Nordische Ski-Weltmeisterschaft

Nordische Ski-WM: Sternekoch aus dem Unterallgäu verpflegt die Stars

WS Köche

Dieses Wolfertschwendener Team sorgt bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf für eine gute Bewirtung der Athleten, Trainer und Sponsoren (von links): Felix Weisheitinger, Lena Metzner, Alexander Vögele, Hannah Frisch, Hao Nghiem und Ines Zachow.

Bild: Privat

Dieses Wolfertschwendener Team sorgt bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf für eine gute Bewirtung der Athleten, Trainer und Sponsoren (von links): Felix Weisheitinger, Lena Metzner, Alexander Vögele, Hannah Frisch, Hao Nghiem und Ines Zachow.

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Ein Team aus Wolfertschwenden unter Sternekoch Alexander Vögele verpflegt in Oberstdorf Athleten und Betreuer. Wie der Sternekoch an den Auftrag gekommen ist.
06.03.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Petersilienwurzel-Cremesuppe, rosa gebratenes Roastbeef mit Ofenkartoffeln und Kräuterquark oder frische Pasta mit gebratenem Lachs und Safransoße: Dieses leckere Essen können sich die internationalen Ski-Stars bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf auswählen. Die vielversprechende Verköstigung bereiten der Wolfertschwendener Sternekoch Alexander Vögele und sein Team zu. Vögele hat sich vor zehn Jahren im Wolfertschwendener Tannenweg als Caterer selbstständig gemacht.

Mit seinem Team versorgt er bereits seit vier Jahren das alljährliche „Nordic Weekend“ in der Oberallgäuer Gemeinde. Dabei waren die Oberstdorfer Organisatoren mit dem Wolfertschwendener Sternekoch offensichtlich so zufrieden, dass er heuer beauftragt wurde, sämtliche Athleten, Sponsoren und Teambetreuer der Nordischen Ski-Weltmeisterschaften 2021 in Oberstdorf zu bekochen.

Fleisch und Fisch bereitet Vögele in seiner Küche zu

Zusammengestellt werden im Langlaufstadion täglich zwischen 400 und 500 Mittagessen. An der Schanze müssen stets zwischen 50 und 150 Sportler verköstigt werden. Bei den vier Terminen mit Nachtspringen auf der Schanze gibt es sogar bis 23 Uhr warmes Essen. Auf Höhe des Schanzentisches hat Vögele dann seine Verpflegungsstelle aufgebaut. Jeden Tag gibt es (meist) eine vegetarische Suppe sowie wahlweise ein frisch zubereitetes Fisch-, Fleisch- oder Nudelgericht.

Das Ganze funktioniert in Zusammenarbeit mit dem Ifen-Hotel im Kleinwalsertal: Im Rahmen eines Lehrlingsprojektes werden dem Wolfertschwendener Küchenmeister sechs Auszubildende zur Verfügung gestellt, die täglich frische Pasta kochen. Fleisch und Fisch bereitet Vögele in seiner Küche zu, die der 46-Jährige mit seinen mobilen Kochgeräten im Langlaufstadion ausgestattet und eingerichtet hat.

Nur die Soßen und Suppen werden in seiner Großküche im Wolfertschwendener Tannenweg frisch zubereitet und nach Oberstdorf gefahren. Manchmal werden die Nudeln laut Vögele auch „à la minute“, also frisch vor dem Verzehr vor Ort, gekocht. Nach den Abendveranstaltungen übernachtet Vögele meist im Kleinwalsertal. An normalen Wettkampftagen, wenn gegen 17 Uhr Schluss ist, fährt der Küchenmeister nach Wolfertschwenden zurück und holt „Nachschub für den nächsten Tag“. Den riesigen Aufwand nimmt der Sternekoch gerne in Kauf: „Es ist eine Weltmeisterschaft, bei der die ganze Weltspitze der Skisportler zusammenkommt.“ Da sei es „eine große Ehre, dass man für die WM kochen darf“.

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Außerdem ist der selbstständige Koch derzeit froh, dass er die Veranstaltung bestreiten darf. Die Pandemie-Krise war für das Familienunternehmen zwar „ganz schwierig“, weil im vergangenen Jahr 32 große Hochzeiten mit einem Umsatzvolumen von etwa einer halben Million Euro kurzfristig abgesagt worden seien. In dem schweren Jahr habe das Unternehmen zudem kaum Förderungen erhalten, so Vögele. Allerdings sei sein Unternehmen gut aufgestellt, er brauche keine Pacht und nur wenig Personal zu bezahlen. Seine Mitarbeiter hat Vögele zudem in Kurzarbeit geschickt: „Wir haben zwar nichts verdient in diesem Jahr, aber wir haben auch nicht viel Minus gemacht.“

Sternekoch Alexander Vögele sagt: „Das ist schon sehr beeindruckend“

In Oberstdorf ist für den Koch „alles sehr spannend“ – in einer improvisierten Küche zu kochen, mit direktem, aber berührungsfreiem Kontakt zu den Weltklassesportlern: „Eisenbichler, Geiger und Co. kommen zu uns ans Buffet und holen ihr coronakonform verpacktes Essen kontaktlos ab.“ Insbesondere mit dem deutschen Team der Langläufer habe es schon zahlreiche interessante Begegnungen gegeben: „Das Ganze live zu erleben, ist schon sehr beeindruckend.“

Ebenfalls mit in Oberstdorf war der Küchenchef und Gastronom der Gaststätte Wolfertschwenden, Erich Petermichl. Der 60-jährige Koch half am ersten Tag mit, im Langlaufstadion die mobile Küche und die gesamte Organisation aufzubauen. Zusammen mit Vögele kochte er das Begrüßungsessen für die Jury des Weltverbandes FIS. Weil dort aber jeder alle zwei Tage einen negativen Corona-Test vorweisen muss, ersparte er sich die weitere Teilnahme, obwohl er eigentlich ein begeisterter Skifahrer ist.

Finanziert wird die gesamte Verpflegung vom Veranstalter, der die benötigten Essen jeweils im Vorfeld anmeldet. Petermichl ist vom Flair begeistert: „Da stehst du mitten im Stadion, da siehst du alles!“

Zur Person: Alexander Vögele und Erich Petermichl

Alexander Vögele: Der Spitzenkoch und Küchenmeister war zehn Jahre lang in der Sterne-Gastronomie tätig, hat im Keller seiner Eltern ein Catering aufgebaut und ist seit zehn Jahren ausschließlich in diesem Bereich tätig. In seinem Team arbeitet auch seine Freundin, ein fest angestellter Koch, und Vögeles ganze Familie. Bei Veranstaltungen in der Festhalle Wolfertschwenden organisiert Vögele generell das komplette Catering einschließlich der Bewirtung. Während des Lockdowns kann bei ihm am Wochenende Essen vorbestellt und abgeholt werden.

Erich Petermichl: Er pflegt schon seit Jahrzehnten eine intensive Zusammenarbeit mit Alexander Vögele. Der 60-jährige Petermichl kocht seit 45 Jahren: 23 Jahre als Festhallen-/Vereinsheimwirt in Wolfertschwenden, vier Jahre als Pächter des Goldenen Adlers in Weitnau; fünf Jahre als Küchenchef im Spitzmichl (Bad Grönenbach); fünf Jahre als Küchenchef im Café Martin (Memmingen) und seit 2018 als Küchenchef und Gastronom der Gaststätte Wolfertschwenden. Während des Lockdowns gibt es dort jeden Donnerstag und Freitag auf Vorbestellung vier verschiedene Gerichte zum Abholen.

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