Infrastruktur

Memmingerberg hat Angst vor Verkehrsbelastung, Lärm und Dreck

Sehr kritisch sieht die Gemeinde Memmingerberg den Bebauungsplan des Zweckverbandes Benningen-Hawangen für das Gewerbegebiet Flughafen-Süd und den Bau der Gemeindeverbindungsstraße zur Hawanger Straße.

Sehr kritisch sieht die Gemeinde Memmingerberg den Bebauungsplan des Zweckverbandes Benningen-Hawangen für das Gewerbegebiet Flughafen-Süd und den Bau der Gemeindeverbindungsstraße zur Hawanger Straße.

Bild: Franz Kustermann

Sehr kritisch sieht die Gemeinde Memmingerberg den Bebauungsplan des Zweckverbandes Benningen-Hawangen für das Gewerbegebiet Flughafen-Süd und den Bau der Gemeindeverbindungsstraße zur Hawanger Straße.

Bild: Franz Kustermann

Die Gemeinde ist gegen des Bebauungsplan für das Gewerbegebiet am Allgäu Airport und spricht sich gegen geplante Ortsverbindungsstraße Hawangen-Benningen aus.
25.11.2021 | Stand: 13:17 Uhr

Vehement und einstimmig sprach sich jetzt der Gemeinderat Memmingerberg gegen den Bebauungsplan des Interkommunalen Gewerbegebiets Flughafen-Süd und die geplante Anbindung zur Ortsverbindungsstraße Hawangen-Benningen aus: Die Räte sahen mit der Planung das Ortsgebiet Memmingerberg verkehrsmäßig völlig überlastet, sprachen von „Flickwerk“, „Schusterei“ und „Dreck“, den Memmingerberg dadurch ertragen müsse. Die „überregionale Verkehrsführung“ sei nämlich nicht geklärt und die Lärmschutzwände an der Industriestraße seien zudem nicht für das zu erwartende Verkehrsaufkommen ausgerüstet.

Gemeinderat Kurt Haug etwa geriet fast außer sich: „Das ist für mich die allerletzte Murkserei der Verkehrswegeplanung-Infrastruktur Unterallgäu.“ Der 62-jährige Maurermeister fragte: „Warum zieht man die Straße nicht außen rum, bindet das immer noch größer werdende Gebiet am Airport an und zieht es komplett weiter auf den Ottobeurer Kreisverkehr rüber? Warum nicht am Dorf Ungerhausen vorbei? Wir brauchen eine weitere Autobahnauffahrt.“ Der Landkreis reagiere immer nur mit Flickwerk, statt vorausschauend zu agieren, monierte der Gemeinderat.

„Nach jetzigem Stand ist Ungerhausen einer der großen Leidtragenden“, sagte Bürgermeister Alwin Lichtensteiger. Für Memmingerberg wäre ein weiterer Autobahnanschluss an der Raststätte Burgacker sehr wichtig, auch um Künersberg zu entlasten. „Zusätzlich hätte man an Hawangen vorbei eine Entlastung bringen müssen“, forderte der Gemeindechef: „Das überregionale Verkehrsnetz ist hierfür sicher nicht ausreichend.“ Bereits vor Jahren hätte man dies mit Umfahrungen der Gemeinden Hawangen und Ungerhausen überplanen müssen.

Auch Amazon berücksichtigen

Jürgen Tzschorn befürchtete: „Zu 90 Prozent wird der Verkehr über Memmingerberg geleitet.“ Man müsse da konsequent sagen, „wir lehnen das ab, solange kein Gesamtkonzept vom Kreis kommt.“ Hawangen mache jetzt den Alten Stadtweg zu, für Hawangen sei der Verkehr dann weg. Selbst wenn das Gebiet auch noch nach Osten hin erweitert werden sollte, habe Memmingerberg immer den gesamten Verkehr zu ertragen. „Wir müssen ganz massiv dagegen sein“, forderte Tzschorn. „Wenn Amazon das ganze Gelände von Hawangen kauft, können wir gar nichts machen“, mahnte der Rat.

Gerhard Hoffmann erinnerte daran, dass das bereits vor über zehn Jahren vom Zweckverband Konversion erstellte und heuer letztmals fortgeschriebene Verkehrskonzept vorsah, dass der Verkehrsfluss nicht nur über den sogenannten Westkopf, sondern auch nach Osten hin erschlossen werden soll. „Damit würde sich der Verkehr gleichmäßiger verteilen.“

Weitere Autobahnauffahrt wäre Lösung

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Lichtensteiger fasste zusammen: „Maßgebend wird der Autobahnzufluss sein.“ Der Gemeindechef hat dieses Problem bereits mit dem Landrat besprochen, der sich nun für die Verkehrsentwicklung „ganz massiv einsetzen“ wolle. Für eine weitere Autobahnauffahrt am Burgacker zugrunde gelegt würde nämlich nicht nur die Passagierzahlen-Entwicklung des Allgäu-Airports, sondern auch die Gewerbeentwicklung in der Region. Der Gemeindechef will die Stellungnahme jedoch nicht als Angriff auf die Planungshoheit der Nachbargemeinden gewertet wissen: „Benningen und Hawangen sollen sich genauso gewerblich entwickeln; da hat jeder ein Recht darauf.“

In seiner abschließenden Stellungnahme zum Bebauungsplan und der Gemeindeverbindungsstraße Memmingerberg-Hawangen brachte der Gemeinderat seine Kritik zur Verkehrsentwicklung deutlich zum Ausdruck: Das überörtliche Verkehrsnetz sei für die beabsichtigte Maßnahme „nicht ausreichend ausgebaut“. Speziell am Kreisverkehr Künersberg-Anschlussstelle A96 könne man das Verkehrsproblem (mit drastischem Rückstau auf der Autobahn und ins Dorf hinein in alle Richtungen) jetzt schon klar beurteilen. Die überregionale Verkehrsinfrastruktur müsse insbesondere auf Kreisebene weiterentwickelt werden, um das Verkehrsproblem auch für die umliegenden Gemeinden Ungerhausen und Hawangen zu entschärfen. Zudem sei der Lärmschutz an der Industriestraße für dieses immense Verkehrsaufkommen nicht ausgelegt worden. Das Gremium empfiehlt zudem in seiner Stellungnahme, das seinerzeit vom Zweckverband Konversion aufgelegte Verkehrskonzept von Modus Consult umzusetzen.

„Straße war von Anfang an geplant“

Auf Nachfrage unserer Redaktion zeigt sich Bürgermeister Ulrich Ommer (CSU) über die Diskussion im Memmingerberger Gemeinderat (siehe Artikel oben) sehr verwundert und überrascht, da die Gemeindeverbindungsstraße Memmingerberg-Benningen-Hawangen im Rahmen der Gesamterschließung „rund um den Verkehrsflughafen mit Westkopf und allen Schikanen von Anfang an geplant und Geschäftsgrundlage war“. Auch sein Benninger Amtskollege Martin Osterrieder (CSU) kann die Diskussion nicht nachvollziehen.

Ommer erklärt, zunächst sei angedacht worden, den „Alten Stadtweg“ als Verbindungsstraße zu nehmen. Um den Verkehr aus der Gemeinde Hawangen raus zu bringen, habe man sich jedoch für die aktuelle Trassenführung entschieden. Ommer findet, für die Memmingeberger Belange sei es „relativ Wurst, ob der Verkehr in den Ort Hawangen hinein oder auf die Gemeindeverbindungsstraße Hawangen-Benningen geleitet würde“.

Seiner Meinung nach war dies „Teil des Deals; von Anfang an war klar, dass die Verkehrsführung so läuft“. Dass dazu an der „überörtlichen Verkehrsführung“ etwas geändert werden soll, „wurde bis jetzt so nicht an uns herangetragen“, sagt Ommer. Deshalb könne er die Verwunderung und den Aufschrei in Memmingerberg nicht ganz nachvollziehen.

„Bin überrascht und schockiert“

„Ich bin überrascht und schockiert zugleich“ sagt Benningens Bürgermeister Martin Osterrieder: „Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass sich der Gemeinderat von Memmingerberg mit den Themen Amazon, weitere Anbindung an die A96, überregionale Verkehrsplanung und sonstigen Dingen beschäftigt. Mir fehlt aber jedes Verständnis dafür, dies bei der Anhörung zu unserem Bauleitplanverfahren zu diskutieren und das zum Anlass zu nehmen, unsere Bauleitplanung für den zweiten Bauabschnitt der Gemeindeverbindungsstraße Memmingerberg-Hawangen abzulehnen.“ Gerade der Zweckverband und die beiden Gemeinden Benningen und Hawangen hätten die ihnen auferlegten Aufgaben mit dem ersten Bauabschnitt innerhalb kurzer Zeit erledigt, betont Osterrieder. Der aus Memmingerberg geäußerte Wunsch nach Umsetzung des Verkehrskonzepts von Modus Consult sei damit von Benninger Seite aus bereits verwirklicht. „In diesem Konzept wird auch die Spange zwischen Kreisverkehr am Westkopf und der Gemeindeverbindungsstraße Benningen-Memmingerberg als dringende Maßnahme genannt, die im Zuständigkeitsbereich der Gemeinde Memmingerberg liegt und weit von einer zeitnahen Realisierung entfernt scheint.“

Förderung in Gefahr

Mit der nun vorliegenden Planung solle der dringend notwendige zweite Bauabschnitt realisiert werden, der im Übrigen auch Bedingung für die hohe Förderung durch den Freistaat Bayern sei. Durch die Realisierung erfahre Memmingerberg eine erhebliche Entlastung des Verkehrs. „Deswegen kann ich nicht verstehen, dass sich ausgerechnet die Gemeinde Memmingerberg gegen diese Planung ausspricht“, wundert er sich.

Darüber hinaus riskiere Memmingerberg mit der jetzigen Ablehnung des Bebauungsplanes die gesamte Förderung von über vier Millionen Euro, von der sie selbst ebenfalls profitiert und die sie dann zu einem erheblichen Teil selbst finanzieren müsste.