Neue Wohnformen

Nein zur "Lebenswiese": Erkheimer Gemeinderat lehnt alternatives Wohnprojekt ab

Das Projekt „Lebenswiese Allgäu“ beinhaltete auch kleine Wohnwürfel, sogenannte Qubes. Unser Bild zeigt eine Innenaufnahme.

Das Projekt „Lebenswiese Allgäu“ beinhaltete auch kleine Wohnwürfel, sogenannte Qubes. Unser Bild zeigt eine Innenaufnahme.

Bild: Franz Kustermann

Das Projekt „Lebenswiese Allgäu“ beinhaltete auch kleine Wohnwürfel, sogenannte Qubes. Unser Bild zeigt eine Innenaufnahme.

Bild: Franz Kustermann

Selbstversorger-Dasein, kaum geteerte Straßen, Wohnen in "Qubes" - so soll das Projekt aussehen. Das wurde abgelehnt. Wo könnte die "Lebenswiese" sonst entstehen?

10.08.2020 | Stand: 17:45 Uhr

In Erkheim wird es vorerst kein „kleines Dorf im Dorf“ geben: Mit 11:4 Stimmen hat der Erkheimer Marktrat beim nunmehr dritten Anlauf die Bauvoranfrage von Dieter Häring abgelehnt, der am Falchenweg das Projekt „Lebenswiese Allgäu“ verwirklichen wollte: Vor einer positiven Zusage bestand der Marktrat auf konkrete Strukturen, etwa auf die Gründung von Verein, Stiftung und Genossenschaft. Die Initiatoren hingegen wollten vor weiteren Schritten und Investitionen ein positives Signal vom Marktrat abwarten.

Häring ist über die Deutlichkeit der Ablehnung im Marktrat sehr erstaunt, zumal er die in dem Gremium aufgelaufenen Fragen ausführlich beantwortet habe: Die zu gründende Stiftung wäre demnach für die Grundstücksangelegenheit zuständig. Den „wirtschaftlichen Teil“ und die gesamte Bauabwicklung hätte die (bisher auch noch nicht gegründete) Genossenschaft übernommen. Der gemeinnützige Verein hätte sich gemäß einer Satzung um die Belange und Aktivitäten rund um die neuen Wohnformen gekümmert. Er habe der Gemeinde auch angeboten, den Part der Stiftung zu übernehmen und einen Vertreter in die Vorstandschaft zu entsenden, so Häring. Nach dem erforderlichen Genehmigungsverfahren hätte die Umsetzung des Projektes „unverzüglich“ beginnen sollen.

Im Wohnprojekt "Lebenswiese" soll es auch einen barrierefreien Bereich geben

Wie berichtet wollten die Initiatoren am Falchenweg im Westen Erkheims das Projekt „Lebenswiese“ realisieren: Kernstück des Projektes sollten ein Gemeinschaftsgebäude und ein Versorgungshaus werden. Angrenzend war ein Schwimmteich mit Regenerationsbereich geplant. Im „barrierefreien Bereich“ sollten Bewohner mit Handicap untergebracht werden. 35 bis 40 Parkplätze waren geplant. Die Wohnwürfel – sogenannte Qubes – sollten alle zueinander ausgerichtet werden; nur leicht abgegrenzt durch locker bepflanzte Grünstreifen. Spezielle Bereiche waren für Doppel-Qubes (für größere Familien) und Einzel-Qubes (für Singles) vorgesehen. Zudem sollte es besondere Areale für Kinder samt naturnah gestaltetem Spielplatz geben. Die Selbstversorgeridee mit biologischem Obst und unbehandeltem Gemüse sollte am Hang verwirklicht werden, um dort möglichst ganzjährig ernten zu können. Der gesamte innere Bereich (ohne Versiegelung) sollte nur mit gemeinschaftlich betriebenen Elektrocars (für den Transport der Einkäufe) genutzt werden.

Landratsamt Unterallgäu will Projekt Lebenswiese fördern

Das Landratsamt habe für diese neue Wohnform in der vorgestellten Projektgröße die Förderfähigkeit bereits signalisiert, sagt Häring. Zudem habe sogar die Aussicht auf eine Betreuungskraft mit Unterstützung einer Sozialarbeiterstelle für zwei Jahre durch die Wohnberatung des Landratsamtes bestanden.

„Solche und ähnliche Projekte sind derzeit bezüglich der Wohnsituation und Flächenversiegelung sehr begehrt und schießen förmlich wie Pilze aus dem Boden“, erklärt der Schreinermeister.

Suche nach neuem Standort für das Projekt "Lebenswiese"

Die Mehrheit der Markträte sah das offensichtlich nicht so euphorisch: Da es aber weiterhin viele Interessenten an dem Projekt gebe, will Dieter Häring nach eigenen Worten nun eine andere Gemeinde („eventuell Türkheim“) suchen, „wo wir willkommen sind“. Dennoch wolle er zunächst auf einem Bauplatz in Erkheim zwei bis drei Qubes aufstellen, wofür keine Genehmigung erforderlich sei.