Kommentar

Memminger Rosenviertel: Rückschritt ins Hinterzimmer

Was soll hinter diesem Bauzaun entstehen? Derzeit arbeitet die Stadt an den Vorgaben, die potenzielle Planer in einem städtebaulichen Wettbewerb umsetzen sollen.

Was soll hinter diesem Bauzaun entstehen? Derzeit arbeitet die Stadt an den Vorgaben, die potenzielle Planer in einem städtebaulichen Wettbewerb umsetzen sollen.

Bild: Thomas Weigert (Archiv)

Was soll hinter diesem Bauzaun entstehen? Derzeit arbeitet die Stadt an den Vorgaben, die potenzielle Planer in einem städtebaulichen Wettbewerb umsetzen sollen.

Bild: Thomas Weigert (Archiv)

In Memmingens Altstadt soll ein neues Quartier entstehen. Vorgaben werden hinter verschlossenen Türen entworfen. Was nicht nur den MZ-Redaktionsleiter ärgert.
10.08.2021 | Stand: 19:21 Uhr

Geheimniskrämerei oder „Warum gründe ich überhaupt eine Arbeitsgruppe?“ – das ist ein treffender Titel für die aktuelle Situation zum Memminger „Rosenviertel“. Das ehemalige „Bahnhofsareal“ ist derzeit eines der wichtigsten Projekte der Stadt. Da mutet es schon befremdlich an, dass es von der Stadtverwaltung und auch den Kommunalpolitikern nun quasi wie eine „geheime Kommandosache“ behandelt wird. Es braucht sich niemand zu wundern, wenn die Begriffe „Herrschaftswissen“ und „Kungelei“ die Runde machen – und auf diese Weise noch mehr Politikverdrossenheit erzeugt wird. Warum sitzen denn eigentlich in der eigens gegründeten Arbeitsgruppe auch Vertreter aller Stadtratsfraktionen, wenn dann möglicherweise doch wieder alles anders beschlossen wird?

Und ja – es muss nicht alles öffentlich gemacht werden. Aber warum in diesem Fall eigentlich nicht...? Hat die Stadt Angst vor Diskussionen? Schlimmstenfalls kommt es bei dem Projekt zu einem erneuten Bürgerbegehren – und das kann doch ernsthaft niemand in Memmingen wollen. Denn das würde weitere Jahre oder gar Jahrzehnte nach sich ziehen, die das „Rosenviertel“ unansehnlich und brach im Dornröschenschlaf liegt. Mal ganz davon abgesehen, dass dort dringend benötigter Wohnraum entstehen sollte.

Das Projekt „Rosenviertel“ hatte nach dem Bürgerentscheid 2019 so gut begonnen: Mit Bürgerwerkstätten und großer Transparenz. Doch jetzt scheint es wieder zurück in alte Hinterzimmer-Zeiten zu gehen. Schade. Ärgerlich. Überflüssig. Und unnötig.