolfgang Kesselschläger.

Das passiert mit dem Personal

Seit dem vergangenen Jahr arbeiten beide Geschäftsführer gemeinsam an einer Umstrukturierung. Es gehe vor allem darum, Verwaltung und Produktionsprozesse zu optimieren. Wichtig dabei: Beide Unternehmen halten am Personalstamm fest. 90 Prozent dieses Prozesses seien nun abgeschlossen, sodass Kesselschläger und Hund die Fusion jetzt offiziell verkünden.

Die künftige Produktion

In Memmingen sollen die Biere für beide Brauereien produziert werden; die alkoholfreien Getränke sollen weiter in Großköllnbach verbleiben. Das sei die Zielsetzung. Was bedeutet das künftig für das Memminger Bier? „Die Aufmachung wird modernisiert“, sagt Jörn Hund und ergänzt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir wollen den Markenauftritt modern aufziehen und brauchen dafür die Hilfe der Kundschaft.“

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Soll heißen? Am Memminger Standort ist am 14. Mai ein Brauer-Event mit Bier-Tasting, also einer Verkostung, geplant. Kunden sollen probieren, wie die Biere schmecken und so mitentscheiden können. Es seien auch Craft-Brauer eingeladen. Je nach Saison stehen derzeit 18 beziehungsweise 19 Biersorten der Memminger Brauerei zur Auswahl. Das Wallenstein-Bier, das es auch in diesem Jahr geben soll, reiht sich als 20. Sorte ein.

Die technischen Möglichkeiten

Die Egerer-Gruppe hat laut Hund einen Gesamtausstoß von 800.000 Hektolitern. Davon sind 70.000 Hektoliter Bier; der Rest verteilt sich auf Wasser und Limonade. Das Unternehmen ist laut Hund der zweitgrößte Heimdienstlieferant in Deutschland, beschäftigt 200 Mitarbeiter.

Zum Vergleich: Die Memminger Brauerei hat einen Gesamtausstoß von 150.000 Hektolitern (ausschließlich Bier) und 70 Beschäftigte. Zusammen wird nun auf sieben Abfüllanlagen zugegriffen. Während Egerer in PET-Flaschen, Glas und Dosen abfüllt, sind bei der Memminger Brauerei Fass und Glas möglich. Der Umsatz beider Unternehmen liegt bei insgesamt 50 Millionen Euro.

Das Ziel: Bier aus Memmingen in die Welt tragen

Memminger Bier und die Märkte: Das Memminger Bier soll „in die weite Welt getragen werden“, so Jörn Hund. 30.000 Hektoliter würden derzeit für den amerikanischen und kanadischen Markt produziert. Auf dem asiatischen Markt sei man bereits vertreten, aber „noch nicht in dem Ausmaß, wie wir es wollen“. Der europäische Markt solle ebenso verstärkt erschlossen werden. „Die Vielzahl an Abfüllanlagen gibt uns die Möglichkeit dazu“, ist sich Jörn Hund sicher.

Fusion als Gewinn? „Es war die richtige Entscheidung. Unser großes Ziel war, die Memminger Brauerei zu erhalten. Memmingen braucht keinen Konzern, sondern das mittelständische Unternehmen“, sagt Jörn Hund. Er betont: Man möchte nicht der „klassische Investor“ oder „eine Eintagsfliege“ sein, sondern den Standort erhalten und stärken. Dass seit gut zwei Jahren das Team aufgebaut und auch wieder verstärkt auf die Ausbildung – also die Wissensweitergabe – gesetzt werde, sei ein gutes Signal.

Wolfgang Kesselschläger nickt zustimmend und ergänzt: „Es passt sehr gut, weil das Denken das Gleiche ist. Für uns ist es ein Glücksfall.“ Durch die Fusion erhalte die Memminger Brauerei neue Vertriebs- und Vermarktungschancen. Beide Geschäftsführer sind sich in Sachen Fusion und ihrer Strategie sicher: Die Zusammenarbeit hat Zukunft. „Wir sprechen dieselbe Sprache“, so Wolfgang Kesselschläger.

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